Mal ehrlich: Hat deine letzte Weiterbildung was gebracht?

Das Angebot an Weiterbildungsmöglichkeiten und Coachings ist riesig. Aber nicht alles ist auch gut oder passend für deine persönlichen Bedürfnisse. Worauf es bei der Auswahl ankommt und welche Punkte du unbedingt beachten solltest, erklärt Mentorin Nadine Krachten in ihrem Beitrag.

„Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen“ – diese Aufgabe bekam Aschenputtel von ihrer Stiefmutter, damit sie nicht auf den Ball mitgenommen werden musste. Eine fast unlösbare Aufgabe für Aschenputtel. Im Märchen kamen zum Glück die Tauben, um die Akteurin zu unterstützen. Jeder, der das Märchen kennt, weiß natürlich, dass
Aschenputtel es trotzdem zum Ball geschafft hat und es ein Happy End gab – Aschenputtel hat ihren Prinzen bekommen.

Auch auf dem teilweise sehr undurchsichtigen Markt an Weiterbildungsangeboten gibt es Gute und Schlechte. Doch helfen hier leider keine Tauben, die aus dem Instinkt heraus bei Aschenputtel ausgewählt haben. Aus dem persönlichen Instinkt heraus eine Auswahl zu treffen, gerade in Krisenzeiten, in denen schnell gehandelt werden muss, kann natürlich funktionieren. Instinkt allein ist jedoch bei dieser Wahl eine riskante Sache. Oft wird leider zu spät gemerkt, dass die Wahl nicht die Richtige war. Dann das Konto leer und der gewünschte Mehrwert, also der Return on Invest, fällt aus. Entsteht im Nachgang Kaufreue, ist sprichwörtlich das Kind in den Brunnen gefallen. Nur ist es leider zu spät. Warum und unter welchen Bedingungen also eine Weiterbildung oder ein persönlicher Coach so gut wie nichts bringt:

Wer nicht weiß, wo er hinwill, muss sich nicht wundern, ganz woanders anzukommen.

Grund 1: Das Ziel der Weiterentwicklung ist im Vorfeld nicht konkret und klar definiert

Das Angebot hört sich gut an, es wurde dir vielleicht sogar empfohlen, du hast schon viel davon gehört. Dann muss es ja gut sein. Oft werden Angebote gebucht, weil viele dieses Angebot nutzen. Das ist die Anziehungskraft der Masse, die jeder von uns kennt. Dort, wo die Warteschlage am längsten ist, muss es auch Toilettenpapier geben – oder etwas anderes sehr wichtiges. Ob es grundsätzlich gut erscheint oder nicht, spielt zumindest eine untergeordnete Rolle. Viel relevanter ist, ob es für dein persönliches Ziel geeignet ist. Mach dir im Vorfeld Gedanken über folgende Dinge:

  • Welches konkrete Ziel verfolgst du mit der Weiterbildung oder dem persönlichen Coach?
  • Zahlt die Weiterbildung wirklich auf dein persönliches Ziel ein und falls ja, in welcher Art und Weise?
  • Ist die Art der Weiterbildung auch die, die du brauchst und die zu dir passt? Je konkreter du im Vorfeld dein persönliches Ziel definieren – und auch mit dem Angebot abgleichen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass das persönliche, individuelleZiel auch erreicht wird. Das hört sich einfach und selbstverständlich an, leider wird es bei der Buchung aber oft vergessen.

Weitere hilfreiche Fragen können in diesem Zusammenhang sein:

  • Benötigst du eine Wissensvermittlung oder einen Umsetzungsworkshop?
  • Welche Themen sind dir wichtig?
  • Was möchtest du ganz konkret verändert, verbessern, optimieren?
  • Oder möchtest du dich vielleicht nur inspirieren lassen?

Ein konkretes Ziel lautet nicht „Ich will erfolgreich(er) werden“. Diese Art der Formulierung ist in der Regel genauso erfolgversprechend wie der Neujahrsvorsatz „Ich will mehr Sport machen“. Die Fitness-Studios verzeichnen im Januar 30% (!) ihrer Jahresanmeldungen ab Anfang Februar verblassen die guten Vorsätze dann und spätestens Mitte Februar sieht man das Fitness-Studio nur noch beim Checken des Kontoauszugs als Abbuchungsposition. Ähnlich kann es dir bei einer Fortbildung gehen. Voller Motivation gehst du hin oder buchst einen Online-Kurs, nimmst auch viel Motivation und Input mit. Nach spätestens 4-6 Wochen kommt der Alltag, das unkonkrete Ziel wird aus den Augen verloren und die ursprünglich gewonnene Motivation verblasst immer mehr.

Eine Investition in Wissen bringt immer noch die besten Zinsen. Benjamin Franklin

Grund 2: Der Preis entscheidet darüber, ob du die Weiterbildung in Anspruch nimmst

Auf den Preis der Weiterentwicklung wird natürlich und verständlicherweise sofort geschaut. Gerade in turbulenten Zeiten, welche oft mit finanziellen Einschränkungen einher gehen. Ist es teuer? Ist es billig? Kann ich mir das leisten? Wer bietet was zu welchem Preis an? Oder entsteht bei dir sogar eine Art Neidgedanke, wenn du dich mit dem Preis beschäftigst? „Ich gönne es dem Anbieter nicht, so viel Geld zu verdienen“?

Wie du die Überlegungen zu deinen Gunsten optimieren kannst: Statt über den Preis – also die Summe, die du investierst – nachzudenken, ist es wesentlich sinnvoller und vor allem nachhaltiger, sich mit dem Return on Invest zu beschäftigen. Vor allem, wenn die Weiterentwicklung sich im beruflichen Umfeld auswirken soll.

  • Welchen Nutzen willst du aus dieser Maßnahme ziehen?
  • In welchem klar und präzise definierten Zeitraum?
  • Welche Handlungen planst ganz konkret in die Umsetzung zu bringen?
  • Benötigst du in der Umsetzungsphase Unterstützung und falls ja, in welcher Art und Weise?

Oder andersherum gedacht: Welchen Mehrwert/Ertrag/Gewinn würdest du verlieren, wenn du die Weiterentwicklung nicht durchführen würdest? Ein Qualitätsmerkmal ist es, dass im Rahmen der Weiterentwicklung der Return on Invest – wie auch immer dieser aussehen soll – auch besprochen wird. Selbstverständlich ist es Ziel einer Weiterentwicklung, einen positiven Return on Invest im Laufe der Zeit zu generieren. In dieser Selbstverständlichkeit liegt jedoch auch das Risiko, dieses einfach vorauszusetzen und nicht explizit zu hinterfragen. Wie auch immer dieser für dich persönlich aussehen kann, erarbeite ihn mit deinem Trainer oder Coach. Und wenn dieser dir einen Mehrwert verschafft, darf er auch für sich einen finanziellen Mehrwert durch die Zusammenarbeit erzielen – oder nicht?!?

Vertrag kommt von Vertragen

Grund 3: In einem Telefonat oder Erstgespräch wird die Zusammenarbeit mündlich fixiert

Du führst mit deinem Anbieter ein Telefonat oder Erstgespräch und entschließt dich dazu, dieses Angebot anzunehmen. Alle wesentlichen Punkte wurden besprochen und deine Ziele und Wünsche werden laut Aussage des Trainers oder Coaches komplett berücksichtigt. Es hört sich zunächst gut, qualitativ hochwertig und richtig an.

Was du berücksichtigen solltest: Bitte lass dir alle besprochenen Leistungen schriftlich geben. So kannst du für dich nochmals überprüfen, ob das Gesagte auch mit der schriftlichen Zusammenfassung übereinstimmt. Damit bist du und dein Coach auf der sicheren Seite. Du kannst in eine „sich vertragende“ Geschäftsbeziehung einsteigen statt Unfrieden im Laufe der Zeit entstehen zu lassen, weil das eine oder andere unter den Tisch gefallen ist. Oder vielleicht fehlerhaft interpretiert wurde?!? Prüfe bitte auch in dem Erstgespräch, ob die Werte und Motive, die der Trainer oder Coach in seine Arbeit hineinlegt, auch für dich gilt oder zumindest akzeptabel sind. Jede Person legt hier andere Maßstäbe – im Privaten wie im Beruflichen. Passen diese zu dir? Kannst du dich mit diesen identifizieren? Ich empfehle dir, dich mit der Person – gerade wenn es sich um eine längerfristige Zusammenarbeit handeln soll – näher zu beschäftigen. Prüfe, ob auch der Mensch, der hinter dem Experten steht, für dich eine angenehme Zusammenarbeit ermöglicht.

Das habe ich noch nie gemacht, dann muss es funktionieren. Pippi Langstrumpf

Grund +1: Ich mache die Weiterbildung oder ein Coaching und danach sind meine Probleme oder meine Herausforderung gelöst

Unabhängig davon, ob die Maßnahme gut oder schlecht, preiswert oder teuer ist, eins haben alle gemeinsam: Die Umsetzung liegt bei dir. Ob es eine Großveranstaltung ist, ein 1:1 Coaching, ein Buch oder hundert davon – sie sind alle nur so gut, wie die Umsetzung der Inhalte im Alltag. Bevor du eine Investition tätigst, mache dir bitte bewusst, dass die Umsetzung immer eine Veränderung bedeutet. Denn wenn du so weitermachen willst, wie du es bisher gemacht hast, brauchst du keine Fortbildung. Schon Albert Einstein wusste, dass es Wahnsinn ist, immer das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.

Die meisten Menschen neigen eher dazu, wenig Veränderungen zuzulassen. Veränderung bedeutet: Raus aus der Komfortzone, Dinge tun, die du noch nie gemacht hast und die sich oft im ersten Moment unbequem und anstrengend anfühlen. Das kann sich so anfühlen, als ob du als Rechtshänder nun mit links schreiben musst (Linkshänder bitte mit rechts). Es ist komisch, die Schrift ist schlechter und vor allem dauert das Schreiben eines Wortes unendlich viel länger als mit der gewohnten Hand. Jeder, der eine Weiterentwicklung machen möchte, sollte sich dessen bewusst sein. Du schreibst sinnbildlich in der ersten Zeit mit der „falschen“ Hand. Allerdings hast du nach der erfolgreichen Implementierung eine „starke Hand“ mehr. Du hast dein persönliches Ziel klar definiert und weißt, welche Art der Weiterentwicklung für dich geeignet ist. Dein persönlicher Return on Invest ist für dich gesichert und alle wesentlichen Bestandteile der Zusammenarbeit sind fixiert.

Wenn du dann zusätzlich ins Handeln und in die Umsetzung kommst, geht auch für dich die Gleichung 3+1=5 auf. Du erlebst den gewünschten Mehrwert schneller oder einfacher, als wenn du auf die Weiterbildung verzichtet oder diese Punkte nicht beachtet hättest. Ganz ohne Tauben oder Prinzen.

Nadine Krachten

Nadine Krachten

Nadine Krachten ist als eine der wenigen Frauen Expertin im Bereich Selbstvermarktung. Als Kunden-Joker unterstützt sie Menschen, die nicht nur eine Vision haben sondern diese auch zum Strahlen bringen wollen. Ihre Mentees werden so individuell von Ihr unterstützt, dass aus den Träumen eine individuelle und zum Business passenden Strategie wird, die reichlich Früchte trägt. In diesem Jahr feiert sie ihr 10-jähriges Jubiläum als Unternehmerin. Innerhalb der letzten 10 Jahre hat sie über 25.000 Menschen erfolgreich unterstützt, wurde mit dem Speaker Excellence Award ausgezeichnet, ist Mentorin bei Digital Hub und Dozentin sowohl an der Hochschule Niederrhein als auch an der Privaten Hochschule Göttingen.

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