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Mobbing und Cybermobbing: So wehrst du dich dagegen
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Abwehrende Hand vor Gesicht

Mobbing und Cybermobbing: So wehrst du dich dagegen

Dr. Holger Pressel
Dr. Holger Pressel
Stv. Leiter Unternehmenskommunikation

Mobbing und Cybermobbing finden überwiegend im Arbeitskontext statt. Wie Betroffene darauf reagieren sollten, erklärt unser Gastautor Holger Pressel.

Mobbing und Cybermobbing sind keinesfalls nur unter Jugendlichen weit verbreitet: Aktuelle Studien zeigen, dass 20 bis 30 Prozent der über 18-Jährigen schon einmal zum Opfer von Mobbing geworden sind.

Mehr als die Hälfte aller Mobbingfälle findet am oder in Verbindung mit dem Arbeitsplatz statt. Seit Jahren ist eine Zunahme der Fälle zu beobachten. Besonders gilt dies für Attacken im Netz und in sozialen Netzwerken. Aus eigener Betroffenheit engagieren sich mittlerweile selbst Fußballnationalspieler wie Toni Kroos und Niklas Süle gegen Beleidigung, Verleumdung und Bedrohung im Netz.

Mobbing und Cybermobbing treten häufig zusammen auf. Die Mechanismen sind dabei ganz ähnlich: Das Opfer wird ausgegrenzt, beleidigt, bloßgestellt oder bedroht. Im Falle von Cybermobbing kommt allerdings ein Aspekt hinzu: die Anonymität. Diese enthemmt oftmals die Täter, weil diese in der Regel keine negativen Reaktionen oder Konsequenzen befürchten. Vor allem Frauen und junge Leute werden häufig Opfer von Cybermobbing. Besonders betroffen sind jüngere Menschen zwischen 20 und 25 Jahren.

Motive für Mobbingattaken

Aus Sicht der Opfer ist der Grund für (Cyber-)Mobbing zumeist Neid oder das Anderssein. Für Täter steht meistens Ärger über die Betroffenen im Vordergrund und der Wunsch, diese für ein bestimmtes Verhalten bestrafen zu wollen.

Folgen von Cybermobbing

Attacken im Netz führen häufig zu Depressivität, zu Ängsten und zu einem Schwinden oder völligem Verlust von Selbstvertrauen. Auch physische Folgen wie Magen-Darm-Probleme sind keine Seltenheit. In der Folge steigen die Krankheitstage und häufig auch der Wunsch nach einem Wechsel des Arbeitsplatzes oder des Arbeitgebers.

Wie sollten Betroffene reagieren?

Liegt ein akuter Fall von Cybermobbing vor, ist es wichtig, sofort darauf zu reagieren. Dabei sollten Vorfälle jeweils individuell bewertet werden, da die Wahrnehmung von Konflikten stark variiert: Was für den Einen oder die Eine ein (schlechter) Scherz ist, kann für den Anderen oder die Andere eine erhebliche Belastung sein.

Generell sollten subjektive Wahrnehmungen ernst genommen werden. Den Betroffenen hilft es meistens, wenn sie sich aussprechen können – etwa gegenüber ihren Kollegen/-innen, ihrer Führungskraft oder dem Betriebs- bzw. Personalrat. Es empfiehlt sich, mit allen Beteiligten zu sprechen: Alle sollten die Gelegenheit bekommen, die Situation aus ihrer Perspektive zu beschreiben. Dabei sollte auf Schuldzuweisungen (zunächst) verzichtet werden. Ziel ist es, das Mobbing rasch und nachhaltig zu stoppen. Funktioniert eine Lösungssuche nicht, kann im Extremfall eine Kündigung der bessere Weg sein, als Verleumdungen dauerhaft ertragen zu müssen.

Prävention von Cybermobbing

Sowohl Betriebe als auch einzelne Personen können die Wahrscheinlichkeit von Cybermobbing reduzieren: Auf betrieblicher Ebene kommt dabei der Kultur eine entscheidende Rolle zu: Die Unternehmenskultur sollte von einem hohen Maß an Offenheit geprägt sein, damit sich Beschäftigte auch trauen, Missstände anzusprechen.

Um sich vor Attacken im Netz zu schützen, empfiehlt es sich, Fotos, Videos und persönlichen Date mit Bedacht zu veröffentlichen, um dadurch möglichst wenig Angriffsfläche und wenig Material zur digitalen Weiterverbreitung zu bieten. Sinnvoll ist es auch, in gewissen Abständen die eigene Präsenz im Netz überprüfen.

Mehr Info

Mehr Info zu dieser heiklen Problematik bekommst du in meinem Buch „Umgang mit Gewalt am Arbeitsplatz“ (siehe unten) und beim Bündnis gegen Cybermobbing, das auch den Ratgeber „Mobbing und Cybermobbing bei Erwachsenen – die allgegenwärtige Gefahr“ herausgebracht hat.