Interkulturelle Teams führen: Eine Reise zu sich selbst

Willst du interkulturelle Teams gut führen, solltest du dir zu allererst darüber klar sein, welche Werte du selbst vertrittst, meint unsere Gastautorin Sonja Andjelkovic. In ihrem Beitrag gibt sie Tipps, wie man diese „Cultural Awareness“ sich selbst und anderen gegenüber entwickelt.

Warum Interkulturalität eine Reise zu sich selbst ist

Wenn eine*r eine Reise tut, dann kann er/sie was erleben. Ein alter Spruch, der zu keiner Zeit seine Aktualität verliert. Er bedeutet, dass ein Verlassen der Komfortzone, der Alltags-Umgebung, des angestammten Ortes, Möglichkeiten für Neues eröffnet. Denk einmal an deine letzte Reise. Warum hast du ausgerechnet den Ort gewählt? War es die Natur, die dich fasziniert hat? Oder die Kultur, die Menschen, das Nachtleben? Womöglich war es all das zusammen. Am meisten fasziniert uns das, was uns sehr fremd ist, was wir erst ergründen müssen und vielleicht nie verstehen werden. Exotische Reiseziele, gewürzte Gaumenfreuden, unter die Haut gehende Rhythmen, historische Bauten – das Eintauchen in das Neue und Fremde ist der Zugang zu einer neuen Dimension des Seins, die von Abenteuer und Sehnsucht gekennzeichnet ist. Erfüllt kommen wir zurück und zehren lange von den Erfahrungen in fremden Ländern.

Das ist die eine Seite der Medaille im Kontakt mit anderen Kulturen.

Die andere ist: Kultur kann abstoßend sein. Du magst den Klang der Sprache nicht, du findest die Religion lächerlich, die Traditionen empfindest du als rückständig, langweilig oder sie entsprechen nicht deinen Werten von einem menschlichen Miteinander – als das kann dir auch passieren! Gestehst du dir ein, dass du so denkst und empfindest? Versuchst du das zu vertuschen, weil deine Freund*innen oder Kolleg*innen dich, wenn sie deine heimlichen Gedanken kennen würden, für einen engstirnigen Rassisten halten? Und du denkst vielleicht: Wie können die nur, das stimmt überhaupt nicht, ich mag bloß nicht, das … und jenes …

Interkulturalität ist ein persönlicher Erkenntnis-Prozess

Jeder fremdkulturelle Kontakt hält verschiedene Verhaltens- und Gefühlsoptionen parat. Du kannst gleichzeitig von etwas fasziniert sein UND es nicht befürworten. Typisch menschlich. Wir sind nicht statisch und auch nicht logisch, wir sind wandelbar, genauso wie die Kultur selbst. Wenn du also nach interkultureller Kompetenz strebst, ist der erste Schritt die Bewusstwerdung, die „cultural awareness“ darüber, wie du selbst tickst, welche Werte du eigentlich vertrittst, warum du manchem positiver, manchem negativer eingestellt bist. „Cultural awareness lässt sich entwickeln, indem man sich selbst entwickelt“ sagt Christoph Barmeyer, Professor für Interkulturelle Kommunikation an der Uni Passau. D.h. Interkulturalität lässt sich nicht auf Knopfdruck herzaubern, es ist auch kein Wert, den man in die Wiege gelegt bekommt, sondern ein stetiger persönlicher Entwicklungsprozess.

Interkulturelle Teams führen: Mut zur Hingabe

Am besten entwickelt man sich, wenn man sich komplett involviert, d. h. sich hingibt, mit allem, was dazu gehört, auch mit dem Risiko bzw. der Chance, sich zu verändern! Wenn man anderskulturellen Erfahrungen fern bleibt, oder sich ambivalent verhält im Kontakt mit anderen Kulturen, dann kann man auch nicht viel Substanzielles entwickeln, höchstens Vorurteile, die  Interkulturalität verhindern. Wenn du also interkulturelle Teams führst, oder darin arbeitest, dann ist die Erfahrung, sich einer anderen Kultur bewusst zu öffnen, sich dem Zweifel und dem Abenteuer auszusetzen und dabei wahrzunehmen, wer man selbst ist und wohin die eigene, innere, persönliche Reise geht, das beste Erfolgsrezept für die Ausbildung von interkultureller Kompetenz.

Mehr lesen? „Interkulturelle Teams führen“ von Sonja Andjelkovic oder auf  www.sonja-andjelkovic.de.

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Sonja Andjelkovic

Sonja Andjelkovic

Sonja Andjelkovic, Studium der Geschichts- und Kulturwissenschaften und Ausbildung zum Systemischen Coach, ist als Trainerin für international agierende Organisationen tätig. Arbeitsschwerpunkte sind Trainings in interkultureller Kompetenz, Verhandlungsführung und internationaler Moderation sowie Beratung in der Personal- und Organisationsentwicklung. Interkulturelle Erfahrungen sammelte sie im arabischen Raum, Afrika, Südosteuropa und Asien.
www.sonja-andjelkovic.de.

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