Krawatte beim Vorstellungsgespräch – ja oder nein?

Glückwunsch – deine Bewerbung war erfolgreich, den Termin für das Vorstellungsgespräch hast du in der Tasche. Du hast dir auch schon mögliche Fragen, Antworten und Gegenfragen überlegt, die im Gespräch auf dich zukommen könnten, so viel wie möglich über die Firma recherchiert und dir noch fix ein paar Tipps zum Thema souveräne Körpersprache besorgt. Nun steht noch eine Frage im Raum, bevor es wirklich ernst wird: Krawatte – ja oder nein?

Die Krawatte: Aufstieg und Niedergang

Während es bis vor einigen Jahren gang und gäbe war, dass Herren bei offiziellen Anlässen Krawatte trugen, hat sich das Blatt heute deutlich gewendet. Eingeführt um das Jahr 1830 von Honoré de Balzac, war sie ab dem 20. Jahrhundert fester Bestandteil der Business-Uniform. Und auch im Alltagsleben angekommen: Studenten der 68er, die Beatles oder Juristen – alle trugen sie. Dann kam die Zeit der New Economy: Die wohl heftigste Breitseite gegen das klassische Herren-Outfit sind die Aufritte der Silicon Valley Stars. Ihre Protagonisten Steve Jobs, Jeff Bezos oder Mark Zuckerberg (mal abgesehen von gelegentlichen Gerichtsterminen) waren oder sind meist recht casual unterwegs. Diesem Trend sind mittlerweile auch die Chefs der hiesigen Dax-Konzerne gefolgt. Dieter Zetsche von Daimler, Joe Kaeser von Siemens oder Volkmar Denner von Bosch: Sie alle haben sich vom Langbinder verabschiedet.

Und beim Vorstellungsgespräch? Business-Uniform…

Und wie sieht es nun bei dir aus? Wie so häufig ist die Antwort auch im Fall Krawatte ein klares „Jein“. Du bewirbst dich bei einer Bank, einem Versicherungsunternehmen oder einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft? Dann ist ein gut geschnittener Anzug und eine farblich passende Krawatte Voraussetzung. Je höher die Position und je mehr Kundenkontakt, desto formeller. Bei generell eher traditionsbewussten Konzernen empfiehlt sich vorher eine kurze Recherche. Hat ein Konzern gerade öffentlichkeitswirksam die Krawattenpflicht abgeschafft, kannst du im Vorstellungsgespräch auch darauf verzichten. Anzug, Hemd und Schuhe sollten natürlich dennoch schick sein und zusammenpassen – die Abkehr von der Krawatte heißt nicht, dass die Bewerber jetzt in Sneakers und der Lieblingsjeans ankommen sollten.

… oder eher casual?

Anders sieht es bei Agenturen, Start-ups oder in der Internetbranche aus. Hier geht es auf den ersten Blick meistens etwas lockerer zu, auch was das Outfit angeht. Und wenn du nach dem Check der Unternehmenshomepage feststellst, dass kein einziger Mitarbeiter Krawatte oder Kostümchen trägt, dann wärst du im Vorstellungsgespräch vermutlich eher overdressed. Hier kannst du die Krawatte guten Gewissens weglassen. Wenn du dir unsicher bist, frag vorher Freunde und Bekannte: Fast jeder kennt jemanden, der jemanden kennt, der in besagter Branche oder sogar in besagtem Unternehmen arbeitet oder gearbeitet hat.

Augen auf bei der Berufswahl

Grundsätzlich gilt: Verursacht es dir quasi körperliches Unwohlsein, eine Krawatte zu tragen, und sei es auch nur für das Vorstellungsgespräch, dann solltest du dich eventuell gar nicht erst bei dem betreffenden Unternehmen bewerben. Der Stil, der im Vorstellungsgespräch angesagt ist, wird mehr oder weniger auch im Berufsalltag gepflegt. Und da steht die Krawatte deutlich für die konservative Variante. Doch egal ob klassisch oder locker: Zerknitterte Alltagskleidung ist in keinem Fall zu empfehlen. Auch Agenturen oder coole Start-ups nehmen es durchaus wohlwollend zur Kenntnis, wenn Bewerber sich mit ihrer Kleiderwahl und ihrem Auftritt Mühe geben und sowohl gepflegt als auch stilbewusst ins Vorstellungsgespräch gehen.

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