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Selbstorganisation: Erste Schritte in eine neue Arbeitswelt
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Selbstorganisation: Erste Schritte in eine neue Arbeitswelt

 Team /gebrüderheitz
Team /gebrüderheitz
Digitalagentur

Wer sich mit New Work beschäftigt, landet früh beim Begriff „Selbstorganisation“. Aber was verändert Selbstorganisation? Was bringt sie? Wie sehen erste Schritte hin zur Selbstorganisation aus? Und wie schaffe ich es, Leute mitzuziehen, die nicht so leicht zu überzeugen sind? Um solche Fragen geht es in diesem Gastbeitrag.

Selbstorganisation meint ein Arbeitskonzept, nach dem Autorität und Entscheidungsmacht zwischen den Angestellten einer Organisation verteilt sind und keine Chefpersönlichkeit mehr benötigt wird. Wir, das Team von der Digitalagentur /gebrüderheitz, sind den Weg zur Selbstorganisation bereits gegangen und finden durch sie Gleichgewicht und Wertschätzung im Arbeitsalltag.

Selbstorganisation: Warum sie allen zugute kommt

Selbstorganisation ist oft mit der Sorge vor Chaos verbunden. Doch keine Angst: Statt abenteuerlicher Zustände bringt Selbstorganisation mehr Effektivität in den Arbeitsalltag und sorgt bei Beschäftigten für Zufriedenheit und Motivation, indem auf agile, wertschätzende Systeme gesetzt und die Intelligenz und Perspektiven aller genutzt werden.

Das hat positive Auswirkungen auf jeder Ebene: Unter anderem lastet auf (ehemaligen) Chef*innen nicht mehr der Druck, perfekte Entscheidungen zu treffen, während Mitarbeitende Prozesse, die sie betreffen, aktiv mitgestalten können.

Erste Schritte zur Selbstorganisation

Für bestehende Unternehmen ist der Weg zur Selbstorganisation eine Reise, die in kleinen Schritten erfolgt. Es nimmt Zeit in Anspruch, alte Prozesse auf ihre Wirksamkeit zu überprüfen, sie zu erneuern, die neuen Strukturen zu verinnerlichen. Neugründer*innen können ihre Prozesse von Anfang an auf der Selbstorganisation aufbauen.

Oft ist aber nicht ganz klar, welche Strategien beim selbst organisierten Arbeiten eingesetzt werden und wie eine Veränderung hin zur Selbstorganisation aussehen kann. Wir haben unsere Reise zum selbst organisierten Unternehmen mit folgenden Schritten gestartet:

1. Schritt: Entscheidungen nach dem Beratungsprozess

In selbst organisierten Organisationen kann jede*r Mitarbeitende Entscheidungen treffen. Die einzige Bedingung ist: Man muss sich zuerst mit den Personen austauschen, die direkt von der Entscheidung betroffen sind, und sich Rat von Mitarbeitenden oder Externen einholen, die auf dem Gebiet Expert*innen sind. Die entscheidende Person spricht ihre Ideen mit den jeweiligen Menschen durch, um die bestmögliche Entscheidung zu treffen.

Der Vorteil: Probleme werden schnell und wirkungsvoll gelöst, genau da, wo die Lösungen gebraucht werden. Niemand muss mehr warten, bis der Entscheidungswunsch durch bürokratische Prozesse gelaufen und auf der Chefebene angelangt ist. Zudem können die Mitarbeitenden, die die Entscheidungsprozesse anregen, besser einschätzen, wie sich die Herausforderung lösen lässt, als jemand, der die jeweiligen Abläufe nicht oder nur aus der Entfernung kennt.

2. Schritt: Transparenter Informationsaustausch

Transparente Prozesse sind ein wichtiger Bestandteil selbst organisierter Arbeit. Damit jede*r Mitarbeitende hochwertige Entscheidungen treffen und ganzheitliche Teilhabe ermöglicht werden kann, müssen sie alle Unternehmensprozesse einsehen können. Wenn Mitarbeitende beispielsweise eine Neueinstellung initiieren wollen, können sie ohne Umwege Einblick in die finanzielle Lage der Organisation erhalten und abschätzen, ob ihre Entscheidung auch aus dieser Perspektive heraus sinnvoll ist. Nach dem Beratungsprozess sind immer Expert*innen an ihrer Seite, die sie auf ihrem Weg unterstützen.

3. Schritt: Rollenbasiertes Arbeiten

Beim rollenbasierten Arbeiten handelt es sich um eine Arbeitsweise, bei der Verantwortlichkeiten an Rollen und nicht an Menschen gebunden sind. Die Rollen selbst werden von Mitarbeitenden auf- und abgesetzt – wie Hüte.

Durch das rollenbasierte Arbeiten wird der Wechsel von Autorität im Arbeitsalltag gefestigt und es werden formale Hierarchien abgebaut. Denn mit dieser Arbeitsweise treten sich nicht mehr Mitarbeitende verschiedener Rangstufen gegenüber, sondern Menschen, die verschiedene Rollen einnehmen.

Bestimmte Rollen können nur von Mitarbeitenden eingenommen werden, die spezifische Erfahrung haben. So kann beispielsweise nicht jede*r die Rolle „Full Stack Developer“ einnehmen. Dadurch wird sichergestellt, dass bereichsspezifische Entscheidungen von den Menschen getroffen werden, die nah an den Herausforderungen dran sind – sie sind am besten ausgestattet, um wirkungsvolle Lösungen zu finden.

Das Umfeld begeistern

Du möchtest Veränderung, dein Umfeld aber nicht?

Manchmal braucht es Zeit, um Kolleg*innen und Chef*innen davon zu überzeugen, was Selbstorganisation für sie tun kann. Aber auch in Unternehmen, in denen du wenig entscheiden kannst, können kleine Veränderungen hin zur Selbstorganisation eingeführt werden, z.B. in den Teams oder in der Abteilung, in denen bzw. in der du arbeitest.

Beispielsweise können Teammeetings jede Woche von jemand anderem moderiert werden. Die Moderationsrolle erhält dann die Verantwortlichkeiten, die Zeit im Blick zu halten und durch die Agenda zu führen. Eine andere Möglichkeit wäre, Mitarbeitende gemeinsam über das Kantinenessen bestimmen zu lassen, indem sie anhand vorausgewählter Menüs via Voting entscheiden, was gekocht wird.

Solche kleinen Schritte können schon große Mindset-Veränderungen mit sich bringen und Beteiligte graduell von der Wirksamkeit der Selbstorganisation überzeugen. Die Neuigkeiten werden sich rumsprechen und dafür sorgen, dass auch andere Mitarbeitende mehr erfahren wollen.