Werte

Deine Werte entscheiden: 4 Fragen für dein Führungsverhalten

Die Werte von Führungskräften beeinflussen maßgeblich das Verhalten ihrer Mitarbeiter, so Nico Rose, Buchautor und Experte für positive Psychologie. Daher sollten Führungskräfte sich und ihre Entscheidungen immer wieder hinterfragen. Hier ein Auszug aus seinem Buch „Arbeit besser machen“.

Ich hatte die große Freude, im Dezember 2017 einige Tage an der Ross School of Business in Michigan verbringen zu dürfen. Dort stellte Robert Quinn, ein hochdekorierter Management-Forscher, seine Idee einer Wirkungskette der Wertschöpfung in Organisationen vor (siehe folgende Abbildung).

Führung mit Sinn
Aus: „Arbeit besser machen“, Haufe
Werte beeinflussen Verhalten

Die Idee hinter dieser Darstellung ist, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen den Werten der Führungsetage in einer Organisation und dem konkreten Verhalten der Mitarbeiter auf den nachgelagerten Ebenen. Somit prägt das beobachtbare Verhalten der Führung nach und nach die Werte der gesamten Organisation.

Diese Werte wiederum schaffen ein organisationales Klima, das maßgeblich das Engagement der Mitarbeiter prägt – und dieses schließlich beeinflusst maßgeblich das konkrete Verhalten, das die Mitarbeiter an den Tag legen. Die Darstellung ist sicherlich stark vereinfachend gestaltet, ergibt aber intuitiv Sinn für mich.

Führen mit Sinn: das Menschenbild entscheidet

Der entscheidende Punkt: Die übergeordneten Ebenen beeinflussen die nachgelagerten Ebenen. Wenn also beispielsweise ein Organisationsentwickler Maßnahmen zur Steigerung des Engagements implementieren möchte, so muss es ihm gelingen, die übergeordneten Ebenen anzusteuern; sonst missglückt die Implementierung oder sie ist nicht nachhaltig.

Aus diesem Grund scheitern laut Quinn so viele Projekte im Bereich der Werte- und Kulturentwicklung. Die Verantwortlichen versuchen, die entsprechenden Ebenen selbst zu verändern und kümmern sich nicht um die vorgelagerten Ebenen, also um das Verhalten und – noch wichtiger – die Werte der Top-Führungskräfte. Damit ist allerdings ein echter Wandel bereits von vornherein zum Scheitern verurteilt. Alles steht und fällt mit den Werten, mit der Haltung, mit dem Menschenbild der Führung.

Werkzeug für gute Entscheidungen

Welche Schlüsse kannst du als Führungkraft daraus ziehen? Aufbauend auf diesen Überlegungen möchte ich dir hier ein Werkzeug vorstellen, das auf den oben erwähnten Robert Quinn zurückgeht. Es stammt aus dem Buch „Lift“, das er 2009 gemeinsam mit seinem Sohn Ryan verfasst hat.

Der Kern ist ein Set von vier Fragen, die sich Führungskräfte stellen können, wenn sie vor einer schwierigen Entscheidung stehen, unentschlossen sind oder bemerken, dass sie gerade feststecken in Bezug auf anstehende Aufgaben. Ziel ist es im Wesentlichen, die eigene Führungshaltung im Alltag (wieder) zu schärfen.

  1. Welche Resultate möchte ich kreieren?
  2. Welche Geschichte würde ich (mir) erzählen, wenn ich gemäß jenen Werten handeln würde, die ich von anderen einfordere?
  3. Wie fühlen sich die anderen Beteiligten in dieser Situation?
  4. Wie sehen drei oder mehr Handlungsstrategien aus, um jetzt meine übergreifenden Ziele zu erreichen?
Raus aus der Komfortzone, rein ins Handeln

Ziel der ersten Frage ist es, uns ein Stück weit aus unserer Komfortzone herauszuholen und stattdessen darüber nachzudenken, was in einer gegebenen Situation das Beste für die Organisation wäre.

Die zweite Frage soll uns an unseren inneren Kompass erinnern und dafür sorgen, dass unsere Handlungen an unseren übergreifenden Wertvorstellungen und Prinzipien ausgerichtet sind. Zudem soll sie verhindern, dass wir Menschen, mit denen wir ggfs. im Konflikt stehen, vorschnell unlautere Motive unterstellen.

Der Zweck der dritten Frage ist es, unsere Fähigkeit zur Empathie anzuregen, damit wir uns in die (emotionalen) Bedürfnisse der anderen Beteiligten in einer gegebenen Situation einfühlen.

Die letzte Frage schließlich soll uns nach der Phase der Reflexion ins Handeln bringen und uns dabei helfen, im Außen nach Wegen und Unterstützung für die Umsetzung unserer Ziele zu suchen.

Bessere Entscheidungen treffen

In den letzten Jahren hing in meinem Büro immer ein Ausdruck dieser Fragen in Sichtweite. Insbesondere die zweite Frage hat mir ein ums andere Mal geholfen, bessere Entscheidungen zu treffen, weil sie mich daran erinnert hat, dass – bei allen Konflikten, die in großen Organisationen notwendigerweise entstehen – die meisten Menschen auf einer übergreifenden Ebene doch an einem Strang ziehen wollen.

Mehr lesen?

FührungIn seinem Buch, „Arbeit besser machen“, beschreibt Nico Rose, wie man die Erkenntnisse der Positiven Psychologie im Organisationsalltag einsetzen kann. Tests zum Thema Führungsqualität und zahlreiche Interviews mit Experten und Unternehmenspraktikern machen das Buch zu einem echten Leitfaden für alle, die ihr Unternehmen zu Orten des sinnvollen und profitablen Wachstums für Mensch und Organisation machen möchten.

Nico Rose

Nico Rose

Nico Rose ist der Sinnput-Geber. Bis 2018 arbeitete er für Bertelsmann als Vice President im HR-Umfeld. Er ist Diplom-Psychologe, wurde in BWL promoviert und studierte ergänzend bei Martin Seligman, Gründer der Positiven Psychologie. Seit 2019 ist er Hochschullehrer an der International School Of Management (ISM).

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