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Einfach gründen: 10 Tipps für dein Startup
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Einfach gründen: 10 Tipps für dein Startup

 Yalun Meng
Yalun Meng
Startup Relations

Was bedeutet es eigentlich, in Europa ein Startup zu gründen? Dieser Frage geht der Film „Chasing The Spirit“ nach. Die 10 wichtigsten Erkenntnisse fasst dieser Gastbeitrag zusammen.

Die Gründerszene in Deutschland ist in den letzten Jahren stetig gewachsen, doch Gründer-Europa hat nicht geschlafen und dementsprechend Deutschland in einigen Punkten abgehängt. Zehn Wochen lang hat sich das LEXROCKET-Team das Startup-Ökosystem seiner europäischen Nachbarn angsehen und mit den wichtigsten Akteuren aus Gründerlandschaft, Politik und Bildung gesprochen. Daraus ist „Chasing The Spirit“ entstanden, ein Film über die Startup-Szene in Europa.

Yalun Meng, der selbst im Film mitwirkt, hat die zehn wichtigsten Learnings zusammengefasst:

1. Gründe dort, wo du das perfekte Team findest

Jeder Gründer weiß, wie schwierig es ist, ein passendes Team aufzubauen. Vor allen Dingen, wenn es darum geht, „Techies“ einzustellen. In kaum einem anderen Bereich ist der „War for talents“ so spürbar wie bei der Suche nach Softwareentwicklern und IT-Profis. Doch wie überzeugt man einen IT-Spezialisten, sich dem eigenen Unternehmen anzuschließen, wenn andere interessierte Arbeitgeber schon Schlange stehen?

„Wir hätten überall gründen können. Wir wollten in einer Stadt gründen, wo die Lebensqualität besser ist, und wo wir den Mitarbeitern mehr bieten können als Gehalt. In Barcelona haben wir mit der Nähe zum Meer, dem guten Wetter und fantastischen Tapas einfach bessere Argumente, als wenn wir in Berlin wären“, sagt Benjamin Viguier, Gründer des Roller-Sharing Services YEGO.

2. Denke groß!

Neue Unternehmer, die überleben und das Wachstum ihrer Startups optimieren möchten, müssen vom ersten Tag an global denken und lokal handeln. Dieser Ansatz – im Volksmund „Glokalisierung“ – bedeutet, dass sie globale Lösungen entwerfen und bereitstellen müssen, die für jeden lokalen Markt, in dem Sie tätig sind, von vollständiger Relevanz sind. Mit einem Produkt, das überall dasselbe Problem löst, hat man schnell eine Skalierungsstufe erreicht, von dem jedes Unternehmen träumt.

„Das Gute daran, in Norwegen ein Startup zu gründen, ist, dass Norwegen so klein ist. Hier leben nur 6 Millionen Menschen, deshalb weiß jedes Startup, dass sie vom ersten Tag an international denken müssen, um zu überleben. Wir verkaufen unser Produkt im ersten Jahr schon in 80 Ländern und ich denke, es ist ein riesiger Vorteil, wenn man gezwungen ist, von Anfang an groß zu international zu denken“, weiß Emilie Aabakken, Gründerin von Wiral Cam.

3. Bringe selbst Licht ins Dunkel

Die Gründung kann ein langwieriger und nervenaufreibender Prozess sein. Viele Fördermittel aus verschiedenen Quellen und staatliche Hilfsmittel sind zugänglich, doch es mangelt an einer transparenten Kommunikation. Jeder ist auf sich selbst gestellt und daher ist viel Eigeninitiative gefragt.

Niemand wird dir die Arbeit abnehmen, die Anlaufstellen zu kontaktieren und mit anderen Gründern zu sprechen. Es gibt viele Möglichkeiten, doch wird Gründern nichts nichts geschenkt oder hinterhergeworfen.

„Ich glaube, vor allem in der Privatwirtschaft gibt es viele Ökosysteme und Initiativen, die aufblühen. Es ist nicht mehr nur noch Berlin, München oder Hamburg. Das einzige Problem ist die Intransparenz. Was kann ich eigentlich und was muss ich tun, um ein Unternehmen zu gründen? Wo kann ich mir Hilfe holen? All das muss transparenter abgebildet werden“, lobt und kritisiert Till Ohrmann, Gründer vom Pirate Summit und Initiator des Startup-Netzwerks NRW.

4. Suche dir ein Vorbild

Ob Zalando, Celonis oder Flaschenpost: Es gibt genügend erfolgreiche Startup-Unternehmen, die es geschafft haben, den Schritt zum Unicorn zu gehen. Oft genügt ein Blick in die Businesspläne und Pitch-Decks der genannten um Alleinstellungsmerkmale und Erfolgsfaktoren zu identifizieren. Nutze diese Insights und und lerne von deinen Vorbildern.

„Hier in Budapest spricht jeder von Prezi. Die haben es geschafft, in kurzer Zeit enormen Erfolg zu generieren, und sind Vorbild für alle Tech-Startups in Ungarn. Das motiviert und pusht uns natürlich, wenn wir sehen, was alles möglich ist“, weiß Balasz Komar, Mitgründer des Tech-Startups iSeeQ in Budapest.

5. Lerne aus Fehlern

Jedem Unternehmer passieren bei seiner Gründung Fehler, sogar viele. Anstatt die Schuldfrage zu stellen, ist es wichtig, aus den Fehlern zu lernen. Sowohl aus den eigenen, als auch aus fremden Fehlern. Ein exemplarisches Beispiel hierfür war der Niedergang Nokias, erzählt Voitto Kangas, CEO von Finnlands größtem Startup-Hub, Maria01.

„Der Beginn des Startup-Ökosystems hier war der Verkauf der Handysparte von Nokia an Microsoft. Dadurch haben eine Menge Menschen ihren Job verloren, Karrieren wurden beendet. In Finnland kannte vorher jeder jemanden, der für Nokia gearbeitet hat. Nokia hatte 23% des weltweiten Handymarkts ausgemacht. Das hat uns den Push gegeben: Wir müssen was Neues machen und dürfen uns nicht auf unseren Erfolgen ausruhen. Nokia hat genau diesen Fehler gemacht. Sie haben ihren Vorsprung verloren und wurden von ihren Konkurrenten überrumpelt.“

6. Universitäten müssen anwendungsorientierter denken

Wie wohl jeder BWL-Student weiß sind die meisten Inhalte des Studiums meist wissenschaftlich-theoretisch gehalten und wenig praxisorientiert. Man erhält Einblick in die unterschiedlichsten Kostenrechnungsmodelle oder Teile der Produktionswirtschaft, doch das hilft Gründenden nicht wirklich weiter. Praktikables Wissen hinsichtlich Gründungskonzepten und Arbeitsmethoden findet man nur selten in den Lehrplänen der Universitäten oder Hochschulen.

Professor Nikolaus Franke von der Wirtschaftsuniversität Wien erklärt, wie die WU Wien genau diesem Praxismangel entgegenwirken möchte: „In unserer Lehre haben wir neben den üblichen Theoriekursen, in denen man die Methoden und Zusammenhänge kennenlernt, die Hälfte der Kurse anwendungsorientiert gestaltet. Wir kooperieren mit Startups, Unternehmen und Multinationals. Die Studierenden bearbeiten im Laufe ihres Semesters ein reales Innovationsproblem und haben so die Möglichkeit, ihr gelerntes Wissen direkt umzusetzen.“

7. Verbessert die Internet-Leitungen!

Ihr kennt es doch auch: Man ist keine fünf Minuten raus aus der Großstadt und hat nur noch Edge-Signal auf dem Handy. Martin Eisenlauer, Chefredakteur der Technologie-Sparte bei der „Bild“-Zeitung, bringt es auf den Punkt: „Deutschland hat eigentlich ein gutes Mobilfunknetz, solang man in den Ballungsräumen ist. Wenn man aufs Land rausgeht, wird es sehr schwierig. Vor allem für Startups, die sich die hohen Mieten nicht leisten können, ist es sehr wichtig, auch da eine ausreichende Netzkapazität zu haben.“

Damit die motivierten Startups in Deutschland flexibel sind und unabhängig vom Standort durchstarten können, ist es an der Zeit, diese Problematik anzugehen und für ein flächendeckendes gutes Mobilfunknetz zu sorgen.

8. Amts- und Behördengänge digitalisieren

Ob die Einholung der Steuernummer oder eine Handelsregisteranmeldung – Behördengänge und Anmeldeprozesse verursachen in der Startphase jedes Unternehmens sehr oft einen hohen Zeitaufwand. Während es in Deutschland bis zu einem halben Jahr dauern kann, bis man endlich die ersten Rechnungen schreibt, dauert der gesamte Prozess in Ländern wie Estland oder Litauen nur wenige Minuten und läuft komplett digital ab.

„Du kannst jedes Unternehmen digital gründen. Lift99 beispielsweise wurde digital gegründet. Ich war damals am Frankfurter Flughafen auf dem Weg nach Kuba. Ich habe vier bis fünf Minuten ein paar Formulare online ausgefüllt und als ich dann in Havanna gelandet war, war die Firma gegründet“, erzählt Ragnar Sass, Gründer und CEO von Lift99, dem wichtigsten CoWorking Space in Tallinn.

9. Die Krise als Chance sehen

Die aktuelle Zeit stellt nicht nur Gründer vor große Herausforderungen. Doch anstatt den Kopf in den Sand zu stecken oder die geschmiedeten Pläne direkt über Bord zu werfen, solltest du die Krise nutzen. Besonders in Krisenzeiten hat es schon immer unausweichliche Insolvenzen, und Entlassungen gegeben. Daher müssen sich die betroffenen Arbeitnehmer und Arbeitssuchenden neu orientieren und die Chance ergreifen sich selbstständig zu machen.

„Als ich mit meinem Studium angefangen hatte sind alle meine Freunde ins Erdöl-Geschäft eingestiegen, denn das war schon immer ein Kernbusiness Norwegens. Nach zwei Jahren meines Studiums kam dann die Ölkrise und alle wurden nacheinander entlassen. Plötzlich sind Geldtöpfe entstanden und alle wollten sich selbstständig machen und ein eigenes Unternehmen gründen. Die Krise hat uns definitiv einen Push gegeben.“ – Emilie Aabakken, Gründerin von Wiral Cam.

10. Erfolgreich gründen ist überall schwer

Egal, wo du gründest – es gibt kein perfektes Land zum Gründen. Jedes Land hat seine Vor- und Nachteile. Jeder Gründer muss für sich selbst herausfinden, wo er die besten Voraussetzungen hat, sein Unternehmen erfolgreich aufzubauen. Miete, Talentsuche, Product-Market-Fit und Lifestyle sind nur wenige Punkte, die man nicht außer Acht lassen sollte.

Mache dir also vorab Gedanken, welche Standorte für dich in Frage kommen und notiere dir alle Pros und Cons. So kannst du besser abwägen, ob dein geplantes Gründungsland auch gründerfreundlich genug ist und dir alle Vorzüge bietet, die deine Idee schnellstmöglich Realität werden lassen.