Immer schneller, besser, effizienter: Der Trend zur Selbstoptimierung

Die Selbstvermessung und Selbstoptimierung hat mithilfe kleiner digitaler Helfer längst Einzug in unseren Alltag erhalten. Kalorien oder Schritte zählen, Schlafphasen messen, Produktivität protokollieren, Tippfehler auswerten – alles ist möglich. Das Ziel, das Maximum aus dem eigenen Leben herauszuholen, erscheint verlockend und erstrebenswert.

Die Idee ist nicht neu, schließlich gehören Zeit– und Selbstmanagement-Skills zu den Kernkompetenzen des vorbildlichen Arbeitnehmers. Und das Protokollieren der eigenen Gewohnheiten – wie zum Beispiel der wöchentlichen Ausgaben – wird schon seit Generationen praktiziert. Neu ist aber die Fülle an technischen Möglichkeiten, mit deren Hilfe personenbezogene Daten getrackt, aufgezeichnet, analysiert, ausgewertet und gleich als hübsches Diagramm ausgeworfen werden. So wird die Selbstoptimierung unter Schlagwörtern wie „Quantified Self“ oder „Self-Tracking“ zum neuen Volkssport. Und anstatt uns zu unterstützen, setzt uns dieser Trend manchmal auch gehörig unter Druck.

Selbstoptimierung: Was spricht dafür, was dagegen?

Die einen schwören darauf und suchen täglich nach neuen Optimierungsmöglichkeiten. Die anderen raten stattdessen zu mehr Gelassenheit. Beide Seiten haben gute Argumente.

Pro: Selbstoptmierung gibt dir die Kontrolle zurück

  • Erfolge machen glücklich! Und durch die Hilfe einer strukturierten Selbstoptimierung erreichen wir unsere Ziele schrittweise und nehmen die Erfolge wahr, was uns motiviert und aktiviert.
  • Durch die systematische Optimierung gewinnen wir Erkenntnisse über unsere persönlichen, gesundheitlichen und sportlichen Gewohnheiten. Dies ermöglicht uns, mehr über uns selbst zu lernen und bewusster zu leben. Alleine das Interesse für das eigene Wohlbefinden ist ein wichtiger Schritt hin zu einem gesünderen Leben. Durch die Masse an Teilnehmern wird über das Tracking eine unvorstellbar hohe Datenmenge generiert, deren Erkenntnisse für die Medizin und Wissenschaft genutzt werden können.
  • Selbstdisziplin gilt als wichtige Kernkompetenz, die uns dabei hilft, ungeahnte Fähigkeiten zu entwickeln. Durch die Nutzung technischer Geräte werden verlässliche Daten generiert, mithilfe derer die Effizienz erfolgreich gesteigert werden kann. Auch eine vermehrte Produktivität kann glücklicher machen!
  • In unserer heutigen Zeit voller Verlockungen und Möglichkeiten gibt uns die Selbstoptimierung ein wenig Steuerung und Kontrolle über unser tägliches Handeln zurück, was uns Sicherheit und Hilfestellung in der Strukturierung unseres Alltags gibt.

Contra: Selbstoptimierung macht unglücklich

  • Das Streben nach Perfektion kann genau das Gegenteil bewirken: Je mehr wir uns mit dem eigenen Glück beschäftigen, desto unglücklicher können wir werden. Durch die Protokollierung werden wir uns ebenso unserer Fehlentscheidungen, Misserfolge und verpassten Chancen bewusst.
  • Das Ziel, ein perfekter Mensch zu werden, erreichen wir nicht, indem wir unser Leben komplett durchtakten. Zum Glücklichsein sind auch Phasen der Ruhe und Gelassenheit nötig. Sonst entwickelt sich aus dem Wunsch nach einem besseren Leben ein Zwang – die Selbstoptimierung wird zum Selbstzweck und macht uns nicht glücklicher, sondern rastlos und unzufrieden.
  • Die Konzentration auf das eigene Ich kann narzisstische Züge annehmen. Der eigene Körper wird zum Fetisch, für das Miteinander bleibt keine Zeit mehr.
  • Der Wunsch nach mehr Kontrolle über unser Leben kann dazu führen, dass wir uns nur noch auf Zahlen, Erkenntnisse und Fakten verlassen und dabei verlernen, Krisen zu bewältigen und selbst Verantwortung zu übernehmen. Statt der vermeintlichen Kontrolle erleben wir dann einen Kontrollverlust.
  • Durch die Nutzung digitaler Techniken verlieren wir die Kontrolle über unsere Daten, die in diesem Fall besonders sensibel sind. Auf gesellschaftlicher Ebene, z.B. wenn die Krankenkasse oder das Arbeitsamt die Anzahl an täglich getätigten Schritten fördert, kann die Transparenz eine ungleiche Behandlung begünstigen und sich negativ auf das Miteinander auswirken.

Selbstoptimierung ja, aber Ruhephasen nicht vergessen!

Ja, Selbstoptimierung kann dich besser und glücklicher machen. Aber zu einem perfekten Leben gehören eben auch Phasen des Selbstvergessens und der Entschleunigung. Nimm dir also im Zuge deiner Selbstoptimierung vor, auch mal spontan zu sein. Und auch einfach mal garnichts zu tun. Das kannst du ja anschließend im Protokoll ebenfalls positiv vermerken.

Team Karriere Boost

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