Die „Busy Trap“: Dürfen sich Manager langweilen?

Ständig auf Achse, ständig unter Strom: Manager tappen allzu leicht in die „Busy Trap“. Wir zeigen dir, warum es gut ist, sich als Führungskraft auch mal zu langweilen.

Burnoutgefährdet, aufgrund unmenschlich langer Arbeitszeiten ergraut und vereinsamt und den Ruhepuls bei 180: So ist wohl das landläufige (und häufig auch hochstilisierte) Bild eines Managers. Was dabei vergessen wird: Auch Manager sind Menschen. Und Menschen können nun mal nicht 8 Stunden am Tag hochkonzentriert arbeiten – und schon gar keine 12 oder 16. Ergo: Auch Manager müssen zwischendurch Leerlaufphasen haben, um den ganzen Tag lang und über Jahre leistungsfähig zu sein. Das Problem: Die „Busy Trap“.

Die „Busy Trap“: Ich bin gestresst, ich bin wichtig

2012 sprach der Journalist Tim Kreider in der „New York Times“ erstmal von der „Busy Trap“. Die Kernaussage: „Ich bin unheimlich beschäftigt“ ist nichts anderes als eine als Beschwerde getarnte Prahlerei. Es wird suggeriert: Ich bin gefragt und ich bin wichtig. Nichts zu tun zu haben ist für viele Menschen und für Manager mit Schuldgefühlen verbunden und schwer zu ertragen.

Das Unvermögen, Phasen des Leerlaufs auszuhalten und eben nicht in die „Busy Trap“ zu tappen, hat nicht nur Auswirkungen auf das Befinden des jeweiligen Managers. Sondern auf das gesamte Unternehmen. Wie viele Fehlentscheidungen in den oberen Etagen wohl bereits getroffen worden sind, weil ein Manager gerade nichts zu tun hatte? Nach dem Motto: Wenn gerade nichts ist, dann muss ich eben irgendetwas entscheiden.

Wer wachsen will, braucht Pausen

Vielleicht sollte sich langsam die Erkenntnis durchsetzen, die beispielsweise im Sport schon lange bekannt ist: Muskeln bauen sich nicht während des Trainings auf, sondern in den Pausen dazwischen. Heißt: Regeneration und Pausen und ja, auch Langeweile sind wichtig, um schöpferische und kreative Prozesse und persönliches Wachstum zu ermöglichen und zu fördern.

So entgehst du der Falle

Wir wissen also, wie wichtig es ist, Phasen des Leerlaufs und der Langeweile zuzulassen und in den Arbeitstag zu integrieren. Das umzusetzen ist allerdings noch mal eine ganz andere Baustelle. Hier ein paar Tipps, wie das klappen kann:

  • Reservier dir bewusst Zeiten in deinem Kalender für Besinnung und freies Denken. Das können eine Stunde oder zwei pro Woche sein. Und dann sorg dafür, dass diese Zeiten unangetastet bleiben. Kommt in diesen Zeiten doch mal ein Termin dazwischen, lass das die Ausnahme und nicht die Regel sein.
  • Delegiere die Aufgaben vollständig. Klingt trivial, ist aber in der Praxis für viele tatsächlich schwer umzusetzen – die meisten Manager sind nicht in der Lage, sich wirklich vollständig rauszuhalten. Obwohl es natürlich ohne sie geht.
  • Gönn dir die freie Zeit: Sicher werden am Anfang unangenehme Gefühle auftauchen, wenn du einfach mal nichts tust. Registriere diese Gefühle und versuch, sie ins Gegenteil umzukehren. Mach dir den großen Nutzen dieser Zeiten bewusst, für dich genauso wie für dein Team. Erlaube dir Leerlauf.

Work hard, play hard?

Das Phänomen, Langeweile nicht aushalten zu können, betrifft nicht nur den beruflichen Kontext. Auch unsere Urlaube scheinen ständig optimiert, geplant und effizient genutzt werden zu müssen. Wie wäre es also mal mit einer Auszeit, für die du überhaupt gar nichts geplant hast? Oder ein Wochenende, an dem nichts auf dem Plan steht? Probier es doch mal aus und komm montags mit dem Satz ins Büro: „Nein, ich habe am Wochenende absolut gar nichts getan.“ Du magst verwunderte Blicke ernten. Aber der Neid deiner Kollegen ist dir gewiss – und wird dich in deinem Langeweile-Management bestärken.

Welche Tabus, versteckte Regeln und ungeschriebenen Gesetze es im Berufsleben noch so gibt, kannst du in „Tabu“ von Thomas Saller, Sebastian Mauder und Simone Flesch nachlesen.

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