Triff bessere Entscheidungen: Die 10-10-10-Visualisierung

Entscheidungen treffen wir beruflich und privat oftmals ohne uns deren kurzfristigen und mittelfristigen Konsequenzen bewusst zu machen. Komplexe Inhalte und ein komplexes Umfeld können schnell für Ohnmachtsstimmung sorgen, bei der emotionale unmittelbare Konsequenzen einer Entscheidung fälschlicherweise im Fokus stehen. Die 10-10-10-Visualisierung möchte Dir mit drei Zeitzonen helfen, wie Du bessere Entscheidungen treffen kannst, Denkfehler verhindern kannst und neue Einblicke erhältst.

Wir neigen in kniffligen Entscheidungssituation dazu, nur an die unmittelbaren emotionalen Folgen zu denken, und oftmals reicht unser Horizont nicht weiter als 10 Minuten. Die 10-10-10-Visualisierung unterstützt Dich dabei, an die Auswirkungen der Entscheidung in den nächsten 10 Monaten und in den nächsten 10 Jahren (Abbildung 1) zu denken, um langfristig sinnvolle und konsistente Entscheidungen zu treffen.

Die Visualisierung basiert auf dem gleichnamigen Konzept von Suzy Welch und Ihrem Ehemann Jack Welch, dem langjährigen CEO von GE. Die Visualisierung wird von Wissenschaftlern, Wissensarbeitern und Managern genutzt für persönliche Entscheidungen, für Vorhaben im Change-Management um deren Auswirkungen zu antizipieren und es eignet sich auch als Leadership-Tool, um Business- und Karriere-Entscheidungen für sich, im Team oder mit dem Vorgesetzten zu besprechen.

Du kannst die Visualisierung in fünf einfachen Schritten für Dich erstellen

1.Definiere Deine Entscheidungssituation

Wenn Du Dich z.B. entscheiden möchtest, ob Du ein Praktikum machen sollst, dann notierte im Entscheidungskreis auf der linken Seite „Ich habe mich für das Praktikum entschieden“.  Anschließend kannst Du im Geiste durchgehen, wie es wäre, wenn Du die Entscheidung wirklich getroffen hättest.

Schlüsselfragen
Welche Entscheidungssituation möchtest Du analysieren?
Auf welche Entscheidungsoption möchtest Du Dich festlegen?

2. Identifiziere die Auswirkungen Deiner Entscheidung in den nächsten 10 Minuten:

Stell Dir vor, Du hast die Entscheidung für das Praktikum wirklich getroffen. Wie fühlt sich das für Dich an? Welche Emotionen und Gedanken kommen Dir in den Sinn?

Schlüsselfrage
Welche positiven und negativen Auswirkungen hat die Entscheidung in 10 Minuten?

3. Identifiziere die Auswirkungen Deiner Entscheidung in den nächsten 10 Monaten:

Stell Dir weiterhin vor, dass Du Dich für das Praktikum entschieden hast. Wie denkst Du darüber in 10 Monaten, wie fühlt sich das für Dich an? Vielleicht ist das Praktikum bereits vorbei, vielleicht steckst Du noch mittendrin.

Schlüsselfrage
Welche positiven und negativen Auswirkungen hat die Entscheidung in 10 Monaten?

4. Identifiziere die Auswirkungen Deiner Entscheidung in den nächsten 10 Jahren:

Versuche Dir vorzustellen, wie es in 10 Jahren sein wird, wenn Du das Praktikum längst (hoffentlich) abgeschlossen hast. Was wirst Du denken und fühlen? Dieser vierte Schritt fällt einigen nicht leicht. Es lohnt sich jedoch sich vorzustellen, welche Rolle die heutige Entscheidung in 10 Jahren spielen würde, und ob sie überhaupt eine Rolle spielen würde.

Schlüsselfrage
Welche positiven und negativen Auswirkungen hat die Entscheidung in 10 Jahren?

5. Analysieren der Auswirkungen

Im letzten Schritt kannst Du Deine 10-10-10 Visualisierung anschauen und gucken, in welchen Bereichen besonders viel steht und wo besonders wenig. Es gilt jetzt für Dich darauf zu achten, dass die Auswirkungen nicht nur kurzfristig, sondern auch mittel- und langfristig positiv sind. Dies ist der Zeitpunkt um Ergänzungen vorzunehmen und sich anschließend zu überlegen, wie negative Auswirkungen abgeschwächt und positive Auswirkungen weiter gestärkt werden können. Zu diesem Zeitpunkt empfiehlt sich das Hinzuziehen einer weiteren Person, falls Du die Visualisierung alleine erstellt hast.

Schlüsselfragen
In welchen Bereichen in der Visualisierung hast Du besonders viel, wenig oder gar nichts notiert?
Wie kannst Du negative Auswirkungen abschwächen, wie kannst Du positive Auswirkungen weiter stärken?

In Abbildung 2 siehst Du ein Beispiel für eine 10-10-10-Visualisierung für die Entscheidung eine Weiterbildung zu machen. Hier siehst Du, wie die kurzfristigen Auswirkungen zwar negativ sind, aber langfristig diese Entscheidung sehr positiv bewertet wird.

Die 10-10-10-Visualisierung ist eine scheinbar triviale Visualisierung, die es aber in sich hat.

Einmal genutzt berichten Nutzer, dass sie diese Visualisierung für jegliche Entscheidungen verwenden. Nach einiger Zeit ist es gut möglich, dass sich Nutzer dabei ertappen, wie sie automatisch bei einer Entscheidung die drei Zeithorizonte gedanklich durchgehen.

Diese Visualisierung ist nur eine von vielen, die an der Universität St. Gallen im Rahmen eines Projektes kreiert und zusammengestellt wurden. Weitere Visualisierungen sind das Kraftfeld-Diagramm zur Bestimmung von ziehenden und haltenden Kräften bei Entscheidungen, die Action Matrix zur Erledigung von Aufgaben und das Liebesdreieck zur Analyse und Verbesserung von privaten und beruflichen Beziehungen.

Das alles ist hier auch nochmal als Video zusammengefasst:

Weitere Infos zum Buch mit allen Visualisierungen findest Du unter:
https://shop.schaeffer-poeschel.de/prod/dynagrams-denken-in-stereo

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Sebastian Kernbach

Sebastian Kernbach

Dr. Sebastian Kernbach ist Lehrbeauftragter, Projekt Manager und Visual Coach an der Universität St. Gallen am Institut für Medien- und Kommunikationsmanagement. Er ist Gastprofessor an der Central University of Beijing und der African Doctoral Academy. Er gründete und leitet das Visual Collaboration Lab und war als Manager und Berater für verschiedene Organisationen tätig, u.a. Xerox, Interbrand, Art Basel, ABB, Europäische Zentralbank. Der Schwerpunkt von Sebastian Kernbach für Forschung, Lehre und Beratung liegt in den Bereichen Wissensvisualisierung, Managementkommunikation, Storytelling und Design Thinking.

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