Wohin mit meinen Händen, wenn ich im Stehen rede?

Wohin nur mit den Händen? Für Vortragende ist das eines der ganz großen Themen – weiß auch der Kommunikationscoach Stefan Klager. In seinem Beitrag gibt er Tipps, was ihr mit euren Händen tun könnt, wenn ihr im Stehen vortragen müsst.

Das ist die wohl am häufigsten gestellte Frage in Kommunikationstrainings!

Sind sie denn im Weg, die Hände beim freien Sprechen? Ja, sie scheinen überflüssig zu sein. Die klassische Haltung eines Fußballspielers beim Freistoß fällt jedem negativ auf. Nicht auf dem Fußballplatz – da ist sie wichtig, aber auf der Bühne. Was schützen die Hände und warum? Dort, unterhalb des Bauchnabels, sind die Hände tatsächlich falsch positioniert. Und hinter dem Rücken? So stehen Kinder, die sich eine Standpauke anhören. Diese Haltung wirkt demütig und alles andere als selbstbewusst. Und über die Merkel-Raute ist ja inzwischen schon alles gesagt.

Geh offensiv mit deinen Händen um! Sie stören nicht, sondern sind ein wichtiges unterstützendes Mittel zum Zweck deiner Kommunikation. Gestik unterstreicht das Gesagte, betont und unterstützt. Aber auch hier: Alles ist gut, wenn es im Rahmen bleibt. Wenn die Hände sich angemessen zwischen Brust und Gürtelbereich bewegen, wird das Gestikulieren positiv und stark wahrgenommen. Die Hände können sich auch mal gegenseitig halten, wenn nichts zu gestikulieren ist. Oder ein Arm samt Hand locker am Oberkörper, während die jeweils andere Hand beim Sprechen zum Einsatz kommt.

Warum ist es wichtig, die Hände aktiv mit in die Kommunikation einzubeziehen?

Nicht nur, aber gerade bei einem Interview vor laufender Kamera, denn der klassische Bildausschnitt für einen O-Ton, ein Interview oder Statement ist das „Portrait-Bild“, d.h., zu sehen ist entweder nur der Kopf (extreme Naheinstellung) oder am häufigsten ein Bildausschnitt, der das Gesicht, aber auch den Brustbereich bis zum angewinkelten Ellbogen zeigt. Diese halbnahe Einstellung zeigt deutlich: Wer hier die Arme hängen lässt, hat während des Sprechens sehr viel Bewegung im Oberkörper und der Zuschauer weiß nicht warum, weil er die Hände ja nicht sieht. Deshalb: Arme anwinkeln und aktiv, sichtbar mit Gestik kommunizieren.

Bei all den Tipps ist eines ganz wichtig: Nicht antrainieren! Du musst dich in deiner Haltung wohlfühlen.

Denn auch die Gestik wird gesteuert durch die innere Haltung. Wenn du etwas nur tust, weil du glaubst, dass es positiv wirkt, lautet die Empfehlung ganz klar: Unterlasse es! Antrainierte Gesten wirken aufgesetzt, unnatürlich, nicht authentisch und somit unsympathisch.

Zurück zum Einsatz von Gestik auf der Bühne. Wenn es die Möglichkeit gibt, einen Zettel, etwa einen Programmablauf oder eine Moderationskarte, in der Hand zu halten, sind die Hände automatisch involviert und somit „beschäftigt“.

Der Vorteil, wenn wir etwas in der Hand haben, ist offensichtlich: Die Frage, wohin mit den Händen, erübrigt sich. Eine Hand hält die Karte, die andere gestikuliert. Die Karte darf auch mal von der rechten zur linken Hand wandern – und schon haben die Hände einen Punkt zum Andocken.

Je nach Situation und Veranstaltung lässt sich auch ein Pointer oder die Fernbedienung für die Präsentation nutzen, um etwas Sinnvolles in der Hand zu halten. Ein Feuerzeug, eine Zigarettenschachtel oder etwas ähnlich Banales lenkt ab und ist deplatziert.

Stichwort „Moderationskarte“

Bei vielen Vortragenden, die nicht qua definitionem als klassische Moderatoren gelten, sind solche Moderationskarten oder Stichwortzettel verpönt. Viele behaupten „Ich weiß, was ich sagen will!“ und befürchten außerdem, mit einem Zettel in der Hand einen schlechten Eindruck zu hinterlassen: “Wie sieht das denn aus, wenn ich mir Stichworte mache?“.

Erstens: Keine falsche Eitelkeit! Es ist professionell, wenn du einen Stichwortzettel in der Hand hälst. Zweitens: Die Moderationskarte oder ein Stichwortzettel hilft dir – und das sogar in doppelter Hinsicht.

Denn dass du Stichpunkte notierst setzt voraus: Du hast dir die Zeit genommen, dir Gedanken zu machen, was du eigentlich sagen willst. Das heißt, du gehst strukturiert vor und die Stichpunkte sortieren deine Gedanken, verdeutlichen deine Argumentationslinie.

Im nächsten Schritt notiere dir die wichtigsten Schlüsselbegriffe.

Genau diese Vorgehensweise führt dazu, dass du möglicherweise tatsächlich nicht auf den Spickzettel guckst. Aber nur, weil du dich vorbereitet und die inhaltlich wichtigsten Punkte notiert hattest. Nicht, weil du sowieso immer schon wusstest, wie du was sagen wolltest. Der Stichwortzettel sollte zu Recht diesen Namen tragen und ein Zettel mit Stichworten sein. Schreib Schlüsselwörter auf! Keinen Fließtext. Es sei denn, es ist eine ausgefeilte Rede – hier greifen andere Mechanismen.

Stichpunkte helfen, die geplante Struktur der Inhalte beizubehalten und – solltest du den Faden verlieren – mit einem kurzen Blick auf die Notiz den Gedankengang wieder aufzunehmen und präsent zu bleiben. Der Spickzettel bewahrt den Redner auch davor, sich zu verfransen und vom berühmten Hölzchen aufs noch berühmtere Stöckchen zu kommen.

Wohin mit den Händen: Der Cent-Tipp

Nimm etwas Unauffälliges in die Hand, zum Beispiel eine Fünf-Cent-Münze. Wenn wir etwas in der Hand halten, sind unsere Hände automatisch auf Bauchnabelhöhe und wir müssen uns keine Gedanken machen, ob die Hände an der richtigen Stelle sind. Das gibt Sicherheit und für das Publikum ist dieser Trick nicht erkennbar.

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Stefan Klager

Stefan Klager

Stefan Klager M.A. ist »Der KommunikationsCoach«. In individuell ausgerichteten Medien- und Kommunikationsseminaren trainiert er Vorstände, Manager und Führungskräfte der deutschen Wirtschaft und macht sie fit für den kommunikativen Alltag. Klager ist auch Inhaber einer Filmproduktionsfirma, die sich auf BusinessTV spezialisiert hat und bundesweit produziert. Mit dem journalistischen Arbeiten begonnen hat er bereits während des Studiums (Publizistikwissenschaft, Deutsche Philologie und Psychologie in Mainz und Münster); er schrieb für Zeitungen, »baute« Hörfunkbeiträge und drehte seine ersten Filme fürs Fernsehen. Mitte der 80er Jahre wechselt Klager zum WDR-Fernsehen nach Köln, Anfang der 90er Jahre wirkt er daran mit, VOX on air zu bringen. 1994 übernimmt er die Redaktionsleitung einer Fernsehproduktionsfirma mit neun Studios im In- und Ausland.

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