Unternehmensvision

Die Unternehmensvision: Der Leuchtturm im Dunkeln

Jede Abteilung, begonnen bei der Geschäftsführung bis zum Sachbearbeiter, wird getragen von der gemeinsamen Unternehmensvision. Vorausgesetzt natürlich, diese Vision wurde nicht von oben „durchgedrückt“, sondern auf breiter Basis gemeinsam entwickelt und kontinuierlich gepflegt. Wie das richtig funktioniert, erklären Normen Ulbrich und Frank Leuz in ihrem Gastbeitrag.

Es ist keine Woche her, da waren wir bei einem Kunden, der sein Unternehmensleitbild mit uns entwickelt hat. Wie viele andere Unternehmen leidet auch er in seiner Branche sehr unter den wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie.

Besonders bemerkenswert war jedoch die Stimmung, die uns entgegensprang, als wir zur Tür hereinkamen. Wir hatten damit gerechnet, dass uns ein Tag Krisenmanagement und emotionale Stabilisierung der besorgten Mitarbeiter erwarten würde – doch weit gefehlt: Die Mitarbeiter berichteten uns, dass sie einen neuen Großinvestor für sich gewinnen konnten, um mit diesem ein zukunftsweisendes Projekt umzusetzen, das allerdings erst in einigen Jahren Gewinne versprach.

Orientierung schafft Sicherheit und Sicherheit schafft Vertrauen

Ohne, dass wir die Frage überhaupt stellen mussten, formulierte der Geschäftsführer den Wert seines Unternehmensleitbildes: „Wir haben hier im Unternehmen unseren Blick auf Chancen und Möglichkeiten behalten können.“ Für die Mitarbeiter biete speziell die gemeinsame Vision Orientierung, so der Geschäftsführer. Diese gemeinsame Unternehmensvision sei so etwas wie der Leuchtturm im Dunkeln, der umso wertvoller für alle leuchtet, je dunkler es (aktuell) ist.

Aus diesem Grund fühlen sich in diesem Unternehmen die Mitarbeiter, trotz der besorgniserregenden äußeren Umstände, gut vorbereitet und konnten damit in dieser Zeit ihre Zuversicht wahren. Genau dies hält das Unternehmen nicht nur produktiv, sondern auch innovativ – Werte, die in Krisenzeiten oft allzu leicht verlorengehen und der Angst Platz machen.

Wo Vertrauen ist, hat Angst keinen Platz

Je schwieriger die Entscheidungen oder die äußeren Umstände sind und egal, ob ihr auf Geschäftsleitungsebene oder Mitarbeiterebene agiert: Letztlich sollte jede Entscheidung, die ihr trefft, auf eure unternehmerische Vision einzahlen. Mit anderen Worten: Alles, was im Unternehmen geschieht, richtet sich an der Unternehmensvision aus.

Wenn ihr jetzt fragt: Sollte denn die Vision nicht in der Tat top-down entwickelt und kommuniziert werden, es ist doch schließlich das Unternehmen des Inhabers?! Richtig, so denken leider noch immer viele Unternehmern, weil sie fürchten, etwas aus der Hand zu geben. In Teilen stimmt das sogar: Sie geben die Entwicklung der Richtung ihres Unternehmens ab – was sie jedoch gewinnen ist ein Team, das auch in schwierigsten Zeiten zu und hinter dem Unternehmen steht. Aus dem einfachen Grund, weil jeder sich identifizieren kann, weil jeder darin vorkommt und jeder seine Antworten im Unternehmen selbst findet.

Was hat die Unternehmensvision mit unserem Gehirn zu tun?

Werfen wir dazu einen kurzen Blick in unser Gehirn: Unser Gehirn versucht ständig so wenig Energie wie möglich zu verbrauchen. Biologisch ergibt das total Sinn, denn das Gehirn ist in unserem Körper der größter Energieverbraucher. Über den Großteil der menschlichen Evolution war es jedoch ein enormer Aufwand, diese Energie bereitzustellen. Deshalb hat unser Gehirn gelernt, stets nach dem energiesparendsten Setting zu streben. Diesen Zustand nennt man Kohärenz, also das Ideal, bei dem alles perfekt zusammenpasst und wir Energie verbrauchen. Informationen, Beobachtungen, Erfahrungen, Gefühle und Wahrnehmungen verzahnen sich in diesem Zustand perfekt, wie die Teile eines Puzzles.

Stellt euch jetzt vor, wie es unserem Gehirn geht, wenn es vor einer schwierigen Entscheidung steht, z.B. in einer Krise, in einer Pandemie, bei starken äußeren Veränderungen usw. – unser Gehirn ist höchst inkohärent. Es versucht jetzt möglichst schnell, wieder seinen kohärenten Lieblingszustand zu erreichen.

Übertrage diese Erkenntnisse auf dein Unternehmen

Die Unternehmensvision gibt dem Gehirn genau diese Möglichkeit, die es sucht: Ruhe, Energieersparnis und Ordnung. Die Vision ist quasi der Leitstern des Gehirns, zu dem es sich lohnt hinzustreben: In diesem Bild – der Vision – ist alles, wie im Puzzle, informiert, in Form, sprich: in Ordnung.

Die einzige wirkliche Voraussetzung für die Wirkkraft der Vision ist das Commitment derer, die mit der Vision in Kohärenz gehen sollen. Leitbilder haben aus unserer Erfahrung leider bei vielen  Unternehmen das Problem, dass sie eben diese Kohärenz nicht erzeugen, weil keine Identifikation stattfindet, und damit auch keiner der Mitarbeiter die gewünschten Antworten und die gewünschte Ordnung für sich darin findet. Echte Power entfaltet die Vision im Leitbild jedoch nur, wenn es das Abbild eines intensiven Prozesses darstellt, an dem sich viele beteiligen, einbringen und diskutieren durften.

Genau diese Kraft erlebt unser Kunde, der trotz Krise einen neuen Investor begeistern konnte.

Zum Weiterlesen

Unternehmensvision

Wie man Werte, Vision und Mission eines Unternehmens gestaltet und ins Tagesgeschäft integriert, zeigen Normen Ulbrich und Frank Leuz in ihrem „Workbook Leitbildentwicklung“. Darin findet ihr nicht nur Hintergründe und theoretische Anweisungen, sondern die kompletten Workshop-Unterlagen, die für die Erarbeitung einer authentischen Positionierung erforderlich sind.

.

Normen Ulbrich & Frank Leuz

Normen Ulbrich & Frank Leuz

Normen Ulbrich nutzt seine langjährigen Erfahrungen aus der Führung von Teams, der Personalentwicklung und der Unternehmenswelt, um maßgeschneiderte Führungskräfteentwicklungsprogramme zu konzipieren und durchzuführen. Frank Leuz ist Business Coach, Strategieberater und Kommunikationsdesigner, sowie Experte für Positionierung und Marketing. Diese Themen bedient er sowohl in seinen Seminaren als auch als Autor und Keynote-Speaker. Zusammen mit Normen Ulbrich ist er Autor des Fachbuchs „Workbook Leitbildentwicklung“.

Send this to a friend