Leidenschaft für den Job

Leidenschaft im Beruf: Muss ich für meinen Job brennen?

Überstunden, Work-Life-Blending und seit Jahren kein Urlaub mehr … Kein Problem, wenn man für seinen Job brennt. Oder etwa doch? Möglicherweise ist Leidenschaft für den Job gar nicht das Maß aller Dinge.

Die schöne Welt der Leidenschaft

Glaubt man TV-Serien, der Werbung oder auch Stellenanzeigen, besteht Arbeit zum großen Teil aus Spaß, Erfüllung und Menschen, die für ihren Beruf brennen und völlig darin aufgehen. So das Idealbild der modernen Arbeitswelt. Denn es gibt ja so viele Möglichkeiten, seinen Berufsweg selbst zu gestalten, sich umzuorientieren und seiner Leidenschaft zu folgen.

Beispiel gefällig? Der äußerst erfolgreiche, aber völlig überarbeitete Investmentbanker schmeißt alles hin und wird Almbauer. Morgens steht er mit den Kühen auf und sitzt danach glücklich vor seiner Hütte, um den Sonnenaufgang zu genießen. Endlich körperliche Arbeit, endlich sich selbst spüren, endlich angekommen. Klingt schön, oder? Wenn Menschen ihre Erfüllung finden und plötzlich das machen, was sie sich immer schon gewünscht haben. Wofür sie brennen.

Die Sache hat nur einen Haken: Nicht jeder Arbeitnehmer ist auch tatsächlich persönlich dazu in der Lage, das zu tun, was er oder sie schon immer wollte. Für seinen Job brennen zu können, ist eben doch auch eine Frage der eigenen Möglichkeiten, auch finanziell.

Emotionaler Absturz zu Beginn des Berufslebens

Besonders für alle, die neu in den Beruf starten, kann dieses Streben nach der Leidenschaft, nach absoluter Erfüllung, eine ganze Menge Ballast bedeuten. Denn, seien wir ehrlich, die Realität in den meisten Jobs sieht natürlich anders aus. Schnell stellt man fest, dass der gewählte Beruf wesentlich weniger glamourös ist, als man sich das vorgestellt hat. Statt coolen Events wartet die Reisekostenabrechnung. Statt exotische Dienstreisen zu unternehmen, wollen Dutzende von Excel-Tabellen gefüllt werden.

Und da soll Leidenschaft aufkommen? Und was stimmt eigentlich nicht mit mir, weil ich keinen Job habe, für den ich brenne?

Die Frage muss erlaubt sein: Muss das denn überhaupt sein? Vielleicht sind es genau die weniger leidenschaftlichen Züge wie Besonnenheit, Zuverlässigkeit und Aufmerksamkeit, die einen zu einem guten Mitarbeiter und zum geschätzten Kollegen machen. Möglicherweise kann es uns schlicht und einfach nur zufrieden machen, wenn wir unseren Job gewissenhaft und gut erledigt haben.

Dem Leidenschaftswahn die rote Karte zeigen

Wer brennt, brennt auch leicht aus. Denn geht man ganz in seinem Job auf und interessiert sich für nichts anderes mehr, fehlt häufig der Kontrapunkt zur Arbeit. Entspannungsphasen, das Zusammensein mit guten Freunden oder mit der Familie finden nicht mehr statt.

Diejenigen allerdings, die ihren Job gewissenhaft und gut erledigen und mit ihrer Aufgabe zufrieden sind, sind darin häufig besser. Ihnen mag es leichter fallen, dann auch den Feierabend, das Wochenende und den Urlaub zu genießen. Und sich gedanklich anderen Dingen zu widmen – dann auch gerne mit Leidenschaft.

Hörst du also das nächste Mal von Freunden, wie sehr sie für ihren Job brennen, während du selbst eben „nur“ zufrieden mit deinen Aufgaben bist: Sei beruhigt, den meisten Menschen geht es so. Und wenn man den Anspruch, alles mit Hingabe und Leidenschaft erfüllen zu müssen, einfach mal hinter sich lässt, kann man damit auch ganz gut leben.

Team Karriere Boost

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Wir kommen aus unterschiedlichen Bereichen der Medienbranche, arbeiten für die Haufe Group, bei Medienagenturen oder sind selbständig. Schreib uns von dir und deinen Erfahrungen im Berufsleben. Wir freuen uns von dir zu hören!

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