Führung auf die dänische Art: Vertrauen statt Kontrolle

Seien wir ehrlich: Es gibt schon einiges, worum wir die Dänen beneiden können. Sie haben Hygge, den viel beschworenen Sinn für Gemütlichkeit. Und sie sind nachgewiesenermaßen glücklicher als wir, auch im Job. Doch woran liegt das eigentlich?

Vertrauen und gute Beziehungen auf der einen, Kontrolle und Überwachung auf der anderen Seite: Wie es Ralph Böttcher in seinem Buch „Die Danmark-Methode“ beschreibt, sind das die maßgeblichen Unterschiede zwischen dem dänischen und dem deutschen Führungsstil. Am Ende, so Böttcher, bringen beide Arten in der Regel gute Ergebnisse. Der Unterschied ist nur, wie sich alle Beteiligten in dem einen oder anderen Arbeitssystem fühlen. Und die Dänen, das sagt der aktuelle Weltglücksreport, machen da offenbar einiges richtig.

Überwachung erzeugt Angst

Eines, so zeigen es aktuelle Untersuchungen, scheinen Systeme der Kontrolle, des Misstrauens und der Überwachung nach sich zu ziehen: Wie eine aktuelle Studie zeigt, hat jeder zweite Arbeitnehmer Angst, offen mit seinem Chef über Fehler oder Probleme zu sprechen. Eine ehrliche Feedbackkultur und ein entspanntes Miteinander sind in einem solchen Klima auf Dauer schwer vorstellbar. Unangenehme Wahrheiten anzusprechen, das trauen sich dann wirklich nur die ganz Hartgesottenen. Oder diejenigen, die das Unternehmen ohnehin verlassen möchten. Mitbestimmung, Selbstentfaltung, Weiterentwicklung? Fehlanzeige.

Eine Frage des Vertrauens – und des Geldes

Ein solches Klima der übermäßigen Kontrolle sorgt nicht nur dafür, dass Mitarbeiter sich schnell mit Abwanderungsgedanken tragen. Ein solcher Führungsstil provoziert letztlich auch Fehler und bremst die Kreativität. Beides, die Abwanderung der besten Köpfe und das Ausbremsen von Kreativität, kann für Unternehmen am Ende richtig teuer werden und lässt häufig auch die Stühle der verantwortlichen Führungskräfte wackeln.

Vertrauen ist besser

Anders sieht das in Dänemark aus. Der dortige Arbeitsstil ist tendenziell eher von Vertrauen geprägt und davon, freundlich zueinander zu sein. Auch, wenn man gerade keinen direkten Vorteil daraus zieht. Gute Beziehungen – das ist es, was bei den Dänen im Mittelpunkt steht, noch vor dem Job oder der Aufgabe selber. Das wiederum ermuntert auch das Team, mit Problemen oder Fragen offen auf die eigene Führungskraft zuzugehen und auch unangenehme Dinge schneller anzusprechen.

Learnings für deutsche Führungskräfte

Dem Team vertrauen, Beziehung vor Aufgabe – auf den ersten Blick klingt das durchaus ein wenig blauäugig. Und vielleicht auch ein wenig banal. Ist es aber nicht. Unsere deutsche Kultur ist, auch angetrieben von einem gewissen Hang zum Perfektionismus, noch immer eher hierarchisch aufgebaut. Viele Führungskräfte haben nach wie vor Angst, die Kontrolle abzugeben. Und scheuen davor zurück Menschen um sich zu dulden, die in einzelnen Bereichen viel besser sind als sie selbst. Mit Blick auf das Ranking der Dänen im Glücksreport und auch hinsichtlich aktueller Probleme wie dem Fachkräftemangel zeigt sich allerdings: Lassen Chefs das zu, sind die Arbeitnehmer wesentlich glücklicher. Kreativer. Und produktiver. Und tragen sich vermutlich auch wesentliches seltener mit dem Gedanken, die Firma zu wechseln.

Auch Chefs brauchen Feedback!

Man kann es nicht oft genug sagen: Möchtest du, dass dein Team mit Fragen, Problemen und Wünschen jederzeit zu dir kommt, und willst du die Talente und klugen Köpfe in deinem Team langfristig binden, dann gib ihnen Freiraum und eine ordentliche Portion Vertrauensvorschuss. Und eins nicht zu vergessen: Auch Führungskräfte brauchen Feedback, um sich weiterzuentwickeln. Wenn keiner sich traut dir das zu geben, vergibst du dir ganz große Chancen, eine bessere Führungskraft zu werden.

Weiterlesen?

Was dänische Führung noch von deutscher Führung unterscheidet, was das im Alltag bedeutet und wo die Grenzen liegen, beschreibt Ralph Böttcher anschaulich, fundiert und unterhaltsam in seinem Buch „Die Danmark-Methode“, erschienen bei Haufe.

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