Jobwechsel: Vergiss CV und Zeugnis!

Jetzt scheinst du doch ganz schön in der Falle zu sitzen… Obwohl du die neue Stelle erst vor kurzem angetreten hast, willst du schon wieder weg. Offenbar hast du dir den Job ganz anders vorgestellt – vielleicht wurde er dir auch besser verkauft, als er tatsächlich ist. Aber gleich wieder kündigen? Wie wirkt sich denn ein so früher Jobwechsel auf das Arbeitszeugnis – und vor allem deinen Lebenslauf aus? Es ist eine Zwickmühle: Du willst kein Job-Hopper sein, aber keinesfalls länger in der jetzigen Firma bleiben.

Jobwechsel: Kopf oder Bauch?

Als Karriere-Coach sind mir solche Nöte von Kandidaten sattsam bekannt. Während deine Vernunft dafür plädiert, es mindestens zwei Jahre beim neuen Arbeitgeber auszuhalten,  sagt dir dein Herz: Der Job ist so sinnlos, dass ich hier nur Lebenszeit verbrenne. Kopf oder Bauch – worauf sollst du hören? – Denke bloß nicht, du würdest  für solche Überlegungen endlos Zeit haben, denn die Berufsjahre verfliegen im Handumdrehen…

Daher mein Rat: Folge deiner Neigung und beende baldmöglich den ungeliebten Job, anstatt nur auf einen „aalglatten“ Lebenslauf zu schielen! Frage dich, was du gerne als Nächstes machen möchtest und begib dich schnurstracks auf die Suche nach einer passenden neuen Stelle!

Zur Aussagekraft von Arbeitszeugnissen

Lass dich davon auch nicht von der Angst vor einem schlechten Arbeitszeugnis abhalten. So zeigt die Erfahrung, dass viele Arbeitgeber ohnehin geschönte Formulierungen nutzen, um mögliche Auseinandersetzungen mit dem scheidenden Mitarbeiter zu vermeiden. Darüber hinaus ist die generelle Aussagekraft von Zeugnissen fraglich. Aktuelle Studien kommen zum Ergebnis, dass Unternehmen dem Arbeitszeugnis durchschnittlich nur drei Minuten Aufmerksamkeit schenken, wenn sie Bewerbungsunterlagen auf den Tisch bekommen. Das heißt konkret: Zeugnisse spielen bei der Personalauswahl nur eine untergeordnete Rolle.

Lücken sind ok – Lügen nicht

Kommen wir nun zu einer weiteren negativen Begleiterscheinung, die ein zeitiger Jobwechsel haben könnte: der Darstellung im CV.  Könnte sich mancher potenzielle Arbeitgeber nicht daran stören, dass du nur ein paar Monate lang bei einem Unternehmen warst, erst recht dann, wenn sich daran nicht gleich ein neues Arbeitsverhältnis angeschlossen hat?

Hier kann ich dir nur raten, mit offenen Karten zu spielen und nicht krampfhaft zu versuchen, offensichtliche Lücken im Lebenslauf „aufzuhübschen“.  Denn solch ein Schuss geht fast immer nach hinten los: Wer für diese Lücken bestimmte Tätigkeiten oder Weiterbildungen erfindet und dann im Job-Interview danach gefragt wird, gerät nicht nur in Erklärungsnot, sondern verspielt auch endgültig seine Reputation. Bleibe einfach bei der Wahrheit und sage, dass es bei der betreffenden Stelle leider nicht geklappt hat, du dabei jedoch eine Menge gelernt hast. Auch die Wirtschaftsexperten fordern, in Deutschland eine „Kultur des Scheiterns“ zu etablieren, wenn sich die Geschäftswelt weiter entwickeln soll. Dazu gehört unter anderem, dass einem Gründer, der mit einem Start-up gescheitert ist, kein Makel anhaftet. Das Gleiche muss auch für Arbeitnehmer gelten, deren CV zwischen zwei Jobs einige Monate Pause aufweist.

Und hier noch ein weiterer Grund,  warum du den Stellenwechsel mutig in Angriff nehmen und dir dabei keine Gedanken um CV und Arbeitszeugnis machen sollst: Hast du dir schon einmal überlegt, dass du bei der Wahl deines neuen Arbeitgebers so treffsicher sein könntest, dass du diese beiden Dokumente nie wieder für Bewerbungen brauchst?

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Frank Rechsteiner

Frank Rechsteiner

Frank Rechsteiner ist Inhaber der Hype Group, die auf Executive - Recruiting und Strategieberatung für IT-Unternehmen spezialisiert ist. Zuvor hatte er langjährige Führungspositionen bei internationalen IT-Anbietern inne. Mit regelmäßigen Umfragen und Studien ermittelt er Trends im IT-Arbeits- und -Bewerbermarkt. Als Autor schreibt Frank Rechsteiner für den Springer Gabler Verlag Fachbücher, unter anderem zum Thema „Kulturbasiertes IT-Recruiting“.

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