Handshake

Handshake ade: Das Ende der Begrüßung wie wir sie kannten

Der Handschlag galt bisher als Zeichen der Höflichkeit, der Verbundenheit. Man drückte die Hand zur Begrüßung und damit ein bestimmtes Verhältnis zur begrüßten Person aus: Wertschätzung, Distanziertheit, Dominanz … Hat diese traditionelle Form der zwischenmenschlichen Interaktion nach Corona ausgedient? Dieser Frage geht Berater Sinisa Jovanovic in seinem Gastbeitrag nach.

Wir schreiben das Jahr 2063. Fliegende Autos, Hologramm-Meetings und vollautomatisierte Küchen sind schon seit einigen Jahren Standard. Entwicklungsbereiche arbeiten an den ersten Teleportationsmaschinen und durch die fortschreitende Technologisierung arbeitet der Mensch in einer 3-Tage Woche. Verschiedene Formen der gesellschaftlichen Begrüßung haben den früher üblichen Handshake abgelöst.

Während es in der jüngeren Generation der Ellenbogenschlag ist, neigen die Menschen mittleren bis höheren Alters zu einer distanzierteren und kontaktloseren Winketechnik. Schüler lernen im Geschichtsunterricht, dass Menschen sich bis vor 43 Jahren noch die Hand gereicht und auf und ab geschüttelt haben. Klingt merkwürdig für ein Kind im Jahre 2063.

So oder so ähnlich könnte unsere Zukunft aussehen

Womöglich sind wir derzeit Zeuge des Aussterbens unseres geliebten rhythmischen Händeschüttelns. Die Hand sollen wir uns schließlich nicht mehr geben. Aber anstatt einfach nur „Hallo“ zu sagen, klatschen wir jetzt mit den Ellbogen oder den Füßen ab. Nach mehreren Wochen ohne Handshake, wirkt er nur noch wie eine verblasste Erinnerung.

Wir kennen alle die Regeln. 1,5m Abstand, Mundschutz, desinfizieren und kein Händeschütteln. Wer aber war in den letzten Wochen nicht schon einmal in einer verzwickten Situation, in der man unsicher war, ob man dem Gegenüber gerade die Hand reichen sollte oder nicht. Auch wenn nur für den Bruchteil einer Sekunde. Da es in diesem Szenario oft beiden so ergeht, ist das Ergebnis oft ein unschön anzuschauender Tanz, mit einem beschämten Schweigen und einem schlussendlichen Ellenbogenabschlagen.

Gerade im beruflichen Alltag gestaltet sich die Frage nach der Wiedereinführung des Händedrucks schwierig. Wer nun nach der Homeoffice-Zeit wieder das Büro betritt und die Kollegen auch wieder ohne Jogginghosen sieht, stellt sich die Frage: Wie nun begrüßen? Gleiches Problem beim Kennenlernen des potenziellen Chefs im Vorstellungsgespräch. Ist es unhöflich, die Hand entgegenzustrecken, oder eher, es nicht zu tun? Kopfzerbrechen bereits vor dem ersten Satz…

Woher kommt der Drang zum Handschlag – und warum ist uns das so wichtig?

Der Handschlag steckt tief in uns, zumindest im größeren Teil der westlichen Welt. Wie tief, hat der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte eindrücklich bewiesen. In einer Rede zur Coronakrise forderte Rutte am 10. März auf, den Handschlag zu unterlassen und alternative Gesten zu wählen. Sekunden nach seiner Aufforderung dreht er sich nach links und schüttelt jemandem die Hand.

Der Handschlag ist für uns eine verinnerlichte Regel des Anstands, die wir aus frühester Kindheit beigebracht bekommen haben. Wie lange wir Menschen uns schon die Hand entgegenstrecken, ist nicht bekannt. Durch Abbildungen auf antiken Münzen und Artefakten wissen wir allerdings, dass sich bereits die alten Römer die Hände schüttelten. Der Handschlag ist über die Jahrtausende zu einem wichtigen Symbol unserer Gesellschaft
geworden. Ob zur Begrüßung, zum Abschied oder zur Besiegelung eines Vertrages: Der Handshake bietet dazu die symbolische Kraft ohne Worte.

Ob wir nun wirklich Zeuge des Aussterbens des Händeschüttelns werden, hängt vor allem vom Verlauf der Coronakrise ab. Erleben wir eine zweite Welle und sind noch einmal über einen längeren Zeitraum auf Distanz angewiesen, werden wir vermutlich alle ein anderes Bewusstsein für Höflichkeit im Zusammenhang mit Infektionen entwickeln.

Kehren wir allerdings immer weiter zurück zur Normalität und haben in einigen Monaten einen Impfstoff, ist kaum davon auszugehen, dass wir das traditionelle Begrüßungsritual abschütteln werden. Was das Kind im Jahre 2063 in den Geschichtsbüchern über uns lernt, bleibt also abzuwarten. Erst einmal müssen wir die aktuelle Krise überstehen. Damit haben wir schon alle Hände voll zu tun.

Wie ist eure Meinung zum Thema Handshake? Altbacken und überflüssig oder bewährt und gesellschaftlich relevant?

Sinisa Jovanovic

Sinisa Jovanovic

Ich bin Sinisa Jovanovic und seit mehreren Jahren Führungskraft und Berater. Was mich begeistert ist die Veränderung. Change-Management ist für mich der zentrale Antrieb meines beruflichen Werdegangs. Ich habe als Change Agent drei Jahre lang die Einführung von Lean Management Prozessen initiiert und habe mehrjährige Führungserfahrung im Bereich Maintenance and Development.
Ich habe ich mich intensiv mit dem agilem Mindset und den zugrundeliegenden Methoden wie Scrum, Design Thinking und Servant Leadership auseinandergesetzt und als Scrum Master erfolgreich eingeführt. Ich bin stets auf der Suche nach neuen kreativen Frameworks und Methoden.
Die tiefe Überzeugung einer dienenden und visionären Führungsrolle, die Wertschätzung und das Vertrauen in die Selbstorganisation der Mitarbeiter ist mein Verständnis von moderner Führung. Als Business Coach, Agile Coach/Scrum Master, Speaker und CEO möchte ich den New Work Gedanken weiterentwickeln und Unternehmen bei diesem Wandel begleiten.

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