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Mach mal Denkpause! Was Chillen mit Selbstreflexion zu tun hat
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Tee im Bett

Mach mal Denkpause! Was Chillen mit Selbstreflexion zu tun hat

 Christian Sonnleitner
Christian Sonnleitner
Berater und Coach für Führung und Veränderung

Täglich strömen unzählige Apelle und Impulse auf uns ein, die verarbeitet werden wollen. Und wir selbst denken ständig dieselben Gedanken. Zeit, eine Denkpause einzulegen, meint unser Gastautor Christian Sonnleitner.

Jeder Mensch ist ein Künstler, sagt Joseph Beuys. Doch im Alltag denken wir hauptsächlich sich wiederholende oder negative Gedanken, kaum neue. Was ist da los? Inspiration gibt es für jeden, nicht nur für die ganz hellen Köpfe unter uns. Das steckt hinter dem Satz von Beuys. Allerdings machen wir eine uninspirierende Erfahrung, die Welt schreit uns im Sekundentakt an:

Klick mich! Kauf mich! Mach dies! Mach jenes! Bewirb dich! Such dir einen andern Job! Streng dich an! Jetzt entspann dich endlich!

Je mehr Appelle wir verdauen, desto unklarer wird, welcher Idee wir da genau folgen. Wir hören auf oder fangen erst gar nicht damit an, uns bewusst wahrzunehmen. Wir reagieren, statt zu reflektieren.

Wie wär’s mal mit einer Denkpause?

Eine Denkpause aktiviert unser inneres Kernprogramm

Wir sind frei, die Pausentaste zu drücken, statt auf jede Notification zu reagieren. Ein Moment der konzentrierten Stille hat das enorme Potenzial, uns auf direktem Weg zum Kern unserer Persönlichkeit zu bringen. Wenn wir das tun, praktizieren wir Konzentration. Diese Form des Chillens küsst ein inneres Kernprogramm wach, das Antworten auf Fragen wie diese sucht: Was sind meine Gedanken? Welche Emotionen sind da? Wie geht es mir physisch? Was will ich wirklich? Was will ich verändern? Wer bin ich?

Wissen, wo wir wirklich stehen

Dieses Programm reaktiviert so etwas wie eine schlafende Beobachterin in uns. Sie besitzt ein Cockpit mit einer Menge an Instrumenten. Das wichtigste davon: ein Kompass. Dieser Kompass gibt je nach persönlichem Konzentrationslevel den Live-Standort frei, wo wir uns wirklich im Leben bewegen. Wir sehen sogar, welchen Impact unser Mindset und unser Verhalten hat. Positiv wie negativ.

Wir können realistisch einschätzen, ob wir uns (vielleicht im Beruf) verlaufen haben und wie wir die Route neu berechnen. Wir sehen klarer, wo wir hin sollten, um etwas zu bewegen. Wir erkennen, was Sache ist, ohne hektisch irgendetwas tun zu müssen.

Wir sind nicht allein

Der Philosoph Hegel hat dieser Denkpause, von der wir reden, sein Lebenswerk gewidmet und sie „Reflexion, die zur Freiheit führt“, genannt. Sie ist genauso Zustand wie Tätigkeit. Hegel zufolge erreichen wir sie durch ein ausdifferenziertes Verhältnis zu uns selbst, zu unserer Umwelt, zu dem, was uns motiviert. Im Gegensatz zur Nabelschau oder Selbstfindung, wo der Räucherduft in der Nase juckt, verstehen wir durch Selbstreflexion, dass wir für uns verantwortlich und gleichzeitig Teil eines Ganzen sind. Wir bekommen Lust, uns zu entwickeln, Empathie zu zeigen, soziale Verantwortung zu übernehmen.

Nur reflektieren? Ein Kabarettist lästert

Der Kabarettist Tommi Schmitt hat in seinem Weihnachtssong Wir reflektieren über einseitige Reflexion gelästert: „Wir müssen nichts bewegen, solange wir über unsere Fehler reden.“ „Es ist doch egal, was auf der Welt passiert, solange man das alles reflektiert.“

Fazit: Wenn Nachdenken konsequenzlos bleibt, versacken wir in Bequemlichkeit und Langeweile.

Mut zur Denkpause

Genau um diese Dynamik der Selbstreflexion geht es. Durch Denkpausen nehmen wir uns Zeit für Konzentration. Konzentration weckt die Beobachterin, die uns reflektiert führt. Durch Selbstführung treffen wir Entscheidungen, die keine Kopie der Erwartungen anderer sind, sondern ausgewogen und vielleicht sogar mutig. Nicht das Ego ist das Ziel, sondern ein Miteinander, das Spaß macht.

Der Weg dahin? Einfach mal Denkpause machen.