Dein Arbeitszeugnis: So analysierst du es!

Die Codes im Arbeitszeugnis: So schwierig sind sie garnicht zu entschlüsseln – zumindest mit dem entsprechenden Hintergrundwissen. Hier findest du ein paar Tipps, wie du dein Zeugnis analysieren kannst und worauf du besonders achten solltest.

Eine sagenumwobene und mysteriöse Aura umgibt sie, die so genannten Geheimcodes im Arbeitszeugnis. Zu viel der Ehre, denn eins ist bleibt mal festzuhalten: Es hat sich unter Führungskräften sicherlich kein geheimer Zirkel etabliert, der sich immer wieder ausgefeilte und für nicht Eingeweihte unverständliche Codes ausdenkt. Geheimhaltung – das wäre bei der Vielzahl der ausgestellten Zeugnisse und der beteiligten Personen auch kaum zu bewerkstelligen. Eines ist aber richtig: In Sachen Arbeitszeugnis hat sich über die Zeit eine ganz eigene Sprache entwickelt, die man als Laie nicht so ohne Weiteres versteht. Geheim ist die nicht, man muss allerdings wissen, was bestimmte Formulierungen bedeuten und worauf man achten sollte. Hier findest du ein paar Tipps, wie du dein Zeugnis analysieren kannst.

Die Einleitung

Deine Daten und die Dauer der Beschäftigung – das ist alles problemlos zu prüfen. Doch auch hier können sich bereits versteckte Hinweise befinden, die von Personalern durchaus kritisch beäugt werden. Beispiel: In deinem Zeugnis steht: „… war beschäftigt…“ statt „…war tätig…“. Bereits diese Formulierung lässt Rückschlüsse darauf zu, dass der Bewerber sich eventuell nicht durch die allergrößte Eigeninitiative auszeichnete. Sollte man wissen.

Die Tätigkeitsbeschreibung

Der Chef hat dich über den grünen Klee gelobt und du bist voll und ganz mit deinem Arbeitszeugnis zufrieden? Achtung, auch hier lauern Stolperfallen. Zwar ist es richtig, dass du brillante Beurteilungen hast. Leider aber nur für unwichtige Nebentätigkeiten. Deine Hauptaufgaben oder auch die Jobs, die dich für einen neuen Arbeitgeber attraktiv machen würden, kommen im Zeugnis einfach nicht vor. Denkbar schlechte Voraussetzungen für deine nächste Bewerbung. Weil du einen Rechtsanspruch darauf hast, dass alle deine Aufgaben im Zeugnis genannt werden, kannst du hier auf jeden Fall Widerspruch einlegen. Auch spannend für Personaler: Wie lange warst du mit einer bestimmten Aufgabe betraut? Zwar kannst du in dieser Tätigkeit dann einer der Besten gewesen sein. Dennoch spricht das nicht dafür, dass deine berufliche Weiterentwicklung auf deiner Prio-Liste ganz oben stand. Denn sonst hätte dir dein Chef alsbald die nächste, anspruchsvollere Aufgabe anvertraut.

Also doch keine Geheimcodes?

Wie gesagt: Geheim sind die Formulierungen alle nicht. Mit unserem Buchtipp am Ende des Beitrags könnt ihr euch die wichtigsten Infos selbst anlesen. Und das lohnt sich, denn manches kann man als junger Arbeitnehmer einfach nicht wissen. Erfahrenen Zeugniserstellern oder -lesern sagt es aber durchaus etwas, wenn eigentlich wichtige Infos oder Tätigkeiten lieber weggelassen werden. Dir wäre das vielleicht so ohne Weiteres gar nicht aufgefallen. Und auch bestimmte sprachliche Formulierungen – eben jene garnicht so geheimen Geheimcodes – liefern Personalern auf einen Blick Infos über den Bewerber, die nicht jeder so ohne Weiteres entschlüsseln könnte. Beispiele:

  • Er galt im Kollegenkreis als toleranter Mitarbeiter. Meint: Für Vorgesetzte ist das ein ziemlich schwerer Brocken.
  • Wegen seiner Pünktlichkeit war XY stets ein gutes Vorbild. Meint: Wenn in Rahmen von qualifizierten Stellen die Pünktlichkeit die herausragendste Fähigkeit war, dann kann es um Leistung und Erfolge nun nicht so gut bestellt sein.
  • Er wusste seine Auffassung intensiv zu vertreten. Meint: Ein Ego so groß wie ein Hochhaus. Für viele Chefs ein K.O.-Kriterium

Welche Noten hinter Standardformulierungen stecken, wie du gegen ein schlechtes Zeugnis vorgehst und was zu beachten ist, wenn du selbst einen Vorschlag für ein Zeugnis machen sollst, dazu findest du jede Menge Infos und Expertentipps in „Mein Arbeitszeugnis entschlüsseln und entwerfen“ von Günter Huber und Waltraud Bauer. Außerdem im Buch und als Downloads: Musterzeugnisse aus den verschiedensten Branchen.

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