Entscheiden, Handeln, Metaregeln, Projektmanagement

Das Richtige tun: Hinterfrage dein Handeln

Beim Entscheiden helfen dir wenige einfach geniale Entscheidungsmuster – auch Metaregeln genannt. Vorteil: Mit ihnen kannst du eine große Zahl ganz unterschiedlicher Situationen bewältigen. Beim letzten Mal hatte ich dir kurz das altbekannte Pareto-Prinzip genannt, auch als „80-20-Regel“ oder „Power-Law“ bekannt. Heute stelle ich dir eine weitere wichtige Maxime für dein Handeln vor.

Korrekt handeln: Wie viel Prozent sollen es sein?

Manche raten dir: Gib alles, gib immer mindestens 100 Prozent. Mach es perfekt, oder lass es.

Sicher gibt es Situationen, bei denen es auf absolute Präzision und unbedingten Perfektionismus ankommt. Eine Herztransplantation oder die Herstellung eines Silizium-Mikrochips im Hochreinraum könnten so etwas sein. Doch wie oft gibst du in deinem Arbeitsalltag 100 Prozent?

Okay, ich auch nicht so oft. Aber im Ernst: Meistens kommt es nicht darauf an, dass du etwas wirklich perfekt richtig machst. Sondern darauf, dass du das perfekt Richtige machst.

Klingt ähnlich, ist aber etwas ganz anderes.

Das eigene Handeln auf verschiedenen Ebenen betrachtet

Betrachte dir dein Handeln auf verschiedenen Ebenen. Die untere Ebene betrachtet das Detail. Mache ich es perfekt, präzise, effizient usw.? Kurz: Mache ich es richtig? Die obere Ebene betrachtet übergreifend. Ist das, was ich mache, im Gesamtgefüge sinnvoll, zweckmäßig, angemessen, relevant, wirkungsvoll? Mache ich das Richtige?

Das Richtige ist das Entscheidende

Du kannst super ausdauernd und super schnell rennen. Wenn du aber in die falsche Richtung rennst, ist das, sagen wir mal, zumindest nicht sinnvoll.

Du kannst beim Hühnerstall eine besonders sichere Tür und eng verstrebte Fenster einbauen. Wenn hinten im Stall ein Loch ist, kommen trotzdem die Hühner hinaus – und der Fuchs hinein.

Und ein krasses Beispiel: Der Steward auf dem Sonnendeck der „Titanic“ richtete tatsächlich noch perfekt die Liegestühle an Deck …, während die Titanic bereits unterging.

Bevor du beginnst, hinterfrage also: Mache ich das Richtige?

Denn: „Wichtiger, als alle Dinge richtig zu machen, ist es, die richtigen Dinge zu machen.“

Verwende also nicht 100 Prozent deiner Zeit und Energie auf das fleißige und betriebsame Abarbeiten einer Aufgabe. Sondern hinterfrage zunächst, was unter den vorliegenden Rahmenbedingungen wirklich sinnvoll ist. Und was den größten Stellhebel/Wirkungsgrad hat. Bevor du ins Detail gehst, mach dir den Gesamtzusammenhang klar.

Du solltest keine Zeit damit verschwenden, einen Prozess zu optimieren, wenn dieser – selbst optimal durchgeführt – keinen wirklichen Mehrwert bringt. Du solltest keine Ressourcen damit verschwenden, ein Produkt zu verbessern, wenn dieses von einer neuen Technologie abgelöst wird. Du solltest für das Kurzmeeting in deinem Büro nicht penibel aufräumen, wenn du die Agenda und die Argumente noch nicht belastbar zusammengestellt hast. Du solltest nicht die Gänge zwischen den Ladenregalen breiter machen, damit die Kunden schneller vorankommen, wenn sie letztlich doch an der einzigen Kasse Schlange stehen.

Sicher fallen dir selbst noch weitere Beispiele aus deiner täglichen Arbeit ein. Vor allem jetzt, da du weißt, wie du am besten hinterfragst:

Nicht: Mache ich es richtig? Sondern: Mache ich das Richtige?!

Soviel zu dieser Metaregel: Optimiere nicht die Deckstühle auf der sinkenden Titanic. Gerne beim nächsten Mal mehr. Damit deine beruflichen Entscheidungen auch weiterhin einfach genial sind.

Hartmut Walz

Hartmut Walz

Prof. Dr. Hartmut Walz ist ein führender Verhaltensökonom und Entscheidungsexperte. Sein Kerngebiet ist die Schnittstelle zwischen Ökonomie und Psychologie, insbesondere die Frage, wie wir (noch) besser entscheiden. Als Professor, Redner und Autor hat es sich Walz zum Ziel gemacht, möglichst viele Menschen von den Erkenntnissen der Verhaltensökonomie profitieren zu lassen. Dies tut er anschaulich, in leicht verständlichen Bildern, mit AHA-Effekt und Augenzwinkern. Walz ist Autor zahlreicher Fachartikel, der HAUFE-Bücher „Einfach genial entscheiden“ und „Einfach genial entscheiden in Geld- und Finanzfragen“ sowie des Hartmut Walz Finanzblog.

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