Selbstmotivation: Unabhängig werden von der Motivation durch andere

Was gibt uns Sinn? Wodurch entsteht Leistung? Was treibt Menschen an? – Es gibt unzählige Vorschläge zur Steigerung von Motivation. Gleichzeitig wird immer mehr von Sinnkrisen, Burnout und Motivationsverlust gesprochen. Könnte es sein, dass ein Konstruktionsfehler in den klassischen Motivationsansätzen liegt? Und was ist die Alternative dazu? – Die Antwort ist denkbar einfach: Selbstmotivation. Prof. Dr. Roman Stöger zeigt in seinem Gastbeitrag, worauf es dabei ankommt.

Seit der Antike haben Philosophen, Psychologen und Ökonomen immer wieder die Frage gestellt, wodurch Menschen angetrieben werden und etwas leisten. Erklärungsversuche sind beispielsweise Geld, Pflicht, Trieb, Strafe, Lob, Wertschätzung … Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen und ist auch nicht falsch. Nur: Noch nie wurde so viel motiviert wie heute und noch nie leiden so viele Menschen unter Motivationsverlust. Fast macht es den Anschein, dass ein immer mehr an Motivationsanstrengung ein immer weniger an Motivationswirkung hervorruft. Könnte es daher nicht Sinn machen, das Ganze umzudrehen? Also nicht „Verabreichen Sie mir Motivation und ich werde aktiv“, sondern „Ich leiste etwas und werde dadurch motiviert sein.“ Genau das ist der Kern von Selbstmotivation. Die Skifahrerlegende Hermann Maier hat das einmal so formuliert: „Wenn ich darauf gewartet hätte, bis ich motiviert werde, hätte ich es nie zu etwas gebracht.“ Worauf kommt es an?

Erstens sind es selbst erzielte Resultate.

Nichts motiviert mehr als Ergebnisse – beispielsweise ein gewonnener Auftrag, ein gelungenes Fest, die Renovierung des Eigenheims, eine anspruchsvolle Bergwanderung oder ein erfolgreicher Projektabschluß. Es wird an einem Ziel gearbeitet; nicht, weil Geld, ein Dienstwagen oder das Lob eines Chefs im Vordergrund stehen, sondern weil das vorliegende Ergebnis selbst Motivation erzeugt. Das ist im Kern der Motivationsansatz eines Viktor Frankl: Sinn entsteht durch Resultate und diese Resultate sind Quelle von Motivation. Für Leistungsträger und generell alle, die etwas bewegen wollen, sind Resultate und jede Art von Erfolgserlebnis die Quelle von Sinn. Nicht primär „Freude an der Arbeit“ steht im Zentrum, sondern „Freude an Ergebnissen“.

Zweitens ist es eine positive Grundeinstellung,

die für motivatorische Unabhängigkeit sorgt. Sehr viele Menschen sind negativ gepolt, d.h. sie sehen als erstes das, was schlecht ist: Probleme, Stress, Arbeitsbelastung, Spannungen … Natürlich existieren diese Phänomene und es wäre naiv, das zu leugnen. Der entscheidende Punkt ist aber, wie damit umgegangen wird. Selbstmotivation bedeutet, sich bewusst an den positiven Themen im Leben auszurichten. Vor allem ist es der Grundsatz, in allem zuerst eine Chance zu sehen. Es gibt Menschen, denen ist eine positive Grundeinstellung in die Wiege gelegt, andere müssen sich zeitlebens dazu zwingen. In beiden Fällen ist das entscheidende die Lebensperspektive. Möchte ich ein Leben der Schwierigkeiten oder Probleme führen – oder ein Leben der Chancen und der Möglichkeiten?

Drittens ist eine wirksame Arbeitsmethodik Voraussetzung für Selbstmotivation.

Dies betrifft die Frage, wie ich mit meiner Zeit umgehe und wie ich meine Arbeitsabläufe steuere – und letztlich mich selbst. Wirksame Menschen zeichnen sich dadurch aus, dass sie den Themen voraus sind, ihre Kommunikationskanäle diszipliniert verwenden und ihre Termine im Griff haben. All das ist nicht spektakulär und doch sind dies Voraussetzungen für Wirksamkeit und damit für Selbstmotivation. Steuere ich mich selber oder werde ich fremd-gesteuert? Treibe ich die Themen vorwärts oder bin ich permanent getrieben? Viele Menschen überlassen ihre Arbeitsmethodik dem Zufall oder sind sich der Bedeutung nicht bewusst. Selbstmotivation beginnt mit der Führung der eigenen Person.

Viertens kommt es auf ein funktionierendes Privatleben an.

Das Motivationsthema wird oft in der Arbeitswelt gesehen. Die Leistungsfähigkeit hängt aber genauso von einem stabilen und inspirierenden privaten Umfeld ab. Beruflich noch so schwierige Situationen können ausgehalten werden, wenn aus dem Privatleben viel innere Kraft geschöpft werden kann; das Umgekehrte gilt natürlich ebenso. Gerade in einer Zeit der zunehmenden Vereinsamung und Digitalisierung der Beziehungen werden Partnerschaft, Familie, echte Freunde und wertschätzende Bekanntschaften immer wichtiger. Gemeint sind also nicht Society-Veranstaltungen oder Likes in den Social-Media. All das ist Zeitverschwendung, trägt nicht auf Dauer und hat mit einem funktionierenden Privatleben nichts zu tun.

Fünftens sind es ein anspruchsvolles Hobby und Fitness.

Auch wenn diese Faktoren etwas banal klingen mögen, so haben sie auf lange Sicht einen enormen Einfluss auf Lebensqualität und die Fähigkeit zur Selbstmotivation. Ein besonderes Armutszeichen besteht darin, wenn das Leben nur mehr aus dem Beruf besteht. Das mag herausfordern und vielleicht auch finanziell sehr auskömmlich sein; früher oder später bleibt aber ein massives Sinn-Defizit. Die Lösung ist ein anspruchsvolles Hobby oder Interesse: Sport, Kultur, Verein, Ehrenamt und Ähnliches. Wichtig ist, dass diese Beschäftigung herausfordernd und erfüllend ist. Eng damit verknüpft ist die Fitness – vor allem dann, wenn das Lebensalter jenseits der Dreissig liegt. Regelmässige Bewegung, gesunde Ernährung, Ruhephasen und Entspannung sind nicht nur Voraussetzung langfristiger Leistungsfähigkeit, sondern auch Quelle von Lebenssin und Selbstmotivation.

Die Einflussfaktoren auf die Selbstmotivation zeigen auf, dass es nur auf eines ankommt: auf mich selber.

Gibt es so etwas wie Sinn in meinem Leben? Bin ich aktiv und fähig, auch Freude am Geleisteten zu verspüren? Diese Fragen haben nichts mit Bildungsgrad, Geld oder Hierarchie zu tun, sondern mit einer Lebenseinstellung. Der häufig verwendete Begriff der Work-Life-Balance ist vor diesem Hintergrund falsch, weil er einen Gegensatz zwischen Arbeit und Leben konstruiert. Der richtige Überbegriff lautet „Lebenssinn“ und beinhaltet alle Dimension von „Life“: Privates und Berufliches, Individuelles und Soziales, Körper und Geist, Gegenwart und Zukunft.

Selbstmotivation erfordert keine tiefenpsychologische Herangehensweise oder esoterischen Erfahrungszirkel. Die fünf dargestellten Faktoren sind die entscheidenden Themen, auf die es ankommt. Wichtig ist es, immer wieder eine Standortbestimmung zu machen und mit Austauschpartnern darüber zu sprechen. Dann wird es gelingen, unabhängig von der Motivation durch andere zu sein und Quelle des eigenen Lebenssinns zu werden.

Roman Stöger hat in den letzten Jahren zahlreiche Bücher und Artikel zu den Themen Digitalisierung, Strategie, Innovation, Prozesse, Organisation, Führung und Projektmanagement verfasst. Die Publikationen sind in mehreren Auflagen erschienen und wurden mehrfach ausgezeichnet.

Prozessmanagement, Toolbox Digitalisierung, Strategieentwicklung für die Praxis, Die wirksamsten Management-Werkzeuge, Die Toolbox für Manager, Projektmanagement

Roman Stöger

Roman Stöger

Prof. Dr. Roman Stöger ist Professor für strategische Unternehmensführung an der FH University of Applied Science Kufstein. Zu seinen Beratungs- und Aufsichtsmandaten gehören Unternehmen aus Industrie, Banken, Handel und NPO aller Unternehmensgrößen. Mehrere Hidden Champions zählen zu seinen Referenz-Kunden. Seit 2005 ist er in Aufsichtsmandaten in mehreren internationalen Unternehmen aktiv.

Sein wichtigstes Anliegen fasst er mit dem Begriff „Resultate“ zusammen: „Wir leben in einer Welt, der es nicht an Ideen mangelt, sondern an der Umsetzung. Die grösste Herausforderung besteht darin, Menschen und Organisationen wirksam zu machen.“
 

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