„Hidden Organizations“ als Stolperfalle: Neulinge, aufgepasst!

Was hat ein Unternehmen mit der Titanic zu tun? Ziemlich viel – und das wirst du als Neuling mitten im Berufseinstieg auch bald feststellen. Denn neben dem offiziellen Organigramm, das du in der Begrüßungsmappe oder im Intranet findest, existiert noch ein weiteres. Das der „hidden organization“ und dieses Beziehungsgeflecht bewegt sich unter der Oberfläche – so wie der Teil des Eisbergs, der das Schicksal der Titanic besiegelt hat. Wenn du davon keine Ahnung hast, kannst du, um im Sprachbild zu bleiben, richtig hart auflaufen.

Um deinen Berufseinstieg nicht gleich zu Beginn zu vermasseln, ist also Vorsicht geboten: Prüfe genau, wem du vertrauen kannst und von welchen KollegInnen du dich besser ein wenig fern hältst. Hier einige Tipps.

Von Beziehungseisbergen und Elefantenrennen

Du bist noch mitten in der Start- und Orientierungsphase und hast von den informellen Verbindungen und Hierarchien zunächst mal herzlich wenig Ahnung. Zum Beispiel: Wer ist heimlich – oder für das bestehende Team auch weniger heimlich – mit wem liiert? Wenn du nicht weißt, dass dein Chef eine Techtelmechtel mit der Assistentin hat, und du fällst bei ihr in Ungnade, steigert das nicht eben deine Chancen auf einen guten Start in der Firma. Oder: Laufen im Unternehmen Elefantenrennen? Wurde beispielsweise ein zweiter Geschäftsführer installiert, um dem alten auf die Finger zu schauen? Während die Kollegen auf den höheren Ebenen schon mal das Popcorn auspacken und interessiert beobachten, wer wohl am Ende als Sieger das Feld verlässt, sind die Rookies in einer misslichen Situation. Verbündest du dich mit der falschen Seite, sind deine Karrierechancen ganz schnell im Keller. Es gilt also, sich möglichst schnell einen Überblick über diese Beziehungseisberge zu verschaffen.

Wichtig für den Berufseinstieg: Sei transparent

Um diesen Spielchen zu entgehen, solltest du die Stärke entwickeln, dich nicht vorschnell auf eine Seite ziehen zu lassen. Beobachte Menschen und Zusammenhänge und lies zwischen den Zeilen. Und: Versuch von Anfang an, transparent, kommunikativ und offen zu sein. Dein beruflicher Werdegang, Interessen, Hobbys, die harmloseren Schwänke aus deiner Jugend – wenn du offen auf deine Kollegen zugehst, können sie fast nicht anders, als es dir gleichzutun und dich in die sozialen Strukturen und in ihre Gespräche mit einzubeziehen. Nach dem Motto: „Gib du mir was und ich geb dir was“ kannst du so eine gute Grundlage für gegenseitiges Vertrauen und eine gute Kommunikationskultur mit den anderen schaffen. Je mehr du dann schon während dem Berufseinstieg in die sozialen Kommunikations- und Austauschprozesse eingebunden bist, desto mehr der überlebenswichtigen informellen Infos über deine Kollegen und Vorgesetzten erhältst du mit der Zeit.

Vorsicht vor Vereinnahmungen!

Ganz gehörig schief kann es auch laufen, wenn du dich von bestimmten Gruppen im Unternehmen „anwerben“ lässt. Da gibt es zum Beispiel die Minimalisten. Sie fahren im Job eine eher freizeitorientierte Schonhaltung: Um Himmels willen nicht zu früh kommen, die Mittagspause gerne ein wenig länger gestalten und alle möglichen sinnlosen Fortbildungen mitnehmen, die bisher noch immer unter dem Budget-Radar der Führungsriege mitgelaufen sind. Diese Kandidaten möchten alle, die potentielle Leistungstreiber sein könnten, schnell auf ihre Seite ziehen. Schließlich könnten die die Preise verderben und das entspannte Leben ist schnell vorbei. Wenn sie dann aber eines Tages doch auffliegen, tust du gut daran, nicht automatisch zu deren Reihen gezählt zu werden.

Mehr Tipps für Neulinge findest du in „Knigge für Berufseinsteiger“ von Claus-Peter Müller-Thurau.

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