Angst

Angst: Pures Gift für den Unternehmenserfolg

Die Glücksforschung weiß längst, dass Menschen, die ein positives Grundgefühl haben, über sich hinauswachsen und ihre Leistungsfähigkeit um bis zu 100 Prozent steigern können. Umgekehrt sinkt die Performance von Menschen unter Dauerstress auf unter 50 Prozent. Denn Angst und Druck schränken jede kognitive Hirntätigkeit ein. Anne M. Schüller über die Unmöglichkeit, im Panikmodus kreativ zu sein.

„Kern aller menschlichen Motivation ist es, zwischenmenschliche Anerkennung, Wertschätzung, Zuwendung oder Zuneigung zu finden und zu geben“, schreibt der Psychoneuroimmunologe Joachim Bauer in seinem Buch „Prinzip Menschlichkeit“. Wenn Arbeit also mit Angst besetzt ist, verstößt dies gegen grundlegende Erkenntnisse der Hirnforschung. Mit Angst im Nacken laufen wir zwar schneller. Aber nur ein ganz kurzes Stück. Danach sind wir ausgepowert. Und nichts will mehr gelingen.

Die Amygdala: unser Gefahrenradar

Angst kommt in vielen Schattierungen daher. Sie kann eine freundliche Warnerin sein, die uns schützt. Sie kann uns auch kurzzeitig zu Höchstleistungen führen. Dauerangst hingegen versetzt den Körper in permanente Alarmbereitschaft, sie mindert seine Leistungskraft und ruiniert unsere Gesundheit.

Haben wir Angst, dann ist in unserem Oberstübchen die Amygdala in Aktion. Sie untersucht alle Ereignisse, die auf uns einwirken, höchst wachsam auf emotional wichtige Faktoren. Sie ist unser Frühwarnsystem, unser neuronales Radar für bedrohliche Situationen und potenzielle Gefahren.

Eine gut trainierte Amygdala schöpft rechtzeitig Verdacht. Sie entlarvt Falschheit und Manipulation. Sie spürt Bedrohungen kommen und sorgt blitzschnell für die passende Reaktion: panikartige Flucht, dosierter Angriff oder atemloses Erstarren – je nachdem, was gerade die passendste Lösung ist.

Angst lähmt, zerstört und macht dumm

Denken dauert, und das ist im Angesicht großer Gefahr wenig hilfreich. Deshalb werden über zerebrale Botenstoffe die Verbindungsstellen zwischen den einzelnen Hirnzellen, die so genannten synaptischen Spalten, blockiert. Dort können die Hirnströme dann nicht mehr ungehindert fließen. Und wir können nicht mehr klar denken. Nur simple Routinen können dann noch abgespult werden.

Angst kann uns kurzzeitig aus der Reserve locken und an die Grenzen unserer Möglichkeiten führen. Doch sie paralysiert auch und zerstört. Dauerangst versetzt den Körper in permanente Alarmbereitschaft, sie mindert seine Leistungskraft und führt in den Burnout. Wer Angst hat, reduziert auch seine Lernfähigkeit und macht Fehler.

Kopfarbeiter brauchen freundliche und inspirierende Chefs. Nur dann können und wollen sie ihr intellektuelles Potenzial der Firma voll und ganz zur Verfügung stellen.

Übellaunige, einschüchternde, herumkommandierende, machtbesessene, pathologische Manager stellen für Mitarbeiter eine permanente Bedrohung dar. Sie signalisieren dem Gehirn: Lebensgefahr. Dies führt zu einer Explosion der Stresshormone. Und die Autoritätsangst, die solche Chefs produzieren, lässt Mitarbeiter wie gelähmt am unteren Ende ihres Potenzials zurück. Allenfalls geht dann noch „Dienst nach Vorschrift“.

Kreativität kann nur in heiteren Hirnen gedeihen

In Zukunft wird vornehmlich für Denkleistung bezahlt. Kreativität ist die Schlüsselressource der Zukunft. Das geistige Know-how ist unser größtes Wettbewerbsplus. In wissensbasierten Dienstleistungsgesellschaften ist ein engagierter, situativer, flexibler und hochwertiger Output gefragt.

Wer Angst hat, fühlt sich klein und minderwertig, und das strahlt auf alles ab, was er tut.

Doch Kreativität braucht Heiterkeit – und Weite im Hirn. Zwischen den Synapsen muss es verstopfungsfrei fließen. Will heißen: Kopfarbeiter brauchen freundliche und inspirierende Chefs. Nur dann können und wollen sie ihr intellektuelles Potenzial der Firma voll und ganz zur Verfügung stellen.

Wo Angst regiert, hat Höchstleistung keine Chance

Wer Angst hat, fühlt sich klein und minderwertig, und das strahlt auf alles ab, was er tut. Dies drückt sich meist so aus, dass die Mitarbeiter kaum mehr bereit sind, offen ihre Meinung zu sagen, neue Ideen einzubringen, kooperativ zusammenzuarbeiten, neue Herausforderungen anzunehmen oder die Qualität ihrer Arbeit zu verbessern. Vielmehr werden sie mürrisch und verletzlich, sie schieben Frust und gehen in die Opferhaltung.

Sie werden lustlos und die Widerstandsfähigkeit sinkt. Sie begeben sich in den Zustand des angepassten Ja-Sagens, dann in die freizeitorientierte Schonhaltung, dann in die innere Kündigung und den Boykott. Insgesamt werden die Fehlzeiten steigen, Frustration, Misstrauen und Mobbing nehmen zu, die Fluktuation weitet sich aus.

Nichts von all dem können sich Unternehmen heute noch leisten. Sie benötigen die volle Kraft des geistigen Knowhows ihrer Leute. Freundlichkeit als Führungstugend bewirkt weit mehr als Drohungen und Aggression. Es ist also vor allem die Angst, die aus den Unternehmen verschwinden muss. Sie ist der größte Leistungskiller.

Anne M. Schüller

Anne M. Schüller

Anne M. Schüller ist Managementdenker, Keynote-Speaker, mehrfach preisgekrönte Bestsellerautorin und Businesscoach. Die Diplom-Betriebswirtin gilt als führende Expertin für das Touchpoint Management und eine kundenfokussierte Unternehmensführung. Sie zählt zu den gefragtesten Rednern im deutschsprachigen Raum. 2015 wurde sie für ihr Lebenswerk in die Hall of Fame der German Speakers Association aufgenommen. Vom Business-Netzwerk LinkedIn wurde sie zur Top-Voice 2017 gekürt. Zu ihrem Kundenkreis zählt die Elite der Wirtschaft. Ihr Touchpoint Institut bildet zertifizierte Touchpoint Manager aus.

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