Karriere Boost Eine Initiative von Haufe.
Perfektionismus im Job: Nützlich oder Karrierekiller?
Karriere Boost Eine Initiative von Haufe.
  • Dark Light
Perfektionismus im Büro
Serie: Perfektionismus

Perfektionismus im Job: Nützlich oder Karrierekiller?

 Mirjam Maier
Mirjam Maier
Content Producerin

Perfektionismus kennen wir alle phasenweise. Was aber, wenn er deinen Arbeitsalltag bestimmt? Lies hier, ob Perfektionismus dir wirklich die Karriereleiter hinaufhilft.

Was ist Perfektionismus eigentlich?

Der Duden definiert Perfektionismus als übertriebenes Streben nach Perfektion. Perfektionismus ist ein Persönlichkeitsmerkmal, bei dem sich Menschen selbst hohe Leistungsstandards setzen, die oft schwer bis gar nicht zu erreichen sind. Perfektionismus an sich ist keine Krankheit im Sinne einer psychischen Störung. Perfektionistische Menschen erzielen teils große Erfolge, z. B. im Leistungssport. Hier fungiert Perfektionismus als Ansporn. Besteht aber ein krankhafter Hang zum Perfektionismus, ist der Weg für psychische Krankheiten geebnet. Du siehst, Perfektionismus ist ein schmaler Grat. Ob es sich positiv oder negativ auf unsere Karriere und Gesundheit auswirkt, kommt ganz auf seine Art an.

Funktionaler und dysfunktionaler Perfektionismus

Fachleute unterscheiden zwischen funktionalem und dysfunktionalem Perfektionismus:

Funktionaler Perfektionismus: Menschen, die sich an hohen Leistungsstandards orientieren, ihr Bestes geben, aber akzeptieren können, wenn sie die gewünschte Leistung nicht erreichen, wird ein funktionaler Perfektionismus zugeschrieben. Sie hängen nicht ihren negativen Emotionen hinterher, wenn sie das angestrebte Leistungsziel nicht erreichen, sondern können dies akzeptieren. Bringen sie die erhoffte hohe Leistung, erfüllt sie das mit Stolz.

Dysfunktionaler Perfektionismus: Menschen mit dysfunktionalem Perfektionismus beschäftigen sich meist mit den Schwierigkeiten bei der Leistungserbringung, also ihrem Scheitern, wenn sie das sich hochgesteckte Ziel nicht erreicht haben. Sie befinden sich in einem Zustand, der von Besorgnis geprägt ist, ob sie die Leistung, die sie erbringen möchten, auch erbringen können. An diese Leistung ist ihr Selbstwert geknüpft, und das mit dem Glaubenssatz, nicht gut genug zu sein. Das ist auch der Grund warum dysfunktionale Perfektionisten versuchen, durch hohe Leistungen Anerkennung von außen zu bekommen. Ihr Selbstwert ist somit abhängig von dem Urteil anderer Personen.

Welche Ursachen hat Perfektionismus?

Perfektionismus kann z. T. genetisch bedingt, also angeboren sein. Weitere bzw. andere Gründe sind Einflüsse aus der Umwelt, vor allem die Erziehung. Erhält ein Kind beispielsweise nur Liebe und Aufmerksamkeit, wenn es gute Leistungen bringt, oder haben Eltern hohe Erwartungen an ihr Kind, die es nicht erfüllen kann, ist der Grundstein gelegt: Perfektionistisches Verhalten wird dadurch evoziert. Auch die primäre soziale Beziehungsgruppe (Peergroup) kann vor allem im Jugendalter Auswirkungen darauf haben, wie perfektionistisch Menschen sind.

Welche Gefahren birgt Perfektionismus?

Dysfunktionaler Perfektionismus kann auf Dauer krank machen und ist behandlungswürdig. In schweren Fällen bietet sich eine Verhaltenstherapie an. Doch wozu kann perfektionistisches Verhalten führen? Hier ein paar Beispiele:

Prokrastination

Wir alle kennen das – manche Aufgaben schieben wir gerne mal vor uns her. Man denke da nur an die Steuererklärung. Für dysfunktionale Perfektionisten kann dies aber zum Dauerzustand werden. Aus Angst, die Tätigkeit nicht perfekt und zufriedenstellend auszuführen, schieben sie sie immer weiter auf. Glücklich sind dysfunktionale Perfektionisten damit nicht. Rückt die Deadline näher, wird der Stress immer größer, auch Ängste können sich manifestieren. Im schlimmsten Fall resultiert aus diesem Verhalten eine Depression.

Zwangserkrankung

Perfektionismus kann Zwangserkrankungen auslösen. Bei Zwangsstörungen wie beim Perfektionismus geht es darum, etwas Unangenehmes zu vermeiden. Unangenehmes kann im Alltag in unterschiedlicher Gestalt auftreten:

  • Ereignisse, die sich der eigenen Kontrolle entziehen (eng damit verbunden: Ungewissheit),
  • Kritik und
  • tatsächliche oder vermeintliche katastrophale Ereignisse.

Zu Ende gedacht, geht es bei diesen Szenarien um die Vermeidung von Angst.

Steht Perfektionismus im Zusammenhang mit zwanghaftem Verhalten finden sich häufig folgende Muster wieder:

  • übermäßige Zweifel und Vorsicht,
  • ständige Beschäftigung mit Details, Ordnung, Listen, Organisation etc.,
  • Perfektionismus, der die Fertigstellung von Aufgaben verhindert,
  • Überzogene Gewissenhaftigkeit sowie
  • Unverhältnismäßig hohe Leistungsbezogenheit unter Vernachlässigung von Vergnügen und zwischenmenschlichen Beziehungen.

Treffen mindestens vier dieser Verhaltensweisen oder Eigenschaften zu, sprechen Mediziner von einer Persönlichkeitsstörung (klassifiziert nach ICD 10 – der internationalen Klassifikation der Krankheiten).

Arbeitssucht

Perfektionismus kann zu Arbeitssucht führen. Arbeitssüchtige Menschen werden heute meist als Workaholics bezeichnet. Studien haben gezeigt, dass ca. 8 bis 10 Prozent der Deutschen arbeitssüchtig sind. Die Arbeit wird zur Droge, wenn das Arbeitsleben immer mehr Raum einnimmt, soziale Beziehungen vernachlässigt werden und jegliche Art von Freizeit beinahe zur Qual wird. Hier ist therapeutische Hilfe nötig.

Burnout

Dass sich irgendwann ein Erschöpfungszustand, der bis zum Burnout reichen kann, einstellt, wenn ein Perfektionist unter dem ständigen Druck steht, viel zu hochgesteckte Ziele zu erreichen, ist nicht verwunderlich. Was genau ein Burnout kennzeichnet und was dagegen hilft, findet ihr in unserem Beitrag „Burnout im Job: Ursachen und Prävention“.

Depression

Burnout und Depression liegen nah beieinander, was die Symptome anbelangt. Deswegen braucht es auch die richtige medizinische Diagnose, damit die entsprechende Behandlung eingeleitet werden kann.

Solange Perfektionisten alles unter Kontrolle haben, ist die Welt in Ordnung. Entgleitet ihnen aber ihr Leben, weil sie den zu hohen Anforderungen nicht mehr gerecht werden, kann dies zu einer Depression führen. Ein Kernsymptom einer Depression ist das Gefühl, sich ständig überfordert zu fühlen, auch von Dingen, die normalerweise einfach zu bewältigen sind. In der Ausprägung kann eine Depression variieren und von leicht bis schwer mit wahnhaften Zügen reichen.

Perfektionismus als Karrierebremse

Dysfunktionaler Perfektionismus hat teils schwerwiegende (gesundheitliche) Folgen. Das gilt auch für deine Karriere. Bist du perfektionistisch, wirst du wahrscheinlich nicht so schnell befördert wie andere Kollegen, die nicht 110 Prozent geben, oder im schlimmsten Fall: nie. Warum das so ist? Es hat vor allem folgende zwei Gründe, warum dysfunktionaler Perfektionismus deine Karriere ausbremst:

  • Die Angst, nicht gut genug zu sein bis hin zum Impostor-Syndrom, treibt dysfunktionale Perfektionisten zu Höchstleistungen an. Anders gesagt: Sie sind die perfekten Arbeitstiere. Warum sollte man sie befördern, wenn man dann gleich zwei neue Mitarbeiter braucht, die die Arbeit dann erledigen?
  • Perfektionisten sind oft nicht die Beliebtesten unter der Belegschaft. Sie kritisieren, sind ungeduldig und wissen alles besser. Gleichzeitig verstehen sie nicht, warum andere sich von ihnen distanzieren. Werden dann auch noch Kolleginnen befördert, die weniger leisten, bricht für sie die Welt zusammen.

Fazit: Diejenigen, die in der Lage sind, gute Leistung zu bringen und tragfähige Beziehungen aufzubauen, werden die Karriereleiter hinaufsteigen. Perfektionisten haben es vor allem schwer, Beziehungen aufrechtzuerhalten und ecken mit ihrer Art an. Sie sind am Ende trotz ihrer Mühen die Verlierer: gesundheitlich und karrieretechnisch.

Dieser Artikel ist Teil unserer Serie Perfektionismus :

  1. Dieser Artikel: Perfektionismus im Job: Nützlich oder Karrierekiller?
  2. Bist du ein Perfektionist? Mach den Selbsttest
  3. Perfektionismus überwinden: Die besten Erfolgsstrategien