„Malen“ im Projekt – Ist das überhaupt professionell?

Durch visuelle Elemente kannst du in deinen Projektmeetings die Identifikation mit dem Projekt steigern und die Kreativität erhöhen. In ihrem Beitrag plädiert Trainerin Sabine Peipe daher für mehr Mut zum Malen.

Projekte haben viel mit Zahlen, Daten und Fakten (ZDF) zu tun. Es werden Zeitpläne erarbeitet, Grafiken entwickelt, Fortschrittsberichte erstellt, Projektergebnisse in PowerPoint zusammengestellt und präsentiert.

Klar, als Projektleiter legst du Wert darauf, dem Projektauftraggeber und Stakeholdern regelmäßig aufzuzeigen, wo das Projekt zurzeit steht und ob die Ampeln auf Grün, Gelb oder Rot stehen. Projektzusammenfassungen sind also durchaus sinnvoll.

Aber immer, wenn es darum geht, Stakeholder (Auftraggeber, Führungskräfte, Mitarbeiter, Kollegen, Kunden, Lieferanten usw.) „mitzunehmen“, kann ZDF alleine nicht überzeugen oder dazu motivieren etwas zu ändern, etwas zu tun oder zu lassen. An bestimmten Punkten im Projektverlauf können deshalb „visuelle“ Methoden den Projektprozess positiv beeinflussen.

Gemeinsame Energie beim Projektstart durch Visualisierungen

Zu Beginn eines Projektes ist noch alles neu. Neben den typischen Projektaufgaben wie Projektziele entwickeln und die Grobplanung erstellen, soll das Projektteam auf die kommenden Aufgaben vorbereitet und die Weichen für gute Teamarbeit gestellt werden.

Auch für die Stakeholder bringen Projekte meist Veränderungen mit sich. Ein Reorganisationsprojekt schafft beispielsweise neue Strukturen und Rollen im Unternehmen. Das sorgt für positive aber auch negative Emotionen bei den Stakeholdern und den Projektbeteiligten. Wie soll das Projektteam damit umgehen? Wie lassen sich solche Emotionen auch visuell erfassen und „begreifen“, um dafür sinnvolle Lösungen zu entwickeln?

Andererseits bietet ein Projektstart den Projektbeteiligten und Stakeholdern aber auch viel Raum, sich mit eigenen Ideen und Wünschen einzubringen und den Projektprozess aktiv und kreativ mitzugestalten. 

Als Projektleiter oder Führungskraft kannst du diese Energie gezielt auffangen und in Bilder übertragen. Damit unterstützt du dein Projektteam, sich visuell und kreativ mit dem Projekt auseinanderzusetzen und sich insbesondere auch mit dem Projekt und den Projektzielen zu identifizieren.

Einen Projektstart-Workshop innovativ gestalten

Auf einem Flipchart oder einer Pinnwand visualisierst du die Themen, die im Rahmen des Workshops bearbeitet werden, in Form von Symbolen. Symbole sind kleine Anker die länger im Gedächtnis haften. Du kannst das ganze Projekt als Roadmap darstellen (s. Abbildung). Die Roadmap symbolisiert den gemeinsamen Weg.

Nun können im Workshop mit Haftnotizen oder statischem Papier die Ideen, erste Lösungsansätze aber auch Fragen, Probleme auf die Roadmap angepinnt/geklebt werden. So gewinnst du mit deinem Team schnell einen Überblick. Mithilfe der Visualisierungen beschäftigt ihr euch intensiver mit den einzelnen Themen.

Im zweiten Teil des Workshops erarbeitest du dann ganz gezielt mit deinem Team die gesammelten Ideen und Lösungsansätze weiter.

Beispiel: Projektstart-Workshop anhand einer Projekt-Roadmap

Für viele weitere Projektanlässe kannst du Visualisierungen einsetzen:

  • Projektplanungsklausur,
  • Problemlösungs-Workshop,
  • Design-Thinking-Workshop,
  • Projektabschluss-Workshop oder einfach
  • In deinen Projektmeetings.

Setzt du visuelle Elemente gezielt ein, so erreichst du mehr Kreativität und Identifikation mit dem Projekt. Es entwickeln sich positive Energien, die du für dein Projekt nutzen kannst.

„Malen“ im Projekt ist deshalb nicht unprofessionell, sondern eine weitere Methode, die du je nach Bedarf jederzeit einsetzen kannst.

Mehr zum Thema

Diese und viele weitere Tipps und Visualisierungen enthält das Buch „Visualisieren in Workshops, Meetings und Präsentationen. Einfach, klar und kreativ“.

Hier geht’s zum Buch

Ein großes Kapitel darin ist dem Visualisieren auf Flipcharts und Pinnwänden gewidmet. Hier lernst du u.a. wie du eine Visualisierung auf diesen Medien aufbauen kannst. Viele Beispiele unterstützen dich, deine eigenen Ideen zu entwickeln.

Ich wünsche viel Spaß bei der Visualisierung in der Projektarbeit.

Sabine Peipe

Sabine Peipe

Sabine Peipe ist Projekt- und Change Managerin und arbeitet seit 2002 als Beraterin und Trainerin für Projekt- und Changemanagement in unterschiedlichen Unternehmen und Branchen. Sie berät und unterstützt Unternehmen bei der Umsetzung ihres Projektmanagements und begleitet sie direkt in ihren Projekten und ihrem Projektalltag.
Insbesondere in Veränderungsprozessen und bei der Gestaltung von (neuen) Lösungswegen arbeitet sie mit den Techniken der Visualisierung, die Klarheit und lösungsorientiertes Denken fordern und fördern.
Neben ihrer Tätigkeit als Beraterin und Trainerin ist sie an der Fernfachhochschule Schweiz und der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Bachelor- und Masterstudiengängen als Lehrbeauftragte tätig. Sie ist Fachbuchautorin für Projektmanagement und Visualisierung.

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