Neu im Job: Wissen die nicht, wie gut ich bin?

Wer seinen ersten Job antritt, und sei es auch nur ein Praktikum, möchte sich gerne möglichst umfassend einbringen. Nicht „bloß arbeiten“, sondern sich im Job auch selbst verwirklichen, große Dinge bewegen – und erlebt erst mal den Praxisschock. Dr. Cornelia Topf von metatalk gibt euch in ihrem Gastbeitrag Tipps, wie ihr durch bessere Kommunikation den anderen zeigt, was ihr wirklich draufhabt.

Wirksame Kommunikation vergeigt – Praxisschock garantiert

Ein Jungmanager, 28 Jahre, Abschluss in Internationalem Management, klagte im Coaching: „Wie die mit mir umspringen! Wissen die nicht, was ich alles draufhabe?“ Praxisschock. Kennt jede(r). Dass dieser Schock maßgeblich an der eigenen Kommunikation liegt, wissen aber nur wenige.

Jedenfalls zum großen Teil liegt es an der eigenen Kommunikation. Das ist nicht deine Schuld! Den wenigsten wird beigebracht, wirksam zu kommunizieren. Aber: Wenn wir etwas selber in der Hand haben, können wir es auch selber abstellen. Indem wir einige Punkte bei der alltäglichen Kommunikation beachten:

Fehler 1: Arglose Arroganz

KollegInnen und Vorgesetzte beklagen oft, wie arrogant Berufsanfänger doch seien. (Fast) niemand ist das absichtlich! Das rutscht einem eben so durch: „Das habe ich an der Uni anders gelernt.“, „Sie verwenden noch dieses Verfahren?“ Dagegen werden neue MitarbeiterInnen, die sich in den ersten 100 Tagen erst mal diplomatisch zurückhalten – auch und gerade dann, wenn sie Recht haben –, als deutlich sympathischer wahrgenommen. Denn: Niemand lässt sich gerne, möglicherweise noch von jemand deutlich Jüngerem, als Depp hinstellen.

Fehler 2: Verfehlte Zurückhaltung

Auch das Gegenteil kommt nicht gut an: Der/die Neue sitzt im Meeting und „will erst mal nur zuhören, mich orientieren“, sagte die Jungingenieurin im Coaching. Sie sagte es mir. Nicht den KollegInnen im Meeting. Deshalb missverstanden diese ihre Zurückhaltung als „Die Neue ist wohl ein bisschen demotiviert, zeigt kein Engagement. Was will die denn hier?“ Versuche, deine Zurückhaltung zu überwinden. Bringe dich irgendwie ein, stelle Rückfragen und zeige Interesse am Thema, an den Abläufen usw.

Fehler 3: Versehentliche Werturteile

„Sie legen zum Investitionsantrag tatsächlich eine Deckungsbeitragsstaffel bei?“, fragt der Neue den Vorgesetzten. Dieser erwidert: „Wieso nicht? Was soll daran falsch sein?“ So war das nicht gemeint! Aber so kam das beim Vorgesetzten an. Als Werturteil: „Ihr seid rückständig!“ Du vermeidest das, indem du so neutral wie möglich kommunizierst, zum Beispiel: „Bitte sagen Sie mir nochmal, welche Unterlagen ich dem Investitionsantrag beilegen soll.“

Fehler 4: Allzu Privates

Manchmal ist der Praxisschock kein Schock, sondern eine angenehme Überraschung: Die sind alle so nett! Also verliert man/frau jede Zurückhaltung und teilt sich mit. Auch zu Privatem. Zu viel und zu oft. Die Engländer haben ein Sprichwort: „Familiarity breeds contempt.“ Wer allzu vertraulich kommuniziert, schafft damit nicht Vertrautheit, sondern Ablehnung. Es gibt einen Unterschied zwischen guten KollegInnen und guten FreundInnen: Beachte ihn. Job ist Job – liebgehabt wird man zu Hause.

Fehler 5: Allerlei Unhöflichkeiten

Nicht grüßen, nicht bitte und danke sagen, andern ins Wort fallen, Vorgesetzte unterbrechen, reden ohne Blickkontakt … „Ich dachte, ich werde nach Kompetenz und Leistung beurteilt“, beschweren sich Coachees oft. Ja, natürlich, aber eben nicht ausschließlich. Niemand benotet einen erstklassigen Experten positiv, der sich wie die Axt im Walde benimmt.

Fehler 6: Mehr reden als zuhören

Der Mitteilungsdrang mancher Neuer ist beachtlich. Kein Wunder! Endlich ist man die Schulbank los! Das verstehe ich – leider die meisten altgedienten KollegInnen und Vorgesetzten nicht. Die kommen leicht zum voreiligen Schluss: „Kann nicht zuhören. Weiß alles besser. Quatscht mir das Ohr blutig.“ Es kommt auf das Verhältnis an. Daumenregel: 70% zuhören, 30% selber reden – nicht umgekehrt!

Fehler 7: Überforderung ausstrahlen

Als Neue(r) fühlt man sich oft überfahren von all dem Neuen am Arbeitsplatz. Man läuft praktisch permanent stirnrunzelnd durch die Gegend. Das ist verständlich, provoziert aber Fehlschlüsse: „Was haben wir dem/der getan? Freut der/die sich nicht, bei uns zu sein?“ Einfache Abhilfe: Anerkennung aussprechen. Jeden Tag mindestens ein halbes Dutzend Mal. Profis schaffen mehr. Zum Beispiel: „Die Arbeitsmittel sind ja top!“, „Eine Spesenabrechnung mit fünf Klicks – phantastisch!“, „Das neue Projekt ist echt klasse!“

Fehler 8: Feedback erwarten, statt einholen

Das Los vieler (junger) Menschen am Arbeitsplatz: kein Lob, kaum Anerkennung. Selbst Sonderleistungen werden als selbstverständlich genommen: „Dafür werden Sie schließlich bezahlt!“ Viele werden sauer oder resignieren. Musst du nicht. Hol dir, was dir zusteht. Anerkennung ist in vielen Firmen und Familien Holschuld. Fordere also Feedback ein: „Wie sind Sie zufrieden damit?“, „Was gefällt Ihnen besonders daran?“ Wer Fragen stellt, bekommt Antworten (meistens).

Wirksame Kommunikation – ein mächtiger Erfolgsfaktor

Das waren acht Brennpunkte der Alltagskommunikation im Beruf. Es gibt noch einige andere. Es kommt weniger darauf an, sie alle perfekt zu beherrschen. Viel stärker kommt es auf die Erkenntnis an: Wie ich in den Wald hineinrufe, so schallt es heraus. Nicht nur Leistung und Kompetenz, sondern vor allem auch Kommunikation entscheiden über deinen und meinen Erfolg in Beruf und Leben.

Cornelia Topf

Cornelia Topf

Dr. Cornelia Topf ist internationaler Business-Coach. Sie trainiert und coacht Führungskräfte und Mitarbeiter aller Branchen in erfolgsorientierter Kommunikation und souveränem Auftritt. Sie ist vielfache Buchautorin., u.a. zum Thema „Small talk“ und „Bewerbungsgespräche“.

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