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Befristeter Vertrag? So nutzt du ihn als Karrieresprungbrett!
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Befristeter Vertrag? So nutzt du ihn als Karrieresprungbrett!

 Anja Merklin-Wendle
Anja Merklin-Wendle
Content Managerin

Dir winkt „nur“ ein befristeter Arbeitsvertrag? Sei nicht enttäuscht, sondern freu dich drauf! Warum gerade ein befristeter erster Job eine Riesenchance für deine Karriere sein kann, verrät dir unser HR-Experte Gabriel Lehmann von der Haufe Group.

Für viele Arbeitnehmer:innen ist ein befristetes Jobangebot erstmal unattraktiv. Aber auch eine Befristung kann ein super Karrieresprungbrett sein. Denn auch bei einem Job „mit Ablaufdatum“ können sich viele spannende Möglichkeiten für dich ergeben.

Nach unserem ersten Teil rund um die Bewerbung und Teil 2 zum optimalen Lebenslauf dreht sich nun der dritte Teil unserer HR-Expert-Gespräche um befristete Arbeitsverträge. HR-Experte Gabriel Lehmann ist Teamleiter für die Talent Acquisition bei der Haufe Group und kennt so ziemlich alle Chancen und Möglichkeiten rund um befristete Jobs. Seine Insider-Tipps können dir helfen, einen befristeten Job in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis umzuwandeln.

Warum gibt es inzwischen viel mehr befristete statt unbefristete Verträge?

Gabriel: Das ist je nach Branche sehr unterschiedlich. Befristete Verträge finden sich vor allem bei Jobs mit spezifischer Projektarbeit mit definiertem Ende (z. B. bei einer SAP-Einführung) oder bei Unternehmen, die sich auf sehr volatilen Märkten tummeln. In der VUCA-Welt gibt es meist kürzere Entwicklungs- und Nutzungsintervalle bei deren Produkten oder Serviceangeboten. Aufgrund der schlechteren Planbarkeit suchen diese Unternehmen ihr Personal daher häufig erstmal befristet bzw. für kürzere Zeiträume.

Im Gegensatz dazu sind z. B. mittelständische Familienunternehmen normalerweise eher langfristig aufgestellt und schreiben häufiger unbefristete Jobs aus. In der IT-Branche, in der sich die Haufe Group bewegt, sind qualifizierte Fach- und Nachwuchskräfte sehr gefragt. Daher bietet auch die Haufe Group in der Regel unbefristete Arbeitsverträge an. Denn wer die Wahl hat, wählt eher einen unbefristeten Vertrag.

Der Vorteil für die Unternehmen ist klar: Befristete Verträge sind sehr flexibel. Das Unternehmen muss noch kein „langes Bündnis“ eingehen und profitiert sehr vom frischen Wind und den fehlenden Scheuklappen, den die jungen Talente mitbringen.

Was kann ich selbst aktiv tun, damit ein befristeter Vertrag in einen unbefristeten umgewandelt wird?

Gabriel: Zunächst geht es natürlich darum, einen guten Job zu machen. Ich rate dazu, die Zeit einer Befristung maximal zu nutzen: Es gilt, die wichtigsten Personen, Tools und Prozesse kennenzulernen und sich aktiv in die Abläufe und Aufgaben im Team und im Unternehmen einzubringen. Auch mit einem befristeten Jobangebot kann man sich als vollwertiges Teammitglied zeigen und sich nachhaltig einbringen. Wichtig ist, sich selbst nicht abzustempeln („ich bin ja nur die Aushilfe“). Denn so, wie man sich selbst präsentiert und einbringt, so wird man auch von anderen wahrgenommen.

Ich kann allen Young Talents mit befristetem Job daher nur raten, alle vorhandenen Trainingsangebote wahrzunehmen und die Zeit im Unternehmen auch zum Netzwerken zu nutzen: z. B. sich mit anderen Personen in der Mittagspause zu verabreden und in abteilungsübergreifenden Projekten und Aufgaben mitzuwirken. Hier ergibt sich meist von allein die Möglichkeit, weitere Kollegen und Aufgabenfelder kennenzulernen und selbst innerhalb der Firma sichtbar zu werden. Dadurch bringt man sich bei offenen Jobs selbst ins Gespräch.

Ein weiterer Tipp ist, auch bei wichtigen Projekten mitzuarbeiten, die über das Ablaufdatum der Befristung hinausgehen. Von dieser Befristung sollte man sich keinesfalls abschrecken lassen. Wer als unterstützend und „unentbehrlich“ wahrgenommen wird, erhält vielleicht eine Verlängerung und Entfristung.

Wie kann ich für mich die Zeit der Befristung maximal ausnutzen?

Gabriel: Als Young Professional geht es ja auch darum, zu lernen und die eigenen Fähigkeiten weiter auszubauen. Daher ist es hilfreich, sich regelmäßig ein 360-Grad-Feedback von Kolleginnen und Vorgesetzten einzuholen. Wer seine Kollegen um Rat fragt („Wie kann ich mich verbessern, was könnte ich sonst noch tun?“), erhält wertvolle Tipps und Anregungen, um sich auf seiner persönlichen Lernkurve weiterzubewegen.

Wie sollte ich die Befristung bei meiner Führungskraft ansprechen?

Gabriel: Natürlich ist es sinnvoll, die eigene Befristung und das Ablaufdatum des Vertrags mit der Führungskraft zu thematisieren. Achtung: Ein zu penetrantes Nachfragen nach einer möglichen Entfristung schreckt eher ab. Man kann aber durchaus bei der Führungskraft das Bewusstsein schaffen, dass man gerne im Unternehmen bleiben möchte, und sich austauschen was möglich ist und was nicht.

Auch wenn klar ist, dass es im bisherigen Team keine weitere Beschäftigungsmöglichkeit gibt, kann man die Führungskraft aktiv um ihre Unterstützung bitten. Sie kann dadurch mögliche Kontakte und durch Empfehlungen Chancen aus anderen Abteilungen vermitteln. Es ist zudem immer sinnvoll, nach einer Referenz und einem (Zwischen-)Zeugnis für die nächste Bewerbungsrunde zu fragen, in dem bisherige Erfahrungen, Projekte und Aufgaben genau dokumentiert werden.

Inwiefern kann auch eine Befristung als Karrieresprungbrett dienen?

Gabriel: Eine Befristung sollte man selbst immer als Chance betrachten. Auch bei mehreren Befristungen kann man danach auf vielfältige Erfahrungen zurückgreifen. Lernt man so unterschiedliche Aufgaben, Themenfelder und Branchen kennen, kann dies wichtiger sein als 10 Jahre Berufserfahrung im gleichen Unternehmen.

Häufigere Jobwechsel kann man gut in einem Motivationsschreiben erklären und anführen, dass man bewusst häufiger gewechselt hat, um vielfältige Erfahrungen zu machen und zu lernen.

Jede Befristung bietet Zeit zu Lernen und gibt die Chance sich zu „zeigen“. Dadurch ergibt sich wieder eine interessante Station im Lebenslauf. Eine Befristung ist immer auch die Möglichkeit, eine neue Branche, Firma und Firmenkultur kennenzulernen und neue, spannende Aufgaben zu bekommen.

Mein Tipp: Je größer die Firma, desto größer ist auch die Chance, dass in der Zwischenzeit ein passender (unbefristeter) Job frei wird und man übernommen wird. Bei gleicher Eignung mehrerer Bewerber wird man normalerweise bevorzugt eingestellt, da die Einarbeitung viel schneller und risikoloser läuft, da die Person ja schon bekannt ist. Eine Befristung bietet daher immer die Chance, um sich einzuarbeiten und sich zu bewähren und die Möglichkeit eine gute Referenz zu erhalten.

Über welche rechtlichen Punkte sollten Berufseinsteiger/Young Professionals bei Befristungen Bescheid wissen?

Gabriel: Bevor man einen befristeten Arbeitsvertrag unterschreibt, sollte man den maximal möglichen Zeithorizont dafür kennen. Bei Befristungen mit Sachgrund (z. B. bei Vertretungen oder bei einem projektorientierten Arbeitsvertrag) darf die Befristung insgesamt maximal 5 Jahre andauern.  Bei einer Befristung ohne Sachgrund darf sie maximal auf 2 Jahre ausgelegt werden und höchstens dreimal verlängert werden.

So weit das Interview mit HR-Experte Gabriel Lehmann, Teamleiter Talent Acquisition bei der Haufe Group. Vielen Dank für das Gespräch!

Abschileßend noch ein Tipp: Vielleicht wäre ja auch ein Job bei der Haufe Group etwas für dich? Wenn du dich konkret für Stellen bei uns interessierst, schau mal auf unserer Karriereseite vorbei.