Lernen als Veränderungsprozess begreifen

Lernen bedeutet Veränderung. Eine Veränderung unserer Vorstellungen, Meinungen, Betrachtungsweisen etc., und dies geschieht durch und während des Lernens. Veränderungsprozesse sind anstrengend und mühsam. Deshalb ist es wichtig, besonders beim Lernen, dass dir Veränderungen keine Unzufriedenheit bescheren. Um Unzufriedenheit zu vermeiden, empfehle ich dir Folgendes zu überprüfen:

  • das neue Wissen, dass du erlernen willst, muss für dich grundsätzlich verständlich sein
  • das neu zu erlernende Wissen muss für dich auch plausibel erscheinen
  • das neue Wissen darf nicht „träge“ sein

Selbstverständlich ist der Veränderungsprozess kein Selbstläufer, er erfordert gewisse Energien bzw. Katalysatoren. Was könnten diese sein? Die wichtigsten sind Motivation und Interesse. Diese beiden sind die Hauptantreiber fürs Lernen im Sinne eines Veränderungsprozesses. Den Prozess zu initialisieren oder zu katalysieren, ist nicht ausreichend, um einen neuen Lernzustand zu erreichen. Du brauchst noch etwas, um am Ball zu bleiben. Das sind die Lernziele, die dir ermöglichen, den von Interesse und von Motivation entzündeten Veränderungsprozess erfolgreich abzuschließen. Der Prozess der Zielerreichung, besteht aus zwei Komponenten: Lerntaktik und Lernstrategie. Im Lernkontext beinhaltet die Lerntaktik Schlüsselkompetenzen, wovon schon oben die Rede war. Den genauen Plan, wie du dabei vorgehst und welche „Utensilien“ dir auf dem Weg Hilfe leisten um dein Ziel zu erreichen, stellt die Strategie zur Zielerreichung dar. Beim Lernen inkludiert die Strategie zur Lernzielerreichung Lernmethoden und -vorgehensweisen.

Selbstgesteuertes Lernen

Es ist mittlerweile nachgewiesen, dass Menschen, die selbstgesteuert lernten, bessere Lernfortschritte erzielen. Das selbstgesteuerte Lernen bedeutet, dass du selbst deine Lernziele festlegst und dich auch selbst darum kümmerst, wie, wo, wie schnell und mit wem du diese Lernziele erreichst. Ich schlage dir folgende Vorgehensweise für das selbstgesteuerte Lernen, die ich Spirale oder Schleife des selbstgesteuerten Lernens nenne, vor:

  1. Du definierst deinen Lerntyp, Lernstil und Lernmodus.
  2. Du formulierst dein Lernziel.
  3. Du suchst für dich passende Lernmethoden, ‑techniken und ‑vorgehensweisen.
  4. Du setzt dich mit dem Lernstoff auseinander.
  5. Du reflektierst deine Lernschritte.
  6. Bei auftauchenden Lernproblemen oder Schwierigkeiten führst du ein Selbstlerncoaching durch.
  7. Du kommst zurück zu deinem Lernziel, du überprüfst dieses, revidierst es gegebenenfalls oder formulierst ein neues Lernziel.

Mir ist es ganz wichtig, dass du anerkennst, dass du das Lernen mit Kopf, Hand und Herz angehst. Dass du einsiehst, dass die Lernmethoden zwar wichtig sind, aber die Lernschlüsselkompetenzen, die dich dazu führen, deinen Lernraum zu bauen, auch einen beträchtlichen Einfluss auf dein Lernen haben. Dass du bekennst, dass du im Wesentlichen allein die Verantwortung über dein Lernen übernimmst. Wenn du diese Lerneinflussgrößen akzeptierst und in dein alltägliches Lernleben inkludierst, bin ich mir sicher, dass du erfolgreich durch dein Lernleben gehen wirst!

Teil 1: Erfolgreich lernen mit Schlüsselkompetenzen

Mehr lesen: „Lernen lernen in Studium & Weiterbildung“ von Alexander Bazhin

Alexander Bazhin

Alexander Bazhin

Prof. Dr. Alexander Bazhin, Jahrgang 1975, ist einer der Mitgründer und der Vorstandsvorsitzende der Akademie für Schlüsselkompetenzen im Studium, Beruf und Leben e.V. in Heidelberg. Er ist zertifizierter Hochschullehrer und Berater, und beschäftigt sich seit mehreren Jahren intensiv mit Hochschuldidaktik, Erwachsenenbildung und Entwicklung von Schlüsselkompetenzen. Seine Expertise umfasst unter anderem folgende Themen: Lernen und Denken, Kreativität und Originalität, Motivation und Empathie. Bazhin ist außerplanmäßiger Professor an der Universität Heidelberg und lehrt naturwissenschaftliche Propädeutik an der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg.

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