Mein Handy, mein Auto, meine Wohnung – Vorsicht bei Vergleichsportalen

Um sich schnell, einfach und am besten natürlich „genial“ zu entscheiden, nutzen viele Menschen Vergleichsportale im Internet. Klingt schlau. Ist es aber nicht unbedingt. Vorsicht ist geboten. Denn häufig sind Vergleichsportale nicht so neutral, wie wir denken. Ein Gastbeitrag von Hartmut Walz.

Durch sekundenschnellen Vergleich den besten Flugpreis, den günstigsten Handytarif, das billigste Kreditangebot im Handumdrehen finden… schön wär´s. Nutzt man Vergleichsportale im Internet, wird man häufig gerade nicht neutral, unabhängig und umfassend informiert.

Zwar können Online-Vergleichsportale deine Entscheidung beschleunigen und verbessern – ganz gleich, ob es um Flug oder Hotelübernachtung für die Dienstreise geht oder einen Kredit für deine erste Wohnungseinrichtung. Beim Vergleich und der Auswahl von Produkten und Dienstleistungen solltest du aber kritisch sein, denn es sind jede Menge unredliche Geschäftspraktiken an der Tagesordnung.

Untersuchung des Bundeskartellamts

In seiner jüngsten Untersuchung kam das Bundeskartellamt zu dem klaren Ergebnis: „Haupteinnahmequelle der befragten Vergleichsportale sind die von den Anbietern für Vermittlungen gezahlten Provisionen.“ Das heißt, viele Vergleichsportale sind intransparent, irreführend und arbeiten mit verdeckter Werbung.

Das Bundeskartellamt bemängelt zum Beispiel, dass die Vergleichsportale lange nicht alle Anbieter für ein Produkt oder eine Dienstleistung in die Auswahl nehmen und auflisten. Besonders stark sieben die Portale in den Bereichen Versicherungen, Hotels und Kredite aus. Und zeigen grundsätzlich nur die Anbieter an, von denen sie Provisionen erhalten.

Das heißt: Klickt der Kunde auf dem Vergleichsportal auf ein interessantes Angebot eines Händlers, verfolgt das Programm zurück, dass vom Vergleichsportal auf die Händlerseite verlinkt wurde. Dafür zahlt der Händler dem Vergleichsportal eine Vergütung.

Händler, die keine Provisionen zahlen, erscheinen also erst gar nicht auf dem Vergleichsportal. Die Vergleichsauswahl ist also von Anfang an unvollständig. Marktanbieter fehlen.

Je höher die Provision, desto besser das Ranking

Und es kommt noch schlimmer: Je höher die Provision, die ein Händler dem Vergleichsportal zahlt, desto besser schneidet der Händler in der Vergleichsliste des Portals ab. Der Kunde liegt also falsch, wenn er meint, je besser das Angebot eines Händlers im Vergleich, desto besser sei dessen angezeigter Rang in der Vergleichsliste.

Vielmehr hat die Höhe der Provisionen Einfluss auf die Reihenfolge der dargestellten Angebote beim Ranking.

Weitere fiese Tricks der Vergleichsportale

Das Bundeskartellamt bemängelt noch weitere intransparente Spitzfindigkeiten der Vergleichsportale. So stellen diese mitunter einzelne Angebote der Rankingliste voran, sozusagen auf einer „Position 0“. Oft noch farblich unterlegt. Dieses Angebot sieht dann aus, wie das konkurrenzlos allerbeste Non-Plus-Ultra-Super-Angebot. Dabei ist es nur der Anbieter, der – du ahnst es – dem Vergleichsportal die höchste Provision oder anderweitige Vergütung zahlt.

Oft kommt es auch vor, dass Angebote auf dem Vergleichsportal als „exklusiv“ gekennzeichnet sind – obwohl sie sich zu den gleichen Konditionen auch anderweitig finden lassen.

Manchmal werden auf dem Vergleichsportal zu einzelnen Angeboten auch bestimmte Vorteile oder Gutschriften zugesagt. Versucht der Kunde, diese dann einzulösen, scheitert er häufig an den komplizierten oder umfangreichen Bedingungen dafür.

Eigenständige Portale? Fehlanzeige!

Und selbst wenn man sich als Interessent auf mehreren Portalen erkundigt, bringt das keine Sicherheit. Denn letztlich existieren in den einzelnen Bereichen (Hotels, Flüge, Strom, Kredite oder Telekommunikation) jeweils nur wenige große Portale. Diese kooperieren häufig auch noch miteinander und verwenden oft dieselbe (manipulierte) Datenbasis.

So kann es sein, dass du nach deiner Recherche auf unterschiedlichen Portalen denkst, dass verschiedene Vergleichsportale zum selben Ergebnis kommen – also muss der Flug, das Handy oder der Kredit ja der beste auf dem Markt sein… Tatsächlich sind die Portale nicht unabhängig und provozieren mit Absicht diese irrige Annahme, damit du rasch bestellst.

Metaregel: Sei kritisch und misstrauisch

Finde heraus, wie transparent und neutral das Vergleichsportal tatsächlich ist. Es sollte die Umstände und Bedingungen erklären, wie es zu der Rankingliste kommt, die es dir letztlich als Ergebnis anzeigt.

Hinterfrage: Wie finanziert sich das Vergleichsportal? Werden Vergütungen, Provisionen und ähnliche Zahlungen von den Anbietern an das Vergleichsportal geleistet? Wenn ja, nach welchen Bedingungen? Sind überhaupt alle Marktanbieter berücksichtigt? Oder ist der Vergleich von Anfang an nur auf einzelne Anbieter beschränkt? Ist das Vergleichsportal eigenständig? Wo kommen die Vergleichsdaten her?

Soviel zu dieser Metaregel. Gerne beim nächsten Mal mehr. Damit deine beruflichen und privaten Entscheidungen auch weiterhin einfach genial sind.

Hartmut Walz

Hartmut Walz

Prof. Dr. Hartmut Walz ist ein führender Verhaltensökonom und Entscheidungsexperte. Sein Kerngebiet ist die Schnittstelle zwischen Ökonomie und Psychologie, insbesondere die Frage, wie wir (noch) besser entscheiden. Als Professor, Redner und Autor hat es sich Walz zum Ziel gemacht, möglichst viele Menschen von den Erkenntnissen der Verhaltensökonomie profitieren zu lassen. Dies tut er anschaulich, in leicht verständlichen Bildern, mit AHA-Effekt und Augenzwinkern. Walz ist Autor zahlreicher Fachartikel, der HAUFE-Bücher „Einfach genial entscheiden“ und „Einfach genial entscheiden in Geld- und Finanzfragen“ sowie des Hartmut Walz Finanzblog.

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