Liegst du lieber am Beckenrand oder wagst du den Sprung ins kalte Wasser?

Was haben die eigene Persönlichkeit und berufliche Veränderungen miteinander zu tun? „Sehr viel!“ meint unser Autor Alexander Bazhin und erklärt in seinem Beitrag, wie man die eigenen Stärken erkennt.

Einige Persönlichkeitsmodelle werden mehr oder minder für berufliche Zwecke angewandt. Das sogenannte Riemann-Thomann Modell unterscheidet vier Grundtendenzen der Persönlichkeit: Nähe und Distanz, Dauer und Wechsel. „Nähe-Menschen“ brauchen den vertrauten Nahkontakt, sie sehnen sich nach Liebe und Geborgenheit, sie brauchen Zärtlichkeit und Harmonie. Demgegenüber stehen „Distanz-Menschen“.  Bei dem Typ herrscht der Wunsch nach Abgrenzung von Anderen um ein eigenständiges und unabhängiges Individuum zu sein. Bei „Dauer-Menschen“ wird nach Ordnung und Verlässlichkeit, nach Macht und Wille, nach Verantwortung und Kontrolle gestrebt. Der „Wechsel-Mensch“ hat das Bedürfnis nach etwas Neuem. Spontan und verspielt zu sein, Genießen und Begehren sind die wichtigsten Bedürfnisse des „Wechsel-Menschen“.

Ich bin fest davon überzeugt, dass das Riemann-Thomann Modell der Persönlichkeit bei beruflichen Veränderungen eine große Hilfe leisten kann: Indem wir einmal unsere eigene Stärke und unsere „Nicht-Stärke“ definieren oder überdenken können und unsere Kollegen bzw. Vorgesetzten abschätzen können.

Wenn du ein „Nähe-Mensch“ wärst, …

… würdest du von dir selbst keine Veränderungen billigen, dazu gehört zum Beispiel auch kein Jobwechsel. Es sei denn, die Menschen um dich herum würden dich darum bitten. Da du als „Nähe-Mensch“ Spannungen und Konflikte vermeidest und fast immer ein offenes Ohr für die Mitmenschen hast, bist du als Kollege sehr geschätzt. Wobei die Balance zwischen Geben und Nehmen in der Situation zum für dich ungünstigen Ausgang kommen kann. Da du immer lieb sein möchtest, kannst du sehr schwer Nein sagen oder einer Bitte Absage erteilen.

Wenn du ein „Distanz-Mensch“ wärst, …

… würden dir berufliche Veränderungen leicht fallen, wenn es dabei im Wesentlichen um Menschen, also Beziehungen oder Kontakten geht. Da die Unabhängigkeit für dich den größten Wert hat, würdest du am besten alleine für dich selbst arbeiten. Wenn es aber doch in einem Unternehmen, dann als Einzelgänger. Da du dich im Kollektiv von anderen Kollegen oft abgrenzen möchtest, oder am wenigstens mit ihnen zu tun haben, kannst du bei Mitarbeitern arrogant wirken.

Wenn du ein „Dauer-Mensch“ wärst, …

… wären die beruflichen Veränderungen für dich die Hölle, da du damit Gefahr läufst Stabilität zu verlieren. Es heißt nicht, dass du nicht in der Lage wärst Veränderungen zu gestalten. Sicher würdest du sie dank deiner Verlässlichkeit, Ordentlichkeit und Liebe zum Planen meistern. Nur dank deiner Bodenständigkeit, Sparsamkeit und des Bedürfnisses nach Sicherheit diese ungerne tun, da jede Veränderung Unsicherheit in sich trägt.

Wenn du ein „Wechsel-Mensch“ wärst, …

… würdest du dann die Veränderung selbst suchen! Du liebst die zu initiieren, zu gestalten, die durchzuführen. Durch deine Kreativität und Originalität bist du als Mitstreiter jedem Unternehmen eine Bereicherung. Du bietest immer neue Ideen und Problemlösungen. Du lockerst das Klima im Unternehmen. Durch deine Begeisterung und Charisma reißt du deine Kollegen mit. Allerdings sind Verpflichtungen, Verantwortungen, Regeln, Vorschriften und Gesetze die Sachen, die du hasst und manchmal dagegen verstößt. Illusionen können die Realität rauben.

Alexander Bazhin

Alexander Bazhin

Prof. Dr. Alexander Bazhin, Jahrgang 1975, ist einer der Mitgründer und der Vorstandsvorsitzende der Akademie für Schlüsselkompetenzen im Studium, Beruf und Leben e.V. in Heidelberg. Er ist zertifizierter Hochschullehrer und Berater, und beschäftigt sich seit mehreren Jahren intensiv mit Hochschuldidaktik, Erwachsenenbildung und Entwicklung von Schlüsselkompetenzen. Seine Expertise umfasst unter anderem folgende Themen: Lernen und Denken, Kreativität und Originalität, Motivation und Empathie. Bazhin ist außerplanmäßiger Professor an der Universität Heidelberg und lehrt naturwissenschaftliche Propädeutik an der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg.

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