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Karrierekiller der neuen Arbeitswelt: Bist du gefährdet?
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Karrierekiller der neuen Arbeitswelt: Bist du gefährdet?

 Stefanie Puckett
Stefanie Puckett
Psychologin, Unternehmensberaterin, Coach

Wenn hochkompetente und vielversprechende Talente in Unternehmen plötzlich auf dem Karriereabstellgleis landen, sind nicht selten sogenannte Entgleisungsfaktoren schuld – Karrierekiller. Welche Karrierekiller bergen in der modernen Arbeitswelt die größten Risiken?

Das Konzept der Karrierekiller ist vor allem aus der Managementforschung bekannt, hier unter dem Begriff: Derailment – Entgleisung. Bereits in den 1980er Jahren beobachteten Forschende ein Phänomen, das sie sich nicht erklären konnten. Führungskräfte, die eigentlich eine sehr gute Eignung für die Führungslaufbahn aufwiesen, scheiterten plötzlich. Sie gerieten in eine Karrieresackgasse, wurden herabgestuft oder ihnen wurde die Führungsverantwortung entzogen.

Welche Merkmale erklären den Misserfolg eigentlich guter Führungskräfte?

Mittlerweile wissen wir, dass es sich um bestimmte Merkmale handelt, die in der Regel in der Persönlichkeit verankert sind. Wie riskant ein Merkmal ist, hängt allerdings auch vom Kontext ab. Und genau dieser Kontext verändert sich gerade. Mit „New Work“ und der Forderung nach Agilität und entsprechend veränderten Formen der Zusammenarbeit, ergeben sich neue Anforderungen an Führungskräfte und Mitarbeitende.

Welche Merkmale sind im Kontext der modernen Arbeitswelt besonders riskant?

Einige Merkmale und Verhaltensweisen, die früher die Karriere gefährdeten, sind heute gar nicht mehr relevant. Gleichzeitig werden Merkmale, die bisher vielleicht sogar karriereförderlich waren, jetzt zu einem Risiko.

Die Persönlichkeitseigenschaft Dominanz ist ein gutes Beispiel. In Studien hat sich Dominanz immer wieder als wichtige Führungseigenschaft erwiesen. Die Bereitschaft, Initiative zu ergreifen, die Richtung vorzugeben und sich – wo nötig – durchzusetzen, war für die meisten Führungskräfte unverzichtbar. Heute erfordern komplexe Themenbereiche und notwendige Schnelligkeit allerdings Teams, die sich weitgehend selbst führen können. Eine zu starke Dominanz macht es Führungskräften schwer, Entscheidungsbefugnisse abzugeben und sich auch mal von Einsichten und dem Wissen anderer führen zu lassen. Führungskräfte mit einem sehr stark ausgeprägten Führungsimpuls haben hier oft Schwierigkeiten. Ein Karriererisiko.

Perfektionismus ist ein anderes Beispiel. Studien zeigen, dass Führungskräfte im Durchschnitt besonders perfektionistisch sind und dies auch zu ihrem Karriereerfolg beitrug. Sie setzen Qualitätsstandards höher und geben sich nicht mit halbfertigen oder halbherzigen Lösungen zufrieden. Im heutigen Marktumfeld ist Schnelligkeit allerdings wichtiger als Perfektion. Und agile Arbeitsprinzipien wie das schrittweise Vorgehen und das schnelle Liefern von Lösungen zwingt dazu, Perfektionsansprüche aufzugeben. Verbesserung passiert schrittweise und die perfekte Lösung formt sich oft erst nach und nach heraus. Ein starker Perfektionismus wirkt hier wie eine Bremse, die sich negativ auf die Leistung auswirkt – ein Karriererisiko.

Bist du gefährdet?

Auch Merkmale wie Strukturiertheit, Regeltreue oder ein zu hoher Anspruch an sich selbst können in der „neuen Arbeitswelt“ zu einem Karrierekiller werden. Oft ist uns das Risiko gar nicht bewusst, insbesondere dann, wenn wir damit bisher gut gefahren sind. Wichtig ist daher, mit neuen Augen auf die neuen Umstände zu blicken und neue Chancen zu erkennen.

Auch Karrierekiller sind Merkmale, an denen man arbeiten kann, zu denen sich Alternativen finden lassen. Merkmale, die nicht zur Schwäche werden müssen, wenn wir uns bewusst damit auseinandersetzen.

Auf welche Merkmale du achten musst und wie sich die Risiken entschärfen oder sogar zu Chancen wandeln lassen, liest du in meinem Buch „Moderne Führung und Selbstorganisation“.