8 triftige Gründe, warum wir unsere Konflikte lösen sollten

Konflikte sind Emotion pur. Die meisten Menschen haben nicht gelernt, mit negativen Emotionen umzugehen – ob bei sich oder bei anderen. Wen wundert es also, dass sie beleidigt schmollen oder zum sturen Esel werden, eine Mauer aufbauen und nicht bereit sind nachzugeben, wenn sie jemand auf dem falschen Fuß erwischt? Doch mit diesem Verhalten fügen sie sich selber enormen Schaden zu.

Es ist nämlich so: Nicht wir haben einen Konflikt, sondern der Konflikt hat uns – und macht mit uns was er will. Er rüttelt und schüttelt unsere Seelenruhe ordentlich durcheinander.

Sehen Sie selbst …

Acht triftige Gründe, warum wir unsere Konflikte lösen sollte

1. Spontaner Stimmungswandel

Ein Konflikt verhagelt uns schlagartig die (gute) Laune, er vermiest uns den Tag. Waren wir gerade noch gut drauf – offen, fröhlich und entspannt – so ist es, als wenn sich eine Wolke vor die Sonne schiebt. Es wird augenblicklich kühler und düsterer.

Tatsächlich verdunkelt sich auch unser Gesichtsausdruck. Die Gesichtsmuskeln frieren ein, der Kiefer verkrampft sich, die Mundwinkel hängen trübe nach unten. Wir werden dabei nicht schöner, sondern unansehnlicher.

Das Problem: Ein freundlicher, respektvoller und wertschätzender Umgangston ist in diesem Augenblick nicht möglich.

2. Unglaublich viel Aufregung

Heftige Emotionen kommen auf: Wut, Verzweiflung, Traurigkeit. Wir fühlen uns ungerecht behandelt, bloßgestellt, missverstanden, nicht gesehen und bedrängt. Weil wir der Überzeugung sind, dass wir das nicht verdient haben, regt uns das auf. Sind wir aufgewühlt, übernehmen unsere Emotionen das Steuer über unser Denken und Handeln. Wir sind nun nicht mehr objektiv und logisch, sondern werden persönlich und subjektiv.

Das Problem: Eine erfolgreiche Zusammenarbeit ist im Augenblick nicht möglich.

3. Explosion oder Implosion

Wir wollen nicht auf unserem Ärger sitzen bleiben, werden strafend und verurteilend. Je nach persönlichem Naturell und Situation explodieren oder implodieren wir.

Bei einer Explosion wendet sich die Energie nach außen. Wir gehen zum Gegenangriff über – mit Worten und Taten. Eine Schimpfkanonade bricht sich Bahn: mit wortgewandtem anhaltendem Schimpfen reagieren wir auf den „gefühlten“ Angriff. Wir beschießen dabei den Gegner mit Worten bis er kleinlaut wird, lesen ihm die Leviten, halten ihm eine Standpauke. Wir fluchen, klagen an, sind wütend und können dabei durchaus auch laut und verletzend werden.

Bei einer Implosion richtet sich die Energie nach innen. Wir gehen in den Rückzug und bauen einen Schutzwall um uns herum auf. Dabei wollen wir uns vor dem „bösen“ anderen schützen, verschließen uns und gehen emotional auf Abstand. Wir werden kühl und abweisend, strafen den anderen mit Liebesentzug oder zeigen ihm die kalte Schulter.

Das Problem: Das kollegiale Miteinander wird dadurch erheblich gestört. Weitere Konflikte entstehen daraus.

Konflikte bringen unsere dunkle Seite zum Vorschein

4. Drohender Imageverlust

Wir verlieren nicht nur an äußerer Schönheit und positiver Ausstrahlung, sondern auch an innerer Schönheit und Souveränität. Ein Konflikt bringt unsere dunklen Seiten zum Vorschein. So gesehen macht er uns zu einem „schlechteren“ Menschen. Wir verlieren unsere innere Ruhe und Gelassenheit und sind stattdessen außer uns. Statt tolerant und wohlwollend, zeigen wir uns dem anderen gegenüber stur, rechthaberisch und aggressiv. Das wird vom Umfeld wahrgenommen.

Das Problem: Unser Auftreten wirkt weder souverän noch professionell. Es wirkt so, als wären unsere Soft Skills wenig ausgeprägt. Die Einschätzung unserer Gesamtperformance und unser Image leiden darunter.

5. Enormer Kraft- und Energieeinsatz

Den ganzen Aufruhr gibt es nicht umsonst. Es ist ein emotionaler Kraftakt, der jede Menge unserer wertvollen Lebensenergie verbrät. Das erschöpft uns, zieht uns runter und raubt uns die Energie für anderes. Dann fehlt die Muße für die schönen Dinge und Kraftquellen in unserem Leben. Stattdessen dreht sich das Gedankenkarussell im Kopf und raubt uns die Ruhe. Der Kopf läuft auf Hochtouren auf der Suche nach einer Lösung.

Das Problem: Die Freude an der Arbeit wird getrübt oder geht verloren.

6. Strahlkraft

Auch unbeteiligte Dritte im direkten Umfeld leiden unter den negativen Schwingungen. Sie nehmen die Spannungen wahr, können sie oft nicht konkret zuordnen und machen sich dann ihr eigenes Bild. Meist ist es für sie kaum möglich unparteiisch zu bleiben. Hinzu kommt, dass wir gereizt reagieren und Unschuldige unseren Frust abbekommen.

Wir entlasten uns von dem enormen inneren Druck bei unseren Vertrauten. Indem wir unser Problem immer wieder ausführlich schildern, lassen wir Dampf ab, holen bei ihnen für unsere Sicht Verständnis, Bestätigung und Bestärkung ein. Gleichzeitig belasten wir unsere Zuhörer mit unserem Problem.

Das Problem: Über einen längeren Zeitraum kann das das Familienleben, die Freundschaft und das kollegiale Miteinander erheblich belasten.

Konflikte können dramatische Folgen haben

7. Unfreiwillige Einschränkung

Allein die Anwesenheit des Konfliktpartners schränkt uns ein. Deswegen meiden wir Situationen in denen wir ihnen begegnen könnten. Damit sind wir unfrei.

Das Problem: Wir machen unsere Zusage zu einer Einladung, Unternehmung oder einem Projekt davon abhängig, ob der andere auch dabei sein wird.

8. Erhebliche Langzeitfolgen

Auf längere Sicht kann ein Konflikt dramatische Folgen haben. Wir können krank werden, den Spaß an unserer Arbeit verlieren, unsere Karriere einschränken, unseren Lebenspartner, Kinder, Freunde oder Hobbies vernachlässigen und unsere Freude am Leben einbüßen.

Das Problem: Ein Konflikt hat das Potenzial, aus uns auf Dauer einen unglücklichen, unfreundlichen, erfolglosen, unzufriedenen, ungesunden und unentspannten Menschen und Kollegen zu machen.

Im Job ist Konfliktlösung Chefsache

Letztendlich muss ein Konflikt, den die Mitarbeiter nicht aus eigenen Kräften lösen können oder wollen von der zuständigen Führungskraft gelöst werden. Die Personalabteilung steht beratend zur Seite. Doch so mancher Konfliktsituation stehen auch Führungskräfte und Personaler ratlos gegenüber. Das hat damit zu tun, dass Konfliktmanagement Emotionsmanagement ist. Der Umgang mit aufgewühlten Emotionen bei allen Beteiligten hat eigene Regeln. Dafür ist kaum einer ausgebildet. Zur Not arrangiert man sich mit den offensichtlichen Reibungsverlusten, statt entschieden dagegen vorzugehen. Das muss nicht sein. Denn es gibt ihn: den erfolgserprobten, umsetzbaren Klärungs- und Lösungsweg.

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In Ihrem neuesten Buch „Kompass für schwierige Führungssituationen“ zeigt Ursula Wawrzinek, dass Konfliktmanagement vorrangig Emotionsmanagement ist und der Umgang damit eine andere Vorgehensweise erfordert, als die Lösung von Sachproblemen.

Ursula Wawrzinek

Ursula Wawrzinek

Ursula Wawrzinek schult seit über 20 Jahren Führungskräfte und berät Unternehmen bei Konflikten in der Arbeitswelt. Sie entwickelte wirksame Methoden zur Klärung eskalierter Konflikte. Darüber hinaus hält sie spannende Vorträge und erreicht auch über ihre Interviews und Fachbeiträge ein breites Publikum. Mehr Informationen unter www.konfliktberaterin.de

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