Versteckte Regeln, geheime Spiele: Tipps für Job-Neulinge

Wer neu in Beruf oder Unternehmen ist, freut sich natürlich über den neuen Job – wenn da nicht ein Problem wäre: Als Neue(r) durchschaut man/frau die Abläufe noch nicht ganz. Informelle Zuständigkeiten, versteckte Regeln und die heimlichen Spiele – all das kennst du noch nicht und deshalb gerätst du oft in Situationen, in denen dir nur noch der frustrierte Ausruf übrigbleibt: „Ja woher soll ich denn das wissen? Das hat mir keiner gesagt!“

Lauf nicht wie Falschgeld durch die Gegend!

Wer die geheimen Regeln noch nicht kennt, läuft wie Falschgeld durch die Gegend, fühlt sich mehr oder minder fehl am Platze und erntet deshalb auch ständig die Blödjobs, die sonst keiner machen möchte. Dieser Missstand frustriert viele derart, dass sie irgendwann die Arme verschränken und aus der Trotzecke heraus angewiesene Aufgaben kommentieren mit: „Das kann ich nicht, das mach ich nicht, das hat mir schließlich keiner erklärt!“ Spätestens dann ist man/frau bei Vorgesetzten und KollegInnen unten durch. So sehr wir auch alle in Versuchung geraten, in solchen Situationen das Trotzkind in uns rauszulassen: Das hilft keinem; am allerwenigsten dir selbst. Es geht vielmehr darum, konstruktiv mit einer frustrierenden Situation umzugehen. Wie?

Raus aus der Opferhaltung

Viele hoffen, dass irgendwann irgendjemand etwas sagt wie: „Entschuldigung, das hätte man Ihnen natürlich vorher sagen müssen!“ Das hört man. Selten. Häufiger mosern KollegInnen und leider auch Vorgesetzte: „Sowas weiß man doch! Sowas muss man doch wissen!“ Ja, klar, wenn man seit Jahren dabei ist. Natürlich sind solche Bemerkungen voll daneben! Aber diese Erkenntnis hilft dir nicht. Was dir hilft: Raus aus der Opferhaltung und rein in die Fragehaltung. Am besten, wenn die anderen gerade ohnehin über ein Thema reden, das dir bislang noch fremd ist: „Das ist interessant. Bitte erzählen Sie mir mehr davon!“ Hast du es bemerkt? Im Gegensatz zu „Aber das hätte mir doch jemand sagen müssen!“ steckt in so einer Formulierung kein Vorwurf, der die Angesprochenen gegen dich aufbringt.

Verständnis: Wer drum bittet, kriegt es auch

Gerade in großen Unternehmen wissen Abteilungsfremde oft nicht, dass du der/die Neue bist. Also sag es ihnen: „Entschuldigung, diesen Ablauf kenne ich noch nicht. Ich bin erst seit Kurzem in der Firma.“ Danach bekommst du weitaus häufiger das Verständnis, die Rücksichtnahme und die Informationen, die du brauchst. Vorsicht: Mach dich nicht klein dabei! „Ich bin ganz frisch hier und hab noch keinen blassen Dunst!“ Damit erntest du kein Verständnis, sondern Mitleid oder Ablehnung. Wer Fragen stellt, macht schon mal alles richtig. Wer sie selbstbewusst und freundlich stellt, macht es richtig gut.

Die Mauer des Schweigens knacken

In vielen Unternehmen und Abteilungen herrscht eine hermetische Kommunikationskultur: Wissen ist Macht. „Wir haben das alles ja auch selber herausfinden müssen! Also warum sollten wir es jetzt dem Kollegen/der Kollegin verraten, bloß weil er/sie neu ist?“ Auf so eine Mauer des Schweigens zu stoßen, ist für jeden vernünftigen Menschen frustrierend. Doch es gibt immer einen Kollegen, einen alten Hasen oder Nestor der Abteilung, eine besonders erfahrene und kollegiale Kollegin, die ihr Wissen gerne mit dir teilen: Finde diese Person und rede unter vier Augen mit ihr oder ihm.

Mach nicht den Besserwisser!

Wenn du endlich herausgefunden hast, wie der Hase läuft, stellst du oft fest, dass er in die falsche Richtung läuft: Die etablierten KollegInnen haben einen Startschuss überhört und praktizieren Abläufe, die nicht mehr effizient oder nicht mehr auf dem Stand der technischen, methodischen oder gesellschaftlichen Entwicklung sind. Gerade wenn man vorher von denselben KollegInnen klein gehalten wurde, ist die Versuchung groß, es ihnen jetzt heimzuzahlen und ihnen zu zeigen, wie’s richtig geht: Lass es! Selbst wenn du absolut Recht hast: Du bringst nur alle gegen dich auf. Niemand mag Rechthaber und Oberlehrer. Wenn du Veränderungen anstoßen möchtest, dann bitte immer in homöopathischen Dosen und mit ständiger Hand am Puls: Ist der Patient schon überfordert damit? Oder geht noch eine Dosis?

Erfolg in einer unperfekten Welt

Wir alle arbeiten und leben lieber in einer Welt, in der uns rechtzeitig, freigiebig, gerne und umfänglich all das mitgeteilt wird, was wir an Information brauchen, um einen guten Job zu machen. Leider gibt es diese perfekte Welt nur auf wenigen winzigen Inseln im großen Ozean der Weltwirtschaft. In der Regel treffen wir eher auf das, was mir ein Coachee neulich klagte: „Ich steh hier völlig im Regen! Kein Schwein sagt mir was!“ Er ist immerhin Abteilungsleiter und seit vier Monaten im neuen Job. Er hat schon schwer daneben gelangt, weil ihm schlicht die nötigen Informationen fehlten. Inzwischen hat er erkannt: Die Kunst besteht darin, sich durchzufragen. Die Kunst besteht darin, zu fragen, ohne dass einem dabei ein Zacken aus der Krone fällt. Wer diese Kunst beherrscht, bringt es im Leben wirklich weit.

Cornelia Topf

Cornelia Topf

Dr. Cornelia Topf ist internationaler Business-Coach. Sie trainiert und coacht Führungskräfte und Mitarbeiter aller Branchen in erfolgsorientierter Kommunikation und souveränem Auftritt. Sie ist vielfache Buchautorin., u.a. zum Thema „Small talk“ und „Bewerbungsgespräche“.

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