Karrieretipp: Vorsicht vor der Anerkennungsfalle!

Fehlende Anerkennung, fehlendes Lob, fehlende Wertschätzung: Wer im Job so gut wie kein Feedback bekommt, denkt schnell über Kündigung nach. Hin und wieder auch etwas zu vorschnell, weiß Recruiting-Profi Frank Rechsteiner. In seinem Beitrag gibt er Tipps, wie man mit fehlendem Feedback umgehen kann – und wie man es am besten einfordert.

Jetzt hast du aber die Faxen dicke! Du arbeitest bereits seit 4 Jahren für diesen Chef und alles was du bekommst sind immer neue Aufgaben. Kein Lob, keine Anerkennung, keinerlei Feedback – nicht ein positives Wort zu deinem tagtäglichen Einsatz für die Firma. Nichts, einfach immer weiter machen und funktionieren. Bleibt da am Ende nur die Kündigung? Ich behaupte – nein!

Beim nächsten Job wird alles anders

Da bist du dir doch sicher – beim nächsten Job wird alles anders. Du achtest genau auf das Verhalten deines Vorgesetzten und Lob – gerne auch als Feedback verpackt – ist dir bei der Auswahl der nächsten Position besonders wichtig. Doch wie willst du das im Vorfeld wirklich herausfinden? Fehlende Anerkennung ist für viele Menschen ein zentrales Thema. Vor allem mit positivem Feedback sind Führungskräfte oft mehr als zurückhaltend, ganz frei nach dem Motto: „Nicht gemeckert ist schon genug gelobt.“ Das kann sich erfahrungsgemäß nicht nur negativ auf die Arbeitsmoral des Mitarbeiters auswirken, sondern auch die allgemeine Zufriedenheit mittelfristig beeinflussen. Wir verbringen sehr viel Lebenszeit im Job und definieren uns auch meist sehr über unsere Arbeit.

Durch fehlendes Feedback stellen wir uns selbst infrage

Wer nie gelobt wird, dessen Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl leiden irgendwann. Das menschliche Bedürfnis nach sozialer Anerkennung darf man in der Tat nicht unterschätzen. Arbeitnehmer setzen verwehrte professionelle Bestätigung mit persönlicher Zurückweisung oftmals gleich. Sie fühlen sich von ihrer Führungskraft nicht gemocht, was nicht die günstigste Voraussetzung für eine konstruktive Zusammenarbeit ist. Unter dem Strich ist es wohl nicht die Verantwortung des Vorgesetzten, soziale Bedürfnisse seines Mitarbeiters zu stillen – auch wenn eine freundschaftliche Atmosphäre im Büro sich natürlich sehr gut anfühlt. Letztendlich sollte man die Befriedigung der sozialen Wünsche ins Privatleben verlagern – sofern du eins hast?

Geh auf deinen Vorgesetzen direkt zu

Es ist grundsätzlich wichtig, Spannungen oder Konflikte direkt, offen und sachlich anzusprechen. Also im Zweifelsfall erst die Emotionen abkühlen lassen und dann beim Chef vorstellig werden, um eine Verbesserung der Situation zu erwirken. Im Gespräch selbst darf man darauf achten, sich auf konkrete Situationen oder Verhaltensweisen zu beziehen. Vorwürfe mit nichtssagenden Begriffen wie „nie“ oder „immer“ vermeidest du besser tunlichst und bleibst bei dir selbst – der Kollege kann und muss für sich selbst sprechen. Bei einer generellen Kritik wird sich der Vorgesetzte, wie jeder andere Mensch auch, verständlicherweise persönlich angegriffen fühlen. Dann kann das Gespräch schnell eskalieren und keinem ist damit geholfen.

Wie viel Arbeitsfrust kann und will ich tolerieren – und ab wann sollte ich ernsthaft über einen Jobwechsel nachdenken?

Wenn du gerade in einer Phase des anhaltenden Frusts festhängst, hilft es oftmals schon, sich klar zu machen, was gerade im Job gut läuft. Was sind die Vorzüge meiner aktuellen Arbeitsstelle? Häufig ist uns nur bewusst, was uns stört und wir vergessen darüber hinaus ganz gerne die wirklich positiven Aspekte unserer Arbeitsbedingungen. Beispielsweise, dass wir eine feste Anstellung und ein gutes Einkommen haben oder täglich mit netten Kollegen zusammenarbeiten dürfen. Wer aber über einen längeren Zeitraum unzufrieden ist oder bereits erfolglos versucht hat, seine Situation zu verbessern, sollte in der Tat über einen Jobwechsel nachdenken. Wichtig ist dabei: Bitte triff Sie nicht aus dem Frust heraus weitreichende Entscheidungen! Priorität bei einem Stellenwechsel sollte nicht der Wunsch „ich möchte weg“ sein, sondern die klare Fragestellung: „Wo will ich zukünftig hin?“ Wer flüchtet, läuft leider Gefahr, vom Regen in die Traufe zu kommen.

Frank Rechsteiner

Frank Rechsteiner

Frank Rechsteiner ist Inhaber der Hype Group, die auf Executive - Recruiting und Strategieberatung für IT-Unternehmen spezialisiert ist. Zuvor hatte er langjährige Führungspositionen bei internationalen IT-Anbietern inne. Mit regelmäßigen Umfragen und Studien ermittelt er Trends im IT-Arbeits- und -Bewerbermarkt. Als Autor schreibt Frank Rechsteiner für den Springer Gabler Verlag Fachbücher, unter anderem zum Thema „Kulturbasiertes IT-Recruiting“.

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