Vision, Mission oder doch nur Spinnerei?

„Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen!“ Eine Ansage von Altkanzler Helmut Schmidt, die er vor fast 40 Jahren getroffen hat. Doch was ist dran an dieser Aussage? Auch danach wurde er vor ca. 10 Jahren gefragt. Seine Antwort: „Eine pampige Antwort auf eine dusselige Frage“. Ja, so war Helmut Schmidt, ehrlich und direkt. Nicht umsonst wurde das Wort „Schmidt-Schnauze“ kreiert. Aber bevor wir in Erinnerungen abdriften, soll es sich hier ja um die Zukunft drehen. Was sind Visionen und wieso werden mache zur Spinnerei?!?

Sind wir nicht alle ein wenig Helmut Schmidt mit dieser Aussage?

Vielleicht kommt jetzt der Gedanke „Nein, ich nicht“. Und doch mal Hand aufs Herz, wie ist in der Regel die Reaktion, wenn die eigene Tochter oder der eigene Sohn mit dem Berufswunsch „Popstar“ um die Ecke kommt? Sind dann nicht die Meisten von uns erstmal geneigt, ihm oder ihr das auszureden? „Das werden nur ganz wenige“, „Das ist gar nicht so schön, wie es aussieht“, „Das ist ein sehr mühsamer Weg und ob du damit deinen Lebensunterhalt verdienen kannst, ist auch fraglich“. Wir wollen ja nur das Beste für unser Kind und ob das „Popstar“ ist, bezweifeln sicherlich einige. In Gedanken sehen die meisten von uns unsere Kinder lieber in einem soliden, sichereren Job. Ich war vor einiger Zeit selbst in dieser Situation als mir ein 10-jähriges Mädchen erzählte, dass sie Modedesignerin werden will. Ich hatte die Sätze schon auf der Zunge. 1x tief durchatmen wirkt oft Wunder, aufkommende Gedanken einfach wegatmen.

Dabei ist es für uns und unsere Entwicklung – sowohl wirtschaftlich als auch persönlich – so wichtig, Visionen und Träume zu haben und sich davon auch nicht abbringen zu lassen. Hätte Henry Ford auf die Aussagen von anderen gehört, wer weiß ob wir nicht immer noch mit einem Pferd zum Geschäftstermin reiten würden.

Was ist überhaupt eine Vision?

Eine Vision ist ein Zukunftsbild, welches in den schönsten Farben und Möglichkeiten ausgemalt wird. Frei nach dem Motto von Pippi Langstrumpf „Mache dir die Welt, wie sie dir gefällt.“

Die Vision drückt dein ganz persönliches Herzensthema aus, das Thema wofür du angetreten bist. Sie gibt die Richtung und den Takt in deinem Leben vor. Und sie soll dich motivieren, wenn es gerade mal bei dir so gar nicht läuft. Es gibt ja immer wieder Phasen, sowohl beruflich als auch privat, in denen das Gefühl hochkommt, es klappt gar nichts mehr. Eine Hiobsbotschaft jagt die nächste und es will nichts mehr gelingen. Dann tauchen oft Fragen auf, wie „Wofür mache ich das eigentlich alles?“ oder „Macht das überhaupt noch Sinn?“. Um diese Fragen für sich beantworten zu können, gerade wenn wir in so einem Tal der Tränen sind, ist die eigene Vision hilfreich und gut.

Um diese Kraft der Vision auch optimal nutzen zu können, ist es wichtig, ein paar relevante Punkte bei der Visionserstellung und -umsetzung zu beachten: 5 + 1 Elemente einer perfekten Vision!

  1. Die Formulierung

Mit der Formulierung steht und fällt der Erfolg einer Vision. Es geht hier nicht nur um schöne Bilder, die aus Hochglanzmagazinen ausgeschnitten und auf ein Vision-Board geklebt werden. Es geht vor allem darum, welche Gedanken und Gefühle erzeugt werden, wenn wir uns diese Bilder anschauen, d.h. welche Sätze entstehen dadurch im Kopf. Sind es eher Sätze wie „Ich werde ein großes Haus mit Garten und Pool besitzen?“ oder „Ich werde erfolgreich sein.“ Dann sind es Formulierungen, die in der Zukunft stattfinden und sind für die Erfüllung der Vision nicht so optimal geeignet. Damit eine Vision nicht zur Spinnerei wird, ist die Formulierung im Präsenz sehr wichtig. „Ich habe ein großes Haus mit Garten und Pool“. Unsere Gedanken können keinen Unterschied feststellen, ob wir tatsächlich im Garten unseres Hauses sitzen oder es uns nur vorstellen. Die Macht der Gedanken spielt hier eine wesentliche Rolle, um die Manifestation unserer Vision optimal zu beginnen.

  1. Vollkommen, nicht perfekt

Ein richtig gutes Essen. Die Vorspeise war schon ein Fest für den Gaumen und erst die Hauptspeise. Von der Optik des Tellers über den Duft bis hin zum Geschmack. Eine Geschmacksexplosion jagt die nächste bei jedem Biss. Der Teller ist fast leer und man ist eigentlich satt. Doch ist es so lecker, dass der Rest vom Essen auch noch aufgegessen werden will. Und dann, ja dann sitzt man im Stuhl und ist überfüllt. Aber es war doch so lecker, doch das Völlegefühl ist da. In Gedanken kommen Sätze auf wie „Hätte ich mal nicht aufgegessen, dann wäre ich jetzt nicht so überfüllt.“. So geht es sicherlich dem einen oder anderen, wenn es was Leckeres gibt, könnte man durchaus von unersättlich sprechen.

So kann es auch mit der Erstellung der Vision gehen. Sie ist überladen oder „überfressen“ und wirkt dadurch überfüllt. Statt freudige Gedanken zu erzeugen, wenn wir darauf schauen, ist es eher ein Gefühl von „Puh, geht das wirklich alles?“ Natürlich darf und soll die Vision groß und wunderschön sein, doch nicht überfüllt. Sie ist wie ein gutes Essen, welches mit einem guten Sättigungsgefühl beendet wurde. Satt und zufrieden, nicht überfüllt und schwer.

  1. Sein – Tun – Haben

Die meisten Menschen sind der Ansicht, erst wenn sie bekommen, was sie wollen, können sie die Person sein, die sie sein wollen. Wie oft kommen Gedanken mit „Wenn, dann“ hoch? „Wenn ich das geschafft habe, dann bin ich zufrieden“ „Wenn ich diesen Betrag auf dem Konto habe, dann bin ich glücklich“. Doch um die Vision in das eigene Leben zu ziehen, ist es wichtig, zuerst die Person zu sein, die man sein will. Das bedeutet, wenn ich glücklich bin, dann kommt das Geld auf mein Konto. Wenn ich zufrieden bin, dann schaffe ich die Arbeit besser und schneller. Leben nach dem Gesetz der Anziehung ist hier die optimale Einstellung. Des Weiteren werden aus diesem Verhalten auch andere, in der Regel bessere, Entscheidungen getroffen. Statt aus dem Mangel heraus Entscheidungen für oder gegen etwas zu treffen, sind Entscheidungen aus der positiven Energie heraus wesentlich effizienter und vor allem motivierender.

  1. Glaubenssätze

Oh, unsere stetigen Begleiter, die uns das Leben schwer machen – unsere negativen Glaubenssätze. „Das geht sowieso nicht.“, „Das klappt nicht.“ oder „Das ist doch totaler Blödsinn.“. Schon Henry Ford wusste „Ob du glaubst, du schaffst es oder du glaubst, du schaffst es nicht. In beiden Fällen wirst du Recht behalten! Die Zweifel sind der Tod einer jeden tollen Idee.

Die Herausforderung daran ist, dass wir unsere Gedanken nicht von heute auf morgen komplett ändern können. 90% der Gedanken, die wir heute denken, denken wir auch morgen. Doch möchte ich mich nicht auf das fokussieren, was nicht änderbar ist, sondern auf die Möglichkeiten, die wir haben: Welche 10% der Gedanken, die du heute denkst, möchtest du morgen anders denken? Welche 10% sind die, die am meisten gegen deine Vision sprechen? Wenn wir es schaffen, diese Muster zu unterbrechen, wird die Vision definitiv nicht zur Spinnerei.

  1. Loslassen

„Wie, ich soll meine Vision loslassen?“ werde ich oft von meinen Mentees gefragt. „Wie geht das?“

Eine Vision loszulassen, bedeutet nicht, sie aus den Augen zu verlieren. Wie ist es, wenn wir krampfhaft an etwas festhalten? Verbissen unbedingt etwas wollen? Wir engen uns ein und der Alltag wird schwer und mühsam. Es klappt nicht, bei der nächsten Wiederholung auch nicht und danach immer noch nicht. Die Wut und die Verzweiflung wird immer größer und engt ein. Möglichkeiten werden nicht mehr gesehen, Chancen werden verpasst. Und die Vision gerät immer mehr ins Wanken. Loslassen bedeutet ergebnisoffen zu agieren, Chancen zu erkennen und Möglichkeiten zu erschaffen. „Wer loslässt, hat zwei Hände frei“ um die Chancen und Möglichkeiten auch zu ergreifen.

Ein Mann sitzt auf dem Dach seines Hauses und wartet darauf, dass Gott ihn rettet. Kommt die Feuerwehr im Boot vorbei und sagt: „Steig ein!“ Der Mann: „Nein, Gott wird mich retten.“ Das Wasser steigt.3 Stunden später kommt wieder ein Boot vorbei, von der Feuerwehr: „Steig ein, es wird höchste Zeit“. Der Mann entgegnet bibeltreu: „Nein, Gott wird mich retten.“ Das Wasser steigt. 4 Stunden später kommt das Boot zum 3. Mal vorbei, aber der Mann weigert sich immer noch einzusteigen, weil Gott ihn retten würde. Naja, es klappt halt nicht, der Mann ertrinkt, kommt in den Himmel vor Gottes Thron und beschwert sich: „Du hast gesagt, du würdest mich retten, und ich bin ertrunken!!“ Darauf Gott zum Mann: „Also, mein Lieber, weißt du, ich hab dir DREI MAL die Feuerwehr vorbeigeschickt, und du bist nicht eingestiegen!“

Eine alte in vielen Arten überlieferte Geschichte, die sehr anschaulich zeigt, welche Folgen das Festhalten haben kann.

+1: Die Umsetzung

Eine Vision kann noch so gut in der Formulierung sein, ein optimales Sättigungsgefühl auslösen, die gewünschten „Seins“-Zustände (Punkt 3) auslösen, keine hindernden Glaubenssätze haben und erwartungsfrei gelebt werden. Wenn trotz dieser Punkte der Visionär auf dem Sofa sitzt und darauf wartet, dass die Wünsche an die Tür klopfen und sagen „Hallo, hier bin ich“, dann wird die Vision definitiv zur Spinnerei. Komm in die Umsetzung und ins Handeln, überlege dir welche Dinge dir Spass machen, traue dich aus deiner Komfortzone herauszugehen – frei nach dem Motto von Pippi Langstrumpf „Das habe ich noch nie gemacht, dann muss es funktionieren.“

Denn auch wenn der Satz „Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen“ viele Zitatekarten schmückt, hatte auch Helmut Schmidt seine ganz persönlichen Visionen, die ihn sowohl in seiner aktiven als auch passiven Politikerzeit motiviert und ins Handeln gebracht haben.

Nadine Krachten

Nadine Krachten

Nadine Krachten ist als eine der wenigen Frauen Expertin im Bereich Selbstvermarktung. Als Kunden-Joker unterstützt sie Menschen, die nicht nur eine Vision haben sondern diese auch zum Strahlen bringen wollen. Ihre Mentees werden so individuell von Ihr unterstützt, dass aus den Träumen eine individuelle und zum Business passenden Strategie wird, die reichlich Früchte trägt. In diesem Jahr feiert sie ihr 10-jähriges Jubiläum als Unternehmerin. Innerhalb der letzten 10 Jahre hat sie über 25.000 Menschen erfolgreich unterstützt, wurde mit dem Speaker Excellence Award ausgezeichnet, ist Mentorin bei Digital Hub und Dozentin sowohl an der Hochschule Niederrhein als auch an der Privaten Hochschule Göttingen.

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