Verständlich schreiben: 7 Tipps für den optimalen Satzbau

Zu lange, komplizierte Sätze oder die falsche Reihenfolge der Infos: Schäffer-Poeschel-Autor und Redenschreiber Nils Hesse gibt euch in seinem neuen Beitrag einige Tipps, wie ihr euren Satzbau so formuliert, dass eure Botschaft auch ankommt.

Regel 1: Besser 9 Wörter als 20 Wörter pro Satz

Diese Regel ist nur ein ganz grober Richtwert. Wichtiger als die Länge des Satzes ist die Länge der geschlossenen Aussage. Ist ein Satz schlank und transparent, dann darf er auch lang sein.

Regel 2: Variiere die Satzlänge, um einen Rhythmus zu erreichen

Wenn du mehrere kurze, manchmal auch unvollständige Sätze aneinanderreihst, erhöhst du das Tempo. Du erzeugst Spannung: Er sah auf den fallenden Kurs. Er schwitzte. Seine Hand zitterte. Ein Klick könnte die Bank retten; oder die nächste Finanzkrise auslösen. Mit diesem Stil solltest du es aber auch nicht übertreiben. Zu viele Stakkatosätze machen die Leser entweder zu atemlos oder sie stumpfen nach einiger Zeit ab. Nach mehreren kurzen Sätzen lockert ein etwas längerer Satz oder ein angehängter, kurzer Nebensatz den Text auf. Bring einen dynamischen, angenehmen Rhythmus in deinen Text. Variiere die Satzlänge. In kurze Sätze kommen die wichtigen Aussagen; abwägende, informierende Aussagen wirken auch in etwas längeren Sätzen. Doch geh mit den Nebensätzen sparsam um und halte sie kurz. Ein Nebensatz pro Satz ist beim Satzbau bereits die Obergrenze, die du nur ausnahmsweise überschreiten solltest.

Regel 3: Ein Gedanke – ein Satz

Auf Schachtelsätze solltest du ganz verzichten; sie gehören entwirrt, zerschlagen, notfalls gesprengt. Einen komplexen Vorgang musst du in mehrere Sätze aufteilen. Jeder Gedanke hat einen eigenen Satz verdient.

Regel 4: In drei Sekunden sollte der Leser die Information verstehen

Schiebe keine Informationen in den Hauptsatz ein oder nur, wenn du deinem Text alle Kraft rauben willst. Eingeschobene Nebensätze behindern den Erzählfluss. Vor allem wenn sie länger als 12 Silben oder 6 Wörter lang sind, sind sie tunlichst zu vermeiden. Denn 12 Silben liest ein Leser im Durchschnitt in 3 Sekunden. 3 Sekunden breit ist wiederum unser »Gegenwartsfenster«: das, was unser Kurzzeitgedächtnis ohne Mühe überbrücken kann.

Regel 5: Zusammenlassen, was zusammengehört

Um unser Kurzzeitgedächtnis nicht zu überfordern, sollte alles, was zusammengehört, auch zusammenbleiben. Zusammengehören: Subjekt und Prädikat; die beiden Hälften des Verbs; Artikel und Substantiv; ein Hauptsatz; ein Gedanke. Vermeide Einschübe, die länger als unser 12 Silben großes Gegenwartsfenster sind.

  • Statt: Unsere Strategie ist, obgleich das imVorstand nicht ganz einheitlich beschlossen wurde, kräftig zu investieren.
  • Besser: Wir werden kräftig investieren. Das hat der Vorstand mehrheitlich beschlossen.

Regel 6: Hauptsachen in Hauptsätze, Nebensachen in Nebensätze

Verzichten solltest du auch auf alle Nebensätze, die eine Hauptsache enthalten. Die Leser erwarten das Wichtige im Hauptsatz.

Regel 7: First things first

Zudem solltest du mit der Info, dem Wissenswerten, nicht lange warten: First things first. Das gilt für den Text als ganzen, aber auch für den einzelnen Satz. Beginne mit einem Erdbeben – und steigere dich dann langsam. Um zu überprüfen, ob dein Text den richtigen Rhythmus hat, solltest du ihn laut lesen. Dabei fallen in Sachen Satzbau auch Schachtelsätze und unlogische Zusammenhänge schneller auf als beim Lesen mit der inneren Stimme.

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Nils Hesse

Nils Hesse

Dr. Nils Hesse, Volkswirt, Betriebswirt und Politologe, arbeitet als wirtschaftspolitischer Referent, Dozent für verständliches Schreiben und Autor. Zuvor hat er unter anderem als Referent im Bundeskanzleramt und beim Bundesverband der Deutschen Industrie, als Economic Analyst bei der EU-Kommission und als Redenschreiber im Bundeswirtschaftsministerium gearbeitet.

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