Der Stress der unendlichen Möglichkeiten

Unsere Möglichkeiten zur Jobauswahl und zur Freizeitgestaltung sind heute schier grenzenlos. Und bei der Optimierung helfen uns diverse Technologien und Tools. Doch erhöht das alles nicht letztlich den Stress?

Je stressiger der eigene Alltag, desto erfolgreicher und unverzichtbarer ist man? Stress ist in der heutigen Zeit regelrecht zum Gradmesser für Leistung und Erfolg geworden. Zum Statussymbol. Wer nicht zu den ersten gehört, die in die Arbeit kommen und tunlichst noch abends die Lichter ausmacht, gilt häufig als unmotiviert, wenig engagiert, lustlos – allen Beteuerungen flexibler und agiler Strukturen zum Trotz. Und auch die Freizeit will optimal gestaltet sein. Wir halten uns fit, essen gesund, engagieren uns ehrenamtlich und sind auch im Urlaub möglichst daueraktiv. Dass das geht, zeigen uns tagtäglich die sozialen Netzwerke. Und schließlich haben wir ja, im Gegensatz zu früheren Generationen, so unendlich viele Möglichkeiten, aus denen das Optimum herausgeholt werden will.

Unendliche Möglichkeiten als Stressfaktor?

Job, Ernährung, Freunde, Freizeit – wir können heute aus dem Vollen schöpfen. Wir haben die Wahl. Die Schattenseite: Je mehr wir wählen können, desto mehr können wir auch falsch machen. Habe ich mich wirklich richtig entschieden? Wäre die andere Option nicht doch die bessere gewesen? Habe ich etwas verpasst? Wir zweifeln, werden unruhig – und suchen Rat. Wege, uns selbst zu optimieren. Das Beste aus unserem Leben herauszuholen. Und wenn wir dann so viel wissen und es trotzdem nicht schaffen perfekt zu sein, verfolgen uns Ängste, Zweifel und Unsicherheiten. Und unsere Widerstandsfähigkeit gegen Stress geht den Bach runter.

Fang an, dich selbst wahrzunehmen

Um zu überwachen, ob wir auch wirklich alles gut gemacht haben, gibt es heute eine ganze Menge an Tools und Technologien. Jeder Schritt, jeder Bissen wird getrackt und protokolliert, ausgewertet und mit anderen aus der Community verglichen. Wir haben Projektmanagement-Tools, die uns sagen, bis wann wir welchen Schritt gemacht haben müssten – kreativer Leerlauf und Pausen natürlich nicht mit einberechnet, Effizienz ist alles. Kannst du nicht mithalten, fühlst du dich schlecht. Weil die anderen besser waren oder du trotz lückenlos geführtem Zeitoptimierungstool immer noch bis spätabends am Schreibtisch sitzt. Wie aber wäre es stattdessen mal mit Selbstwahrnehmung? Wenn dir nicht der Fitnesstracker sagt, dass du mit den 10.000 erreichten Schritten heute Abend glücklich ins Bett gehen kannst. Sondern weil du Dinge getan und erlebt hast, die sich für dich richtig gut angefühlt haben. Weil du im Job eine schwierige Aufgabe erledigt hast – aber dafür mit gutem Gewissen andere Dinge auf morgen verschoben hast. Erlaub dir das und feier das. Genieß einfach mal zwischendurch die vermeintlich kleineren Erfolge.

Von den Möglichkeiten profitieren statt sich davon antreiben zu lassen

Nur weil die neueste Trendsportart jetzt überall präsent und das neue heiße Ding ist, muss sie nicht zu deiner Entspannung beitragen. Nur weil das neueste Optimierungstool von einigen hoch geschätzt wird, kann für dich die Einarbeitung oder die Arbeit damit zusätzlichen Stress bedeuten. Also halte zwischendurch mal inne und hör auf dich selbst, welche der Optimierungsmaßnahmen dir wirklich guttun und lass die anderen getrost gehen. Dann kannst du all die hilfreichen Technologien und Tipps auch durchaus zu deinem Vorteil nutzen.

Du willst mehr darüber erfahren, wie du deinem Leben wieder mehr innere Ruhe gibst und dem Hamsterrad entkommst? Dann empfehlen wir dir den TaschenGuide „Stressmanagement“ von Petra Isabel Schlerit und Susanne Antonie Fischer.

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