Verständlich schreiben: Der optimale Satzbau, Teil 2

Im zweiten Teil seines Beitrags zum optimalen Satzbau zeigt Nils Hesse, wie wichtig Satzzeichen sind und warum man Menschen nicht in Passivkonstruktionen verstecken sollte.

Regel 8: Wörter klar und logisch aufeinander aufbauen

Der Satzbau soll deinen Gedankengang transparent machen. Ein klarer Satzbau setzt klare Gedanken voraus. Wörter und Sätze müssen so aufeinander aufbauen, dass eine logische Folge von Argumenten entsteht. Das geht aber leicht schon innerhalb eines Satzes schief. Dass richtig gesetzte Satzzeichen Leben retten können, ist schon länger bekannt:

  • Komm wir essen Opa!

Doch auch der richtige Satzbau hilft, Doppeldeutigkeiten zu vermeiden:

  • In Wettenberg musste der Sohn für seine tote Mutter noch Müllgebühren bezahlen.
  • Zum zweiten Mal in diesem Jahr stürzte sich ein Mann vom Olympia-Turm in den Tod.

Regel 9: Alle sieben Satzzeichen nutzen

Wenn wir sprechen, heben wir unsere Stimme am Ende einer Frage, hingegen senken wir sie am Ende einer Aussage. Wir machen Pausen und Seufzer, reden mal laut und dann wieder leiser, mal mit Wut und mal mit einem Lächeln. Um dieses Leben auch in geschriebene Texte zu bringen, wurden Satzzeichen erfunden. Sie können ausdrücken, was Buchstaben alleine nicht ausdrücken können. Ohne sie würde ein Text unverständlicher und monotoner klingen. Leider machen wir von der ganzen Bandbreite der Satzzeichen zu selten Gebrauch. Wir nutzen Komma und Punkt, nur selten Fragezeichen, Doppelpunkt, Gedankenstrich und Ausrufezeichen, fast nie das Semikolon.

  • Punkte beenden einen Satz und damit einen Gedanken; damit ermöglichen sie eine Sprech- und Denkpause. Punkte richtig zu setzen, ist eine Frage des Timings. Setze den Punkt erst, wenn bereits etwas im Satz passiert ist: Etwas Neues, Interessantes, Spannendes. Warte mit dem Punkt aber nicht zu lange. Wenn dir beim lauten Vorlesen eines Satzes die Luft ausgeht, hat der Punkt seinen Einsatz verpasst.
  • Kommata machen Melodie, sie verbinden Sätze mehr als sie zu trennen. Du kannst mit Kommata den Leser elegant durch einen Satz führen, solange du dich nicht in Schachtelsätzen und Einschüben verrennst.
  • Fragezeichen beenden Fragen in wörtlicher Rede ebenso wie rhetorische Fragen; sie können Spannung erzeugen und einen Text auflockern.
  • Ausrufezeichen verleihen Aussagen Nachdruck. Nutze sie immer, wenn einer auffordert, ruft, schreit, brüllt! Deplatziert sind sie in sachlichen Texten, in Pressemitteilungen oder Vermerken.
  • Mit dem Doppelpunkt kannst du oftmals elegant auf einen Nebensatz verzichten und dazu noch Spannung erzeugen und Erwartungen wecken; Diese Erwartungen sollten nach dem Doppelpunkt dann aber auch tunlichst erfüllt werden.
  • Ein Gedankenstrich ermöglicht, einen Gedanken anzuhängen, ohne einen neuen Satz bilden zu müssen. Im Redemanuskript gibt er das Signal, eine Kunstpause einzulegen. Der Gedankenstrich sollte aber nicht für Einschübe missbraucht werden.
  • Das Semikolon kommt zum Einsatz, wenn ein Punkt zwei gleichrangige Sätze oder Wortgruppen zu stark trennt, ein Komma aber zu stark verbindet. Der Strichpunkt hält die Aussage in der Schwebe und damit die Spannung aufrecht.
  • Ungeeignet sind hingegen die Klammern. Einschübe strengen den Leser an und rauben ihm Konzentration. Eine weitere Möglichkeit, um die Schriftsprache der Lebendigkeit der mündlichen Rede anzunähern, sind optische Signale mit fetter oder kursiver Schrift. Diese aber bitte wie oben beschrieben nur dosiert einsetzen.

Regel 10: Aus Passiv Aktiv machen

Bleibt eine letzte Nebelmaschine, die wir ausstellen sollten: Passivkonstruktionen. Sie machen Texte kraftlos und unpersönlich, verdecken sowohl Ross als auch Reiter. Dafür gibt es nur ganz wenige akzeptable Gründe:

  • Wenn Leidensvorgänge wiedergegeben werden sollen: »Der Briefträger wurde von einem Hund ins Bein gebissen.«
  • Wenn der Handelnde unwichtig ist: »Das Schwimmbad wird um 20 Uhr geschlossen.«
  • Wenn die nicht handelnde Person so wichtig ist, dass der Satz mit ihr beginnen sollte: »Dr. Karsten Eichmann wurde zum Vorstandsvorsitzenden der ARGE – der Arbeitsgemeinschaft der Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit e. V. – gewählt.«

In allen anderen Fällen solltest du den Leser mit dem Passiv verschonen. Zu viele Passivkonstruktionen strengen an. Unweigerlich fragt sich der Leser: Wer ist diese unsichtbare Gestalt, die im Hintergrund zu handeln scheint? Wo versteckt sie sich? Wenn du nicht schreiben willst, wer Ross und wer Reiter ist, dann schreib besser gar nichts dazu. Menschen in Passivkonstruktionen zu verstecken, bringt jedenfalls weder dich noch deine Leser weiter.

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Nils Hesse

Nils Hesse

Dr. Nils Hesse, Volkswirt, Betriebswirt und Politologe, arbeitet als wirtschaftspolitischer Referent, Dozent für verständliches Schreiben und Autor. Zuvor hat er unter anderem als Referent im Bundeskanzleramt und beim Bundesverband der Deutschen Industrie, als Economic Analyst bei der EU-Kommission und als Redenschreiber im Bundeswirtschaftsministerium gearbeitet.

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