Der Traumjob: Realität oder Illusion?

Tagtäglich hört man in den Medien Geschichten von Menschen, die ihren alten, unbefriedigenden Job gekündigt haben und ihrem „Traum“ gefolgt sind, der sie tagtäglich erneut von Glück erfüllt. Sie erwecken beim Betrachter die Sehnsucht nach einem besseren, erfüllenderen Beruf, kurz: dem Traumjob. Aber gibt es diesen sogenannten Traumjob überhaupt oder ist er nur eine Illusion?

Ohne Traumjob ist man unglücklich?

Früher diente der Beruf zur Sicherung der Grundbedürfnisse: Soziale Anerkennung, Sicherheit und Geborgenheit, Vertrauen, Selbstachtung, Unabhängigkeit und Verantwortung. Die Arbeit diente also als (monetäre) Basis für Wichtigeres. Heute hingegen ist der Beruf zunehmend ein Mittel zur Selbstdarstellung geworden und fungiert gewissermaßen als Statussymbol.

Doch genau diese neue Definition bringt eine große Last mit sich. Unter dem Label „Traumjob“ besteht ständig der Anspruch, immer glücklich und perfekt zu sein oder eben ständig danach zu streben. Es wird der Eindruck erzeugt, ohne Traumjob sei man unglücklich. Es wird empfohlen, das zu machen, was Spaß macht, was einen erfüllt. Das Problem dabei: Nicht alles was Spaß macht, sollte man zum Beruf machen. Es gibt zudem einen großen Unterschied zwischen Beruf und Berufung. Der Beruf dient dem Geldverdienen, der Sicherung der Grundbedürfnisse. Die Berufung ist in der Regel das Streben nach etwas Höherem, einer Vision oder ähnlichem. Die Berufung kann zum Beruf gemacht werden, muss aber nicht. Vieles lässt sich besser in der Freizeit verwirklichen. So muss ein Dichter nicht von seinen Gedichten leben können, sondern kann sich in seiner freien Zeit auf seine Berufung konzentrieren, weil er seinen Lebensunterhalt in einem anderen Job verdient.

Der Traumjob: Eine Illusion?

Diese Überlegung eröffnet die Frage nach den Prioritäten im Leben und der Frage, was einem wichtig ist. Der Beruf muss möglicherweise nicht die Erfüllung bringen, sondern nur die Basis bilden, auf der in der Freizeit die Passion aufgebaut werden kann. Dabei ist die Frage nach der Work-Life-Balance wichtiger als die reine Betrachtung der Arbeit.

Wie schon in der Einleitung angedeutet, ist der Traumjob eine Illusion, die von anderen erzeugt wird. Ihr scheinbarer Erfolg und ihr Glück erweckt Neid und den Eindruck, dass das eigene Leben unzufriedenstellend ist. Dabei sollte man auch berücksichtigen, dass die perfekte Arbeit sich mit den Lebensumständen wandelt. Eine junge Universitäts-Absolventin hat eine andere Vorstellung davon als eine alleinerziehende Mutter.

Was viele zudem gerne aus den Augen verlieren: Oft besteht der Traumjob meist nur aus einer Essenz, nach der gesucht wird. Diese muss sich nicht in einem bestimmten Beruf wiederfinden, sondern kann in vielen verschiedenen Berufen gefunden werden. Wer gerne Wissen vermitteln möchte, kann Lehrer werden, aber auch Journalist, Autor oder Touristenführer. Die Einschränkung auf den einen perfekten Job kann also auch hinderlich sein.

Tipps für Erfüllung im Job

Grundsätzlich ist natürlich nichts gegen die Tatsache einzuwenden, dass der Job Spaß machen sollte. Schließlich verbringen wir die meiste Zeit unseres Lebens in der Arbeit. Aber man sollte sich bei der Suche danach nicht zu sehr einschränken, gezielt vorgehen und nicht unter Druck setzen.

Hier ein paar Tipps, die dir bei der Suche nach einem erfüllenden Job weiterhelfen können:

  • Sammel Erfahrungen durch Praktika oder Mini-Jobs noch während deines Studiums. So kannst du häufig schon bestimmte Arbeitsbereiche für dich ausschließen.
  • Analysiere: Was ist dir wichtig im Beruf, auf was legst du weniger Wert? Was sind deine Stärken? Wie kann ein Unternehmen von dir profitieren?
  • Bau gezielt ein Netzwerk aus, denn viele gute Jobs gehen unter der Hand auf dem sogenannten verdeckten Arbeitsmarkt weg. Das bedeutet, dass du dich nicht nur auf Jobportale und planlose Initiativbewerbungen verlassen solltest.
  • Überlege gezielt, welche Unternehmen für deine Wünsche in Frage kommen könnten und sammel über dein Netzwerk Informationen darüber. Frag ruhig auch Mitarbeiter, die dort arbeiten, wie sie zum Beispiel das Klima unter den Kollegen empfinden. Scheu dich dabei nicht, auch über Portale wie XING oder LinkedIn unbekannte Mitarbeiter zu kontaktieren.
  • Probier verschiedene Arbeitsbereiche aus und scheu dich nicht davor, die Stelle zu wechseln.
  • In manchen Fällen musst du vielleicht gar nicht kündigen, sondern kannst in deinem Berufsalltag nach und nach kleine Dinge verändern, bis du damit zufrieden bist.
  • Mach dich selbstständig: Das ist zwar mit sehr viel Arbeit verbunden, kann aber für den einen oder anderen erfüllender sein als in einem Unternehmen unter einem Vorgesetzten zu arbeiten.

Egal wie du vorgehst: Lass dich nicht von dem Label „Traumjob“ unter Druck setzen, sondern versuch in Ruhe den Job zu finden, der am besten zu dir passt. Hab keine Angst davor, Verschiedenes zu probieren oder auch einmal etwas ganz anderes zu erkunden.

Team Karriere Boost

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