Handeln, Lösungsfokus, Konfliktmanagement, Teamwork, Projektmanagement

Halte dich nicht mit Problemen auf: Führen mit Lösungsfokus

Bevor du ein Problem lösen kannst, musst du es genau analysieren. So hast du das gelernt, so ist die verbreitete Praxis in Unternehmen. Bloß: Dieses Vorgehen braucht viel Zeit, ist anstrengend und führt selten zu neuen Ideen. Erfrischend anders gestaltet sich Führung mit Lösungsfokus. Das Versprechen: schnell wirksame, überraschende und sinnvolle Ergebnisse. Klingt gut? Ist es auch!

Das Grundprinzip Lösungsfokus

Führst du lösungsfokussiert, kann dir das Problem, salopp gesagt, egal sein. Du verwendest möglichst viel Zeit, Gedanken und Energie auf das (Er-)Finden von Lösungen. Du und dein Team malt euch also detailliert aus, welche Zukunft ihr wünscht. In dem, was bereits jetzt gut gelingt, erkennt ihr die Stärken, auf die ihr bauen könnt. Der Lösung nähert ihr euch Schritt für Schritt und kommt sofort ins Handeln. Der Dreh- und Angelpunkt lösungsfokussierter Führung liegt in der Kommunikation, im persönlichen Gespräch. Lösungsfokussierte Gespräche durchlaufen in der Regel vier Phasen:

  1. Gesprächsvereinbarung

Du triffst eine Vereinbarung über das Ziel des Gesprächs. Das mag dir am Anfang etwas ungewohnt erscheinen, lohnt sich aber ungemein. Frage deine Mitarbeiter*innen vor jedem Gespräch, das sie mit dir führen möchten: „Was soll in diesem Gespräch passieren, damit du am Schluss sagen kannst: ‚Wow, das hat sich für mich gelohnt!‘?“

  1. Futur Perfekt: „Angenommen, das Problem ist nicht mehr da…“

Anschließend lässt du deine Mitarbeiter*innen detailliert ausmalen, wie denn ihre „erwünschte Zukunft“ aussieht. Frage nach, woran sie konkret merken werden, dass diese Zukunft eingetroffen ist. Angenommen, in deinem Team ist ein Konflikt ausgebrochen und die Beteiligten bitten dich um eine Lösung. Dann könntest du z.B. zurückfragen: „Stellt euch einmal vor, ihr habt euren Konflikt beigelegt und arbeitet richtig gut zusammen. Woran werdet ihr das erkennen?“ 

  1. Erfolgsgeschichten: Vorboten der Lösung

Im dritten Schritt reist du mit deinen Gesprächspartner*innen zurück in die nahe Vergangenheit und lässt sie nach Ausnahmen vom Problem suchen. Wo ist es deinen Mitarbeiter*innen schon einmal gelungen, eine ähnliche Herausforderung zu meistern? Der Gedanke dahinter: In solchen Erfolgsgeschichten entdecken die Mitarbeiter*innen Stärken und Fähigkeiten, die ihnen helfen werden, das jetzige Problem zu lösen. Du kannst z.B. fragen: „Gab es in den letzten Wochen oder Monaten Situationen, in denen ihr einen anderen Konflikt erfolgreich gelöst habt? Wie ist euch das gelungen?“ Oder: „Wann war euer Konflikt nicht so stark spürbar? Was war dann anders?“

  1. Kleine Schritte: Ins Handeln kommen und Quick Wins erzielen

Im vierten und letzten Schritt eines lösungsfokussierten Führungsgesprächs richtest du den Blick auf die nahe Zukunft. Die Erfolgswahrscheinlichkeit ist nämlich umso höher, je schneller dein Team ins Handeln kommt. Ins Handeln kommt es besonders schnell, wenn der nächste Schritt glasklar ist. Du kannst z.B. deine Streithähne fragen: „Nehmt einmal an, ihr habt einen ersten Schritt in Richtung des Ziels ‚fair miteiandner umgehen‘ getan. Woran merken die anderen Kolleg*innen ganz konkret, dass ihr einen Schritt weiter seid?“ Frage nach konkretem, beobachtbarem Verhalten, weniger nach Gefühlen oder subjektiven Stimmungen!

Fallstricke

Im Führen mit Lösungsfokus sind Experimente ausdrücklich erlaubt und bringen dich weiter. Zwei kleine, etwas tückische Fallstricke solltest du dennoch im Blick behalten:

  1. Führst du lösungsfokussiert, überträgst du viel Verantwortung und Autonomie auf deine Mitarbeiter*innen. Diese werden andere Wege finden als du. Bist du nicht bereit, auf deine „Lieblingslösung“ zu verzichten, dann verzichte lieber auf den lösungsfokussierten Ansatz und mache klare Top-down-Ansagen.
  2. In jeder Organisation gibt es Rahmenbedingungen, die weder zu verändern noch zu verhandeln sind. Das können Arbeitsprozesse, Organisationsstrukturen, IT-Systeme oder strategische Vorgaben sein. Diese Rahmenbedingungen solltest du kennen – und deinen Mitarbeiter*innen klar und deutlich benennen!

In welchen Situationen ist ein lösungsfokussiertes Gespräch sinnvoll?

Lösungsfokussierte Gespräche eignen sich für viele typische Führungssituationen:

  • im Zweiergespräch: Bewerbungsgespräch, Mitarbeitergespräch, Kritikgespräch;
  • in Gruppensituationen: Projektmeetings, Workshops, Teamentwicklungen;
  • auf Abteilungs- oder Organisationsebene: Strategieentwicklung, Veränderungsvorhaben.

Wenn du mit Lösungsfokus führst, wirst du schnell bemerken, dass deine Gespräche eine bessere Qualität und eine tiefere Bedeutung erhalten – und einen wirklichen Unterschied bewirken. Du wirst beobachten, dass deine Mitarbeiter*innen eigenverantwortlich Chancen nutzen und die Dinge aktiv in die Hand nehmen. Sie werden kreativere Lösungen finden und motivierter und besser zusammenarbeiten. Eine klassische Win-win-Situation.

Stefan Brückner

Stefan Brückner

Stefan Brückner studierte BWL, Geschichte und Geografie, war 15 Jahre Lektor, Projekt- und Verlagsleiter und ist seit 2016 selbstständiger Unternehmensberater, Coach und Trainer. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Strategie- und Organisationsentwicklung, Interims-Management, Trainings in Change Management, Kommunikation und Leadership sowie Coachings für Fach- und Führungskräfte. Geboren und aufgewachsen in Basel, lebt und arbeitet Stefan Brückner heute in Stuttgart.

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