Entschleunigung: So findest du den richtigen Rhythmus

Willst du dein Leben vital, zufrieden und gesund erleben, ist zunächst einmal ein Rhythmus von Anspannung und Entspannung nötig. Dieser Rhythmus setzt den Energiezehrenden Aufgaben der Arbeit und des Lebens konsequent regenerative Zeiten und erholsame Tätigkeiten entgegen. Nur so entsteht ein Ausgleich und eine für die psycho-physische Gesundheit notwendige Balance. Das klingt im Grunde genommen banal und hat die Gesundheitsfürsorge immer schon beschäftigt – es ist aber in einer Kultur der ständigen Leistungssteigerung, Multioption und Zerstreuung erheblich schwerer geworden, dies zu beherzigen. Halte einmal kurz inne:

  • Was tut dir gut und sorgt so für einen direkten Ausgleich zum erlebten Stress?
  • Wie kannst du dich am besten entspannen und regenerieren?
  • Wie viel Platz gestehst du diesen regenerativen und Stress ausgleichenden Dingen in deinem Leben zu?

Egal welchen regenerativen Ausgleichstätigkeiten du nun nachgehst, bewährt hat sich auf jeden Fall dem Körper die Gelegenheit zu geben, durch Bewegung wie nordic walking, Fahrrad fahren oder leichtem Ausdauersport die freigesetzten Stresshormone wieder abzubauen. Ein moderates Bewegungsprogramm wirkt dabei oft viel ausgleichender, als sich ständig körperlich auszupowern. Das Auspowern hat seinen Wert, doch wer sich in der Freizeit immer nur auspowern will, läuft Gefahr, sich eher weiter zu überfordern. Und er bleibt aus Loyalität gegenüber einem „Leistungserbringungszwang“ diesem Verhaltensmuster treu. Um aus einem „Getriebenenmodus“ auszusteigen hilft eine klare Musterunterbrechung: submaximale und deswegen regenerative Leistung.

Regeneration stellt also eine Grundbedingung dar, unseren Energiehaushalt täglich wieder in Balance zu bringen. Wenn du deinem Leben darüber hinaus jedoch insgesamt eine zufriedene und ausgewogene Lebensrichtung geben willst, lade ich dich an dieser Stelle ein, meine sechs ultimativen Entschleunigungsfaktoren zur Stärkung der Lebensfreude und Lebenskraft in dein Leben zu integrieren:

Die sechs besten Faktoren der Entschleunigung

1. Das richtige Mengenmaß oder „zu viel um die Ohren“ – reduziere die Mengen, die du „um die Ohren hast“ denn auch das richtige Maß entscheidet über deine Lebensqualität. Du musst also beispielsweise nicht immer auf allen Hochzeiten tanzen und verschiedene soziale oder ehrenamtliche Verpflichtungen dürfen phasenweise auch einmal ruhen.

2. Fremdbestimmung – überprüfe die Werte und Erwartungen deines Umfelds, denn du musst es nicht immer allen permanent recht machen.

3. Selbstbestimmung – lebe das Leben auch nach deinen eigenen Wertmaßstäben. Gönn dir  einen sogenannten „positiven Egoismus“, der ein Ausdruck von Selbstfreundschaft oder „Selbstliebe“ ist. Im Grunde genommen kennen wir das aus dem Christentum: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“.

4. Digitales Fasten – wer permanent online ist, lenkt sich auch ständig ab. Warum musst du immer erreichbar sein? Offline zu sein verspricht dir einen neuen Erlebens-Luxus.

5. Einmal täglich „Stille-Zeit“ – versuche einmal täglich ganz bei dir zu sein.

6. Metazufriedenheit – erinnere dich täglich auch an Positives: was lief heute oder die letzten Tage/Wochen/Monate gut? Worauf kannst du stolz und damit zufrieden sein, auch wenn es heute oder gerade nicht gut läuft?

Entschleunigung der Arbeit – für mehr Leistungskraft und Motivation
Ohne Priorisierung keine Effektivität

In einer Welt steigender Anforderungen, kontinuierlichem Mengenzuwachs und permanenter Ablenkungen helfen uns Priorisierungen dabei, unsere anstehenden Aufgaben in Ruhe, konzentriert und „mit Kraft“ zu erledigen. In einem zu hohen Arbeitstempo laufen wir nämlich Gefahr, die Übersicht zu verlieren und ins Schleudern zu kommen. Dabei werden wir unkonzentrierter und anfälliger für Fehler. Versuche also zunächst einen Weitblick auf  dein Arbeitsjahr einzunehmen:

  • Welche Themen, Aufgaben oder Projekte stehen im Jahr X an?
  • Welche Ziele ergeben sich daraus für deine Abteilung und für dich persönlich?
  • Welche Aufgaben kommen dann in welchen Quartalen, Monaten oder Wochen vor?
  • Was muss also bis wann erledigt sein?

Mit einem entsprechendem Jahreszielplan oder einer „Road Map“ fällt es leichter, die Monate und die Wochen besser vorausplanen zu können.

Das Problem der Ablenkung

Ist dein Arbeitsalltag auch so geprägt, dass du viel zu oft von den Kernaufgaben abgelenkt wirst? Liegt das bei dir auch an der Fülle von Emails, Telefonaten, spontanem Publikumsverkehr oder „Trouble Shooting“ im Tagesgeschäft usw.?

Entschleunigung: Tipps, wie du permanente Ablenkungen reduzierst
  • Mails beantwortest du nach Schwerpunkten und Wiedervorlagen zu fest definierten Tageszeiten (und eben nicht die ganze Zeit nebenher). Versuche Ablenkungen und „Störungen“ durch Anrufe, spontanem Publikumsverkehr, Fragen von KollegInnen oder Mitarbeiterwünschen usw. so zu steuern, dass du selbst den Zeitpunkt des Gesprächs, der Beantwortung einer kurzen Frage usw. bestimmen. Du überlässt es also nach Möglichkeit nicht der Situation, sondern nimmst so weit eben möglich Einfluss darauf. Wenn das bei deinem Job schwer möglich ist, versuche störungsfreie Zeiten mit deinen KollegInnen bzw. deinem Team zu vereinbaren, an denen du in Ruhe Zeit hast, deine Kernaufgaben zu bearbeiten. Diese vereinbarte Zeit kann im offizielle Sprachgebrauch als „Goldene Zeit“ oder “Effizienzzeit“ benannt werden und so positiv besetzt werden.
  • Führungskräfte haben zwar gerne eine „offene Tür“, es ist zur effizienten Erledigung der Aufgaben aber oft hilfreicher, die „offene Tür“ zeitlich zu begrenzen. Vereinbare  also statt einer „offenen Tür“ regelmäßige „Sprechstunden“.
  • Wenn du  Arbeit mit nach Hause nimmst, definiere für dich eine klare Zeitvorgabe, um auch den entsprechenden Feierabend zu haben.
Entschleunigung: Pausen machen den Unterschied

Die meisten Arbeitgeber vereinbaren tarifliche Pausen und kommen so einer Fürsorgepflicht nach. Entscheidend ist jedoch, ob und wie diese Pausen zur Erholung und Regeneration auch genutzt werden. Viele Führungskräfte oder MitarbeiterInnen im Büro ergreifen nämlich aus einem operativen Druck heraus nicht die Chance, in ihren Mittagspausen neue Energie zu tanken, sondern essen eine oft mitgebrachte Mahlzeit während ihrer Tätigkeit. Damit wird zwar das Gefühl befriedigt, die anstehende Arbeitsmenge überhaupt erst bewältigen zu können, meistens sinkt aber durch fehlende Regeneration das Leistungsniveau. Dabei gibt uns mittlerweile die Hirnforschung genügend Hinweise darauf, wie wichtig nicht nur zur geistigen Regeneration, sondern auch für eine bessere Problemlösefähigkeit das assoziative Denken ist. In Ruhe kann das Gehirn Eindrücke und Informationen nachhallen lassen und in der Folge besser miteinander verknüpfen (= Assoziativität). Assoziativität fördert Kreativität und kann somit wertvolle Beiträge zur aktuellen Problemlösung beisteuern. Voraussetzung dafür ist aber, sich Pausen wirklich auch zu gönnen.

Entschleunigung: Tipps für die richtigen Arbeitspausen

Warte nicht mit den Pausen, bis du erschöpft bist, sondern lege öfters kurze Minipausen ein – spätestens alle zwei Stunden für einen kurzen Stopp, ca.  5 Minuten. Fixe Rituale helfen bei diesen Minipausen. Zum Beispiel eine Obstpause am Vormittag oder ein, zwei kleine Tee-, Saft- oder Kaffeepausen über den Tag. Atme in diesen Minipausen tiefer, am besten in Verbindung mit frischer Luft am Fenster. Nutze regelmäßig deine Mittagspause als „Maxipause“, um nach dem Essen noch 15-30 Minuten in einem Park oder in Natur naher Landschaft spazieren zu gehen. Lass dich dabei von Goethes Gedicht „Gefunden“ leiten:

„Ich ging im Walde so für mich hin, um nichts zu suchen, das war mein Sinn.“

Dein Gehirn, dein Wohlbefinden und deine Leistungsfähigkeit wird es dir danken!

Entschleunigung deiner Organisation – raus aus den Beschleunigungsfallen und rein in ein optimales Zusammenspiel aller Kräfte

Ein kontinuierlicher Mengenzuwachs ohne intelligente Steuerung wie Anpassung der Auslastungsplanung, Priorisierung der Themen, Verbesserung der Selbstorganisation von MitarbeiterInnen und Führungskräfte oder effizientere Prozesse usw. bedeutet automatisch mehr Zeitdruck und mehr Stress. Wenn also Kapazitätsgrenzen in Organisationen erreicht werden und es keine Verschnaufspausen mehr durch Routinephasen gibt, manifestiert sich in der Folge eine Überbelastung einzelner oder weiter Teile der Organisation. Frustration und Demotivation, innere Kündigung und ein steigender Krankenstand sind die unerwünschten Auswirkungen. Damit sinkt wiederum die Leistungsfähigkeit jeder Organisation. Beschleunigungsfallen entstehen also typischerweise durch:

  • mangelndes Bewusstsein für die Auswirkungen von Management Entscheidungen an der Basis,
  • „keine Zeit“, in Ruhe Themen zu durchdenken und zu entwickeln,
  • permanentes Multi Projektmanagement und permanentes Change Management,
  • fehlende Synchronisation der Veränderungsvorhaben in den einzelnen Geschäftsbereichen,
  • fehlende Verschnaufspausen und Routinephasen,
  • hohe Mitarbeiterfluktuation
  • und ein fehlende Zugeständnis, dass erst durchdachte sowie gebilligte Lern- und Reifephasen die Fähigkeiten auf ein erwünschtes Leistungsniveau heben können.

Schaffe also zuerst optimale Voraussetzungen für unausweichlichen Mengenzuwachs, in dem du sämtliche Projekte auf Mehraufwände testest und optimal mit dem aktuellen Workload synchronisierst. Führe systematische Lernzeiten und durchdachte Lernpläne für alle neuen Themen ein. Gib allen MitarbeiterInnen Zeit, durch Routinephasen den Reifegrad in den neu erworbenen Fähigkeiten zu stabilisieren und zu verbessern.

Leistung und Tempo gehören zum Leben – Regeneration und Entschleunigung auch. Auf den Rhythmus kommt es an. Leistungsfähigkeit und Regenerationsfähigkeit bilden also zusammen eine überaus kluge „Lebens- und Businesspartnerschaft“.

Pit Rohwedder

Pit Rohwedder

Der Schwangauer Unternehmensberater und Coach Pit Rohwedder ist Experte für intelligente Entschleunigung und zeigt in seinem neuen Fachbuch, wie Lebens- und Arbeitswelten wieder ausgeglichener statt ausgebrannter werden. Seine Lösungen fördern einerseits mehr Leistungsfreude, Motivation und Lebenssinn. Andererseits verbessern sie das clevere Zusammenspiel aller betrieblichen Prozesse und damit den „Rundlauf“ in Organisationen. So sparen Organisationen bares Geld. Darüber hinaus fördern seine intelligenten Entschleunigungsmethoden auch die Innovationskraft in Organisationen, die einen wichtigen Beitrag zur Zukunftssicherung leistet. Rohwedder liefert Lösungswege mit vielen praktischen Vorschlägen für die Umsetzung. Sein Ansatz greift auf wissenschaftliche Untersuchungen zurück und basiert auf jahrzehntelangen Erfahrungen aus seiner Arbeit als Unternehmensberater und Coach. MitarbeiterInnen und Führungskräfte finden praxiserprobte und leicht verständliche Tipps, wie sie privat und beruflich zufriedener und erfolgreicher werden.

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