Coaching

Coaching – Erfolgsformel oder Buzzword?

Coaching: Der Begriff taucht immer wieder auf und doch wissen viele nicht so genau, was das eigentlich ist. Worauf es beim Coaching ankommt, wie man einen guten Coach findet und was Coaching kann, darüber haben wir mit Tina Deutsch von „Haufe Coaching“ gesprochen.

KarriereBoost: Coaching ist ja ein häufig verwendetes Schlagwort – doch was umfasst dieser Begriff eigentlich genau? Welche Arten von Coaching gibt es?

Tina Deutsch: Der Begriff Coaching wird vielfältig verwendet. Prinzipiell reicht die Palette von Life Coaching über Ernährungscoaching bis hin zum Business Coaching, welches im beruflichen Kontext angesiedelt ist und mit dem wir uns bei Haufe Advisory beschäftigen.

Business Coaching genauer definiert ist eine zeitlich begrenzte, auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmte, professionelle Begleitung eines persönlichen Veränderungsprozesses. Dabei gibt es immer ein klares Ziel, es ist im beruflichen Kontext angesiedelt und dient der Weiterentwicklung von Lern- und Leistungsprozessen. Coaching ist immer lösungs- und zukunftsorientiert und auf die vorhandenen Ressourcen ausgerichtet. Es fördert ganz grundsätzlich die Selbstreflexion und -wahrnehmung. Im Wesentlichen kann man Coaching also als Hilfe zur Selbsthilfe bezeichnen.

Typische Anlässe für die Inanspruchnahme eines Business Coachings sind beispielsweise ein beruflicher Rollenwechsel, unterschiedlichste Führungsherausforderungen, schwierige Veränderungssituationen, der Wunsch nach persönlicher Weiterentwicklung, Karrierefragen, intensive Stresssituationen und vieles mehr.

KarriereBoost: Der Markt an Angeboten im Bereich Coaching ist relativ unübersichtlich. Wie finde ich den richtigen bzw. einen seriösen Coach?

Tina Deutsch: Obwohl sich der Coaching-Markt in den letzten Jahrzehnten rasant entwickelt hat und nach wie vor stark in Bewegung ist, hat die Coaching-Branche zugleich auch mit negativen Begleiterscheinungen zu kämpfen: Denn der Coaching-Markt ist unübersichtlich und die Angebote sind oft nicht ganz klar. Dieser Umstand ist nicht zuletzt der Tatsache geschuldet, dass die Berufsbezeichnung „Coach“ nicht geschützt ist und dadurch viele verschiedene AnbieterInnen am Markt agieren, die ein unterschiedliches Level an Professionalität an den Tag legen.

Einige größere Unternehmen mit einem erhöhten Bedarf haben längst auf diese Entwicklung reagiert: Sie gehen zunehmend dazu über, sich eigene Coach-Pools aufzubauen und nur jene Coaches darin aufzunehmen, die vorab festgelegten Qualitätskriterien entsprechen. Zum Zwecke der Qualitätssicherung macht ein eigener Coach-Pool also durchaus Sinn.

Der Coaching-Markt ist unübersichtlich und die Angebote sind oft nicht ganz klar.

Dabei ist allerdings der entstehende Arbeitsaufwand nicht zu unterschätzen. Denn ein qualitativ hochwertiger Coach-Pool bedarf regelmäßiger Aktualisierung, genauer Recherche und vieler weiterer arbeitsaufwendiger Prozesse. Eine Möglichkeit ist daher den Coaching-Prozess auszulagern und in professionelle Hände zu legen. Dies nimmt der Personalabteilung viele Tätigkeiten ab. Beispielsweise die Identifikation der richtigen Coaches, je nach Bedarf der Organisation in Bezug auf Standorte, Sprachen, Expertisen, etc., sowie eine umfangreiche Qualitätsüberprüfung der Coaches und die Erhebung einzelner Coach-Typen als Basis für einen optimalen Match zwischen MitarbeiterIn und Coach.

Nicht zuletzt zählt auch das Management der „Coach Relations“ zu einer wichtigen Aufgabe, welche die Ressourcen der HR-Abteilung beansprucht. Darunter fällt unter anderem die Kommunikation mit Coaches, die Beantwortung etwaiger Rückfragen der MitarbeiterInnen und vieles mehr.

KarriereBoost: Für welche Situationen oder Fragestellungen ist Coaching geeignet – und wann sollte man sich an anderer Stelle Unterstützung holen?

Tina Deutsch: Grundsätzlich ist es niemals ein Fehler, sich für ein Coaching zu interessieren.

Coaching unterscheidet sich von anderen Weiterentwicklungsformen wie Beratung und Training. In der Fachberatung gibt der/die BeraterIn Inputs; ein Training dient der Wissensvermittlung und dem Aufbau von Fähigkeiten und Fertigkeiten. EinCoach erklärt im Gegensatz dazu grundsätzlich nichts – sondern steuert einen Prozess, um die bei beim Coachee vorhandenen Ressourcen zu stärken bzw. hervorzuholen. Es geht darum, die eigenen Handlungsräume zu erweitern, neue Wege zu erkennen und in schwierigen Situationen richtig zu navigieren.

KarriereBoost: Was kann ich tun wenn ich merke, dass der Coach oder das Coaching doch nicht zu mir passen?

Tina Deutsch: Grundsätzlich ist die Chemie zwischen Coach und Coachee das Wichtigste, damit das Coaching erfolgreich ist. Sollte man als Coachee das Gefühl haben, der Coach bringt mich nicht weiter, ist ein Wechsel normalerweise das Beste. Das gilt übrigens auch für den Coach: Hat er das Gefühl, dem Coachee nicht helfen zu können, liegt es an ihm, den Prozess abzubrechen – denn nur, wenn beide Seiten fest von der Sinnhaftigkeit der Verbindung überzeugt sind, hat der Prozess eine echte Erfolgschance.

Grundsätzlich ist die Chemie zwischen Coach und Coachee das Wichtigste, damit das Coaching erfolgreich ist.

KarriereBoost: Wie kann ich mich auf mein erstes Coaching-Gespräch vorbereiten?

Tina Deutsch: In jedem Fall hat es ja ein konkreten Anlassfall für die Anfrage gegeben. Das bedeutet irgendwo drückt aktuell der Schuh. Beim Coaching geht es um genau diesen Anlassfall, dieses ganz individuelle Thema. Egal ob man vor einer schwierigen beruflichen Veränderung steht oder einfach nur einen Sparringpartner zum Austausch sucht, der Coachee bestimmt das Thema, an dem er arbeiten möchten.

Grundsätzlich gibt es für das erste Gespräch nichts vorzubereiten. Im Laufe des Prozesses legen Beide gemeinsam fest, woran der Coachee zwischen den einzelnen Treffen arbeitet. Die Zeitabstände zwischen den Treffen sowie deren Länge macht man übrigens ebenso individuell aus – denn das meiste an Erkenntnissen gewinnt man in der Regel in der Zeit zwischen zwei Treffen und so individuell wie diese Erkenntnisse ist auch der Zeitplan für den Prozess.

Vielen Dank für das Gespräch!

Seit über 40 Jahren ist die Haufe Akademie der führende Anbieter für Qualifizierung und Entwicklung von Menschen und Unternehmen im deutschsprachigen Raum. Seit 2018 ergänzt Haufe Coaching, betrieben durch die Haufe Advisory GmbH, das Portfolio der Haufe Akademie.

Tina Deutsch

Tina Deutsch

Tina Deutsch ist Co-Founderin & Managing Parnterin bei Haufe Coaching. Zuvor leitete sie bei Deloitte Consulting umfangreiche Transformationsprojekte und war infolge für den Bereich Executive Search & Leadership Assessments verantwortlich. Vor ihrer Beratungskarriere war sie als Department Head Change & Internal Communications bei BAWAG P.S.K. / Cerberus Capital Management tätig. Sie ist selbst zertifizierter Coach und studierte Applied Economics & Finance an der Copenhagen Business School sowie in Wien, Prag und Paris.

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